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30.01.2006
Allgemeine News

Making off palatinum arts – Ein Rückblick auf 4 Jahre Pfälzer Aktboulder-Fotografie

Von: Text: Alexander Wenner, Kai Richelsen, Fotos: Martin Joisten, Palatinum Arts, Mark Pedley


Mit dem aktuellen Aktkalender Palatinum Arts 2006 wird diese Projekt zunächst einmal ein Ende finden. Palatinum Arts 2007 wird es wohl nicht mehr geben. Grund genug ein kleines "Making off" und ein paar weitere Details zu diesem außergewöhnlichen Projekt zu präsentieren...


Making off palatinum arts – Ein Rückblick auf 4 Jahre Pfälzer Aktboulder-Fotografie
Zum mittlerweile vierten Mal produzierten Alex Wenner und Kai Richelsen unter ihrem Label palatinum.info ihren palatinum arts Kalender an Sandstein und Granit.

Zur ersten Ausgabe 2003 schrieb das Klettern-Magazin 11/02:
"«In meinen Filmen gibt es keine nackten Ärsche, und schon gar nicht meinen eigenen.»
Weniger prüde, aber auch weniger breitbeinig als der hier zitierte John Wayne präsentieren sich die von Alex Wenner fotografierten NackteurInnen der Boulderszene im Aktkalender „Palatinum Arts“. Damit alpine Sittenwächter die Moralkeule im Chalkbag lassen, sei gesagt, dass alle Fotomodelle das Problem der offenen Tür erfolgreich angehen“.

Warum ? Schon Peter Paul Rubens brachte seine Vision nackter Frauenkörper im 16.Jahrhundert malerisch zum Ausdruck, dicke Frauen waren es im Allgemeinen, ästhetisch oder unästhetisch, das liegt im Auge des Betrachters. Im Mittelalter umfasste der Begriff Erotik oft Liebesschmerz, Eifersucht, Verzweiflung und Obszönität. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Geändert hat sich die Erotik in der Werbung. Sex wird selten tabulos genutzt, selbst Supermarkt-produkte die mit Nacktheit und mit Sex-Appeal nichts zu tun haben, dem Endverbraucher schmackhafter zu machen. Sex sells !!!

Meine Vision: Was tun, wenn die meisten Boulderblöcke im Lande ausgesprochen hässlich daherkommen. Meist grünlich bemoost, manchmal armselig klein und feucht liegen sie unharmonisch eingebettet in einer dichtbewaldeten Mittelgebirgslandschaft, die der Alpinist und Kletterer aus Angst vor Gicht, Hautblässe, Wanzen oder Zeckenbisse meiden will. Die Linien sind es meistens, die den Aufwand lohnen. Perfektionierte Bewegungen, ein ausgeprägtes kinästhetisches Bewusstsein, ein  Maximum an Muskelkontraktion und Ästhetik verlangen dem Boulderer alles ab.

Fotografie ist Ausdruck höchster Subjektivität, die Liebe zum Detail und ein Entdecken des Bekannten. Schwarzweiss macht das Bild, mystischer oder futuristischer wirds, wenn Sepia oder ein zarter Blauton, der die überhitzten Gemüter, angewärmt durch zuviel nackte Haut wieder abkühlt, mit ins Spiel kommen. Palatinum arts versteht sich als eine Symbiose teils hässlicher Blöcke, schöner nackter Körper und präziser Moves, eine Auseinandersetzung zwischen Mensch & Fels, auf das absolute Minimum reduziert. Es ist ein Grenzgang und oftmals schmaler Grat zwischen schmudeliger Pornografie und ansprechender Erotik, aber doch gesteuert durch Brennweite, Belichtung und Gestaltung des Objekts. Das klingt fast schon esoterisch und ein bisschen nach Kunst.

Kunst beschreibt ein Lexikon als „Entwicklung der Erlebnissfähigkeit eines Menschen durch wirksame Gestaltung eines gegebenen Materials. Kunst schafft in sich abgeschlossene, allgemeingültige, aber nicht immer allgemeinverständliche  Werke“. Na prima, passt doch, das passt auch für palatinum arts.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2005, der 2006er Kalender kam frisch aus der Druckmaschine und zeigt erneut ein in sich abgeschlossenes Sammelsurium einzigartiger Aktfotografie in Europa dies- und jenseits des Boulderblocks.


Making-Off – Gedanken des Fotografen

  • Ok, zieh dich aus Mäuschen, die Kameraeinstellung stimmt, schön ist, dass es heute trüb am Himmel ist, das macht weniger Kontraste. Nein so nicht, komm, mach mal eine ästhetische Bewegung. Ja, so ist schon besser. Super.
  • Paparazzi auf der Burg: Shit, schau mal, die klotzen mit dem Fernglas vom Turm rüber zu uns. Mach schnell, sonst kommen die noch. Oh Gott, da kommt der Chef der Burg. Ich hau über den Hinterausgang ab, du ziehst dich einfach nur an, und machst so, als wärst du ganz normaler Touri. Wir treffen uns am Auto. - Anstrengung bitte, mehr Anstrengung, die Muskeln auf deinem Rücken gefallen mir noch nicht. Mach 10 Liegestütze, ok jetzt passts.
  • Ups, die Lady  ist ja nackt, Scharmröte treibts dem Burschen ins Gesicht. Nackt bouldern im Zentrum beliebter Bouldergebiete ist sowohl für das Model als auch für den Fotograf nicht einfach.


Palatinum arts 2006 – Das Interview

Alex Wenner, der Fotograf von palatinum arts sprach mit einem seiner Models, Annelie, über das Projekt.

Du bist eine Frau der Berge. Was sagt dein Vater (anmerkung d.Redaktion: Alpinist und Eiger-Nordwandbegeher) zu palatinum arts?

Er sagte mit einem Lächeln im Auge: "Früher hät´s das nicht gegeben,  wenn dass jetzt zum Sport der Alpen wird, darf ich auf meinen Wanderungen die Herztropfen nicht vergessen. Nö, aber jetzt mal im Ernst, keiner will, dass jetzt jeder Kletterer oder Wanderer im Gebirge nackt daher kommt, gibts denn keineTabus mehr?" Auch mein Freund fand es anfangs nicht sonderlich toll, dass ich im Kalender bin, aber als meine Oma ihn begeistert sogar ins Schlafzimmer hing, hat auch er gefallen daran gefunden.  Ästhetisch und erotisch findet er die Aufnahmen mittlerweile ?


Du hattest spontan zugesagt, als ich fragte, ob ich dich fotografieren darf, warum?

Nun, ich kenne euren Kalender seit der ersten Ausgabe und die Aufnahmen von deinen Jungs und Mädels an den unterschiedlichen Blöcken hatten mir von Anfang an gefallen, sie sind auch nicht pornografisch, man sieht ja eigentlich nix schlimmes auf den Bildern, dass anstössig wäre. Viele Frauen lassen sich in Studios fotografieren. Mir gefallen die Bilder in der Natur  wesentlich besser – sie sind einfach was besonderes. Ansonsten ist auch die Aufmachung von palatinum arts sehr edel.


Annelie frägt AlexW:
Was war deine idee damals, wie bist du zu der vision nacktbouldern gekommen?

Nach 15 jahren alpinen Klettern  und Sportklettern begann ich ausschliesslich zu bouldern. Ich empfinde diese Art des Kletterns im gesamten die anspruchsvollste Weise sich am Fels zu bewegen. Die Bewegungen sind sehr kraftvoll, ästhetisch und man entwickelt mit der zeit ein ganz intensives Gefühl für die Materie Fels. Für mich ist es Klettern in Perfektion. Palatinum arts sehe ich als einen Dialog zwischen Mensch & Fels, als Symbiose einer schönen Bewegung und eines schönen Körpers, auf das Wesentliche reduziert. Der Kalender ist ein Medium, meine Aufnahmen einem grösseren Kreis zugänglich zu machen.


Gab es auch kritische Stimmen zu palatinum arts?

Natürlich bleiben die nicht aus. Gerade der 2005er hat für Erregung im Publikum und Provokation meinerseits gesorgt, als ich eine Frau mit einer Kuh auf dem Titel abgebildet habe. Dieser Kalender hat Schwerpunkt Alpen. Wir haben ihn im Zillertal, im Averstal in der Schweiz oder im Allgäu produziert. Seit meiner Kindheit assoziiere ich Alpen mit Kühen  und daher musste eine Kuh aufs Titelbild. Ich denke, dem Tier war es egal, Schaden hat sie davon, und da bin ich mir sicher, nicht davongetragen. Die meisten allerdings haben sich sehr positiv dazu geäussert, was letztlich auch dazu führte, dass wir den Kalender in ganz Europa, USA oder sogar nach Neuseeland verkaufen. Interessanterweise sind die Schweizer, nein den palatinum arts haben sie nicht erfunden, absolute Fans unseres projekts.


Wie gehts weiter?

Jetzt schreiben wir das Jahr 2005, der 2006er Kalender kam frisch aus der Druckmaschine und zeigt erneut eine in sich geschlossene Kollektion einzigartiger Aktfotografie dies- und jenseits des Boulderblocks. Einen weiteren palatinum arts 2007 wird es wohl nicht geben. Mittlerweile kennen viele unseren Kalender, er hat sich in Kunst- und Kletterkreisen etabliert. Das macht uns natürlich stolz, kostet aber auch viel Zeit und Energie. Für mich wird es wieder Zeit, neue Wege zu gehen. An Ideen mangelt es uns nicht. wie lange eine Umsetzung dauert, weiss ich allerdings noch nicht. Ich lass mich überraschen?



Die Autoren:

Alex Wenner, 36, Dipl.Chemiker und einer der Macher von palatinum.info Mediendesign klettert seit 21 Jahren und fotografiert schon mindestens genauso lange. Seine Bilder wurden weltweit in allen führenden Fachmagazinen, in Büchern und anderen Medien veröffentlicht. Er selbst kletterte Routen und Erstbegehungen bis 10+ bzw Fb.8a+/b beim Bouldern.2004 erschien die mittlerweile 2.Auflage seines bei Panico verlegten Pfalzboulderführers, sowie die palatinum DVD in Kooperation mit Kai Richelsen und Wojtek Gumula.


Der Autodidakt Kai Richelsen ist nebenberuflich Kameramann, Cutter und Produzent und hat als Mediendesigner u.a. das palatinum.info Webportal entwickelt.


Annelie H. ist 39 Jahre alt, klettert seit 21 Jahren. Beim Klettern gelangen ihr Touren bis in den oberen 9.Grad. Alter: 39 Jahre, Beruf: Dipl. Sozialpädagogin
Interessen: Klettern, Skifahren, Exotische Reisen und Esoterik


Der Kalender:

Palatinum arts 2006
Photographed by alex wenner, designed by kai richelsen
13 SW Fotografien Duplexdruck Schwarz-mattgold
30x30cm Metallspiralbindung
Limited edition
Hier könnt ihr diesen noch bestellen



Siehe auch:

Der Aktboulderkalender palatinum Arts 2006 ist erhältlich
Der Aktboulderkalender palatinum Arts 2005 ist erhältlich
Der neue Palatinum Arts Kalender 2004 ist erschienen
Palatinum Arts: Der erste europäische Aktboulder - Kalender
www.palatinum.info


Alexander Wenner


Kai Richelsen


Palatinum Arts 2006


Palatinum Arts 2005



Palatinum Arts 2004


Palatinum Arts 2003


 

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2 Kommentare [ anzeigen | verbergen ]
User Avatar
mono.micha
31.01.2006 07:18 Uhr
ach,
schreibt man "making off" nicht mit einem "f",... oder macht ihr das jetzt "aus"(also beendet ihrs jetzt)?
User Avatar
mono.micha
31.01.2006 07:18 Uhr
"Kunst beschreibt ein Lexikon als „Entwicklung der Erlebnissfähigkeit eines Menschen durch wirksame Gestaltung eines gegebenen Materials. Kunst schafft in sich abgeschlossene, allgemeingültige, aber nicht immer allgemeinverständliche Werke“. Na prima, passt doch, das passt auch für palatinum arts."

Haja, dann passts, gell! Isch scho kunscht!

cheers

(los mäuschen, machn wer kunst!)
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