Seitdem
wir wissen, dass der Eiskletterweltcup nun unter den Fittichen der
UIAA, genauer gesagt des ICCIC läuft, erhofften wir alle mehr
Regelkonformität, ein Mindestmaß an Strukturvoraussetzungen,
Erfahrungsausstausch unter den einzelnen Veranstaltern, kurzum eine
Verbesserung und Steigerung der Qualität der
Eiskletterwettkämpfe zu erfahren. Hochmotiviert bezahlte ich heuer
den Mitgliedsbeitrag bei meinem alpinen Verein, denn ich wusste, das
Geld ist auch von Nutzen für uns Eiskletterer.

Leider
mussten wir in Spicak erkennen, dass dem nicht so ist. Da keine im IWC
erfahrene Person(en) im Vorfeld die Struktur für den Weltcup
beurteilt hatte, war diese für einen professionellen Weltcup eher
ungeeignet. Obwohl es seit etlichen Tagen Temperaturen bis -20°C
hatte (eigentlich perfekt zum Vereisen einer Konstruktion), bestand die
„Vereisung“ zu 70% aus Schnee.

Schon vor 6 Jahre
konnten IWC Veranstalter die Erfahrung machen, dass eine Schneekanone
(alleine) nicht zum Vereisen geeignet ist. Die Drytoolingpassagen
spielten sich auf ca. 30cm breiten Brettern ab, was zur Folge hatte,
dass nicht nur die Schnee-, sondern auch die Kunstgriffpassagen mit
Zonen (unterschiedlichster Farbgestaltung) von ca. 30cm Durchmesser
eingegrenzt waren. Ein Klettern innerhalb der Zonen war aber definitiv
nicht möglich, da man ständig mit dem Körper
außerhalb der Zonen streifte oder lehnen musste. Also entschieden
die Judges, dass mit den Knien außerhalb der Zonen geklettert
werden darf!

Der erfahrener Ausdauerathlet Simon Wandeler bewies
während dieses „Tempelhupfns auf Knien“ die
stärksten Nerven und die größte Schmerztoleranz, jedoch
ist sein Gazellenknie jetzt so dick, wie das von Hermann Maier.
Trotzdem war er eindeutig am weitesten geklettert und kassierte
verdient die „Goldenen“. Zweiter wurde unser
„Tequilaboy“, seines Zeichens Paradeathlet mit hoher
Tendenz zum Abfeiern. (Die Rede ist von Markus Bendler-Superfit). Die
Bronzene durfte ich einstreichen, wobei eigentlich Samuel, Evgeny und
ich bei dem gleichen Schneeloch durchgerutscht sind…

Leider
wurden viel starke Kletterer, wie Gerd, George, Toni, etc. Opfer
höchst undurchsichtigen Linienentscheidungen. Eines der
irreführenden Zitate der Judges: „Ein Fehlschlag neben die
Linie ist erlaubt“ ?!

Wirklich unspaßig war aber,
dass ein paar Tempelhupfa nur haarscharf nicht am Boden stürzten,
dafür umso effektvoller einen Pfeiler touchierten. (und wieder ein
blauer Fleck mehr!)

Bei den Mädls lief es ganz
ähnlich, ein Haufen blauer Knie, ausgerissener Hooks, viele
Stunden im Isolationszelt und Gott sei Dank kein Groundfall. Resultat:
Ines – Xenia – Anna.

Richtig lachen musste ich, als ich
vom warmen Gasthaus „Stodola“ dem Speedbewerb zusah: Auf
der schrägen Schneerampe sollten die Athleten den Turm hochlaufen!
„Bitte nicht Stürzen!“ war die Devise, denn ein
akrobatischer Touchdown war vorprogrammiert. Bei diesen Voraussetzungen
beschränkte sich das Teilnehmerfeld dieser
Speed-Weltcupveranstaltung auf drei Kletterer.

Stellt sich nur
mehr die Frage, was unsere russischen Kletterkollegen dazu meinen? Sie
bereiten sich doch, neben dem Difficulty-, auch sehr gezielt auf den
Speedbewerb vor und investieren mind. 200-300€ an Visum,
Startgeld, Anreise, Hotel, etc. pro Bewerb (für so manchen
russischen Kletterer oft ein kleines Vermögen)! Diese Kosten
können sie oft nur durch das Preisgeld finanzieren, welches bei
diesem Bewerb in beiden Disziplinen ganz ausblieb.

Bleibt noch
zu erwähnen, dass sich die tschechischen Organisatoren dann doch
richtig Mühe gegeben haben, das Beste aus der Situation zu machen
und die vielen Mängel durch gute Laune und Enthusiasmus
auszugleichen.

Die Hauptfrage für mich ist aber vielmehr:
Welche Funktion hat nun die UIAA/ICCIC?? Ist Antidoping ein
entscheidendes Element zur Qualitätssicherung von
Eiskletterbewerben?

Ich kann mir leider folgenden Vergleich
nicht verkneifen: Als FIS sichere ich den Ostfriesischen Inseln einen
Weltcup im Schifahren zu, gehe sicher, dass auch Antidopingkontrollen
gemacht werden, vergesse aber, dass man zum Schifahren auch Berge
benötigt!

Hurra, Olympia wir kommen!

Harald Berger

Ergebnisse von Spicak

Herren:
1 Simon Wandeler CH
2 Markus Bendler AUT
3 Harald Berger AUT
4 Yevgen Kryvosheytsev UKR
5 Samuel Anthamatten CH
6 Israel Blanco Rodríguez ESP
7 Jack Müller CH 7
8 Gerd Dönhuber DE
9 Jan Doudlebský CZ
10 Jirí Pelikán CZ

Damen:
1 Ines Papert DE
2 Ksenia Sdobnikova RUS
3 Anna Torretta IT
4 Petra Müller CH
5 Jitka Mázlová CZ
6 Franziska Dönhuber DE
7 Julia Oleynikova RUS
8 Jaroslava Melounová CZ

Weitere Bilder, Eindrücke und Videos vom Wettkampf findet ihr auf der umfangreichen tschechischen Kletterseite www.czechclimbing.com und speziell unter www.czechclimbing.com/clanek.php?key=4516

Siehe auch:
www.czechclimbing.com/clanek.php?key=4516