Bei dieser Erstbegehung im Gasteiner Anlauftal handelt es sich ihrer Einschätzung nach um eine der schwierigsten, reinen Eislinien der Gegenwart.

Albert Leichtfried und Benedikt Purner gelingt Centercourt WI7+

Nachdem wir am Mittwoch die beiden Klassiker "Supervisor" 270m, WI6 und "Seidenraupe Direkt" 200m, WI5 geklettert waren, blieben unsere Blicke immer wieder an der hauchdünnen Glasur hängen die zwischen den Hans Zlöbl-Testpieces "Rodeo" und "Land under" durch die Arena zieht – unser Match für den nächsten Tag stand fest.

Fotostrecke: Albert Leichtfried und Benedikt Purner in Centercourt WI7+

Fotos: © Benedikt Purner, Albert Leichtfried

Centercourt

1. Satz: Aufschlag Purner
Vom ersten Band geht´s gleich richtig zur Sache. Die von unten schier unkletterbar anmutende Platte erweist sich zum Glück nur als sauschwer – mangels Sicherungsmöglichkeiten möchte man am liebsten jeden eingefrorenen Grashalm einhängen. Mit etwas Kreativität kann man aber hier und da einen Spectre oder Pecker hinein dreschen oder findet auch Platz für kleine Cams. Der Stand auf drei C3s ist was fürs Fotoalbum!

2. Satz: Aufschlag Leichtfried
Hier fällt die Vorentscheidung – möglich oder nicht? Über hauchdünne Glasuren geht der Weg steil nach oben, die sind allerdings nicht angefroren und ergeben sich gerne der Schwerkraft – mühsames Hin und Her ermöglicht das Anbringen von weinigen schlechten Sicherungspunkten in Fels und Eis. Die folgenden leicht überhängen Meter weisen bereits nach dem ersten Pickelschlag kaum noch Eis auf, ein Weiterkommen scheint unmöglich. Einen Sturz in die miese Schraube unterhalb kann nicht gut ausgehen.

Doch Albert Leichtfried hat ein Ass im Ärmel bzw. am Gurt. 15 Minuten später ist dank Rocpec ein Bolt platziert und weiter geht der Nervenkitzel. Das vermeintliche Ende der Crux zeigt sich widerspenstig – wenn die 6cm Eisschraube nur zur Hälfte reingeht darf man das Eis durchaus als dünn bezeichnen.
Wenige Züge später steigt Albert über den Zapfen aus und kann die erste gute Schraube dieser Seillänge drehen – wenig später erfolgt der Satzgewinn, 1:30 hat er gedauert.

3. Satz: Aufschlag Purner
Nach pilzigem Beginn folgen noch einmal richtig steile Meter, hier hat sich ein spröder Röhrenvorhang über das Dach gebildet. Im Anschluss wartet wieder die berühmte dünne Glasur. Es leiden die Nerven und vor allem die Hauen der Eisgeräte – immer wieder erschrecken sie über den Fels unter der Glasur und springen verängstigt wieder heraus. Mit ein paar Schrauben und mit Hilfe der Freunde ist der Satzgewinn aber bald geschafft.

4.Satz: Aufschlag Leichtfried
Es bleibt dünn und spröde aber es wird etwas flacher. Ende in Sicht, aber noch nicht ganz.

5.Satz: Aufschlag Purner:
Die Entscheidung ist schnell herbeigeführt – nach dem Ende des Eises wird der Centercourt verlassen – zwei Sieger gehen vom Platz!

Geblieben ist eine unglaubliche Linie mit unmenschlichen Schwierigkeiten – try it!