Mit dem Manaslu (8.163 m) gelingt dem deutschen Bergsteigerehepaar Alix von Melle (46) und Luis Stitzinger (48) ihr siebter Achttausendergipfel ohne Verwendung von künstlichem Sauerstoff - und das in einem Jahr, in dem die Sperrung Tibets abermals für einen Massenansturm am nepalesischen Berg sorgte.

7 x 8.000: Erfolg am Manaslu für Alix von Melle und Luis Stitzinger (c) Archiv von Melle, Stitzinger
7 x 8.000: Erfolg am Manaslu für Alix von Melle und Luis Stitzinger (c) Archiv von Melle, Stitzinger

Manaslu ist der neue Everest

135 Besteigungsgenehmigungen – so viele, wie noch nie zuvor – wurden laut dem Tourismusministerium in Nepal im Herbst 2017 an ausländische Expeditionen vergeben. Verhältnisse, wie man sie normalerweise nur vom Mount Everest kennt. Jedes Expeditionsteam umfasst durchschnittlich acht bis zwölf Bergsteiger.

Der plötzliche Ansturm erklärt sich durch die provisorische Sperrung Tibets im Nachmonsun, mit so beliebten Zielen wie Cho Oyu (8.201 m) und Shisha Pangma (8.027 m), die dem Manaslu normalerweise den Rang ablaufen. Aber auch damit, dass viele Veranstalter den Manaslu für sich als vermeintlich leichte Alternative entdeckt haben.

Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger
Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger

„Wir nehmen an, dass sich in der Hochphase der Besteigung etwa 350 bis 500 Bergsteiger im Manaslu Basislager (4.900 m) aufhielten“, sagt Luis Stitzinger. „Zum Glück haben die uns aber kaum gestört, da wir zeitlich etwas später dran waren und den Gipfel fast für uns allein hatten.“

Mit einem Team des deutschen Expeditionsveranstalters Amical alpin (Oberstdorf), dessen Leiter der Allgäuer Bergführer war, waren von Melle und Stitzinger am 30. September auf den Gipfel gelangt.

Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger
Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger

Negative Schlagzeilen

Dabei geriet der Berg zuletzt 2012 durch eines der größten Lawinenunglücke des Himalayas in die Schlagzeilen, bei dem elf Menschen den Tod fanden. Just in jenem Jahr hatten die chinesischen Behörden das erste Mal überraschend die Grenzen nach Tibet geschlossen und für einen Massenansturm am Berg gesorgt.

„Lawinengefahr war diese Saison aber kein Thema“, erklärt Alix von Melle. „Eine anhaltende Schönwetterphase sorgte für wenig Neuschnee und stabile Verhältnisse an dem sonst wettertechnisch so schwierigen Berg. Und vermutlich für einen neuen Besteigungsrekord.“

Doch die außergewöhnlichen Verhältnisse dürfe man nicht als normal ansehen. Zukünftig werde es auch wieder schneereichere Zeiten und drohende Lawinengefahr am Berg geben.

Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger
Alix von Melle und Luis Stitzinger am Manaslu (c) Archiv von Melle, Stitzinger

Positives Resümee

Wie sich die Zustände am „Berg der Seele“, wie der Manaslu übersetzt heißt, weiterentwickeln werden, bleibt abzuwarten. Von Melle und Stitzinger ziehen für sich persönlich eine positive Bilanz ihrer Erlebnisse.

„Nach zwei expeditionsfreien Jahren, bedingt durch das große Erdbeben in Nepal (Anm.: damals mussten sie ihre Expedition auf der Nordseite des Mount Everest abbrechen) und Verletzungen, war der Manaslu ein gelungener Wiedereinstieg und unser siebter Achttausendergipfel (Anm.: nach Cho Oyu (2000), Gasherbrum II (2006), Nanga Parbat (2008), Dhaulagiri (2009), Broad Peak (2011) und Shisha Pangma (2013). Unsere Erfahrungen haben uns ermutigt, auch für nächstes Jahr wieder etwas Größeres zu planen.“

Was dies genau sein wird, wollen sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht verraten.

www.goclimbamountain.de