Als eine der ersten vom großen Erdbeben betroffenen Bergsteiger kehrte das Bergsteigerehepaar Alix von Melle (43) und Luis Stitzinger (46) aus Füssen im Ostallgäu gestern unbeschadet aus der Krisenregion im Himalaya zurück.

Luis Stitzinger und Alix von Melle

Die beiden hatten eine Besteigung des Mount Everest (8848 m) über dessen tibetische Nordroute geplant, ihre Expedition jedoch aus Respekt und Mitgefühl gegenüber der großen Zahl der Todesopfer und deren Angehörigen, die die größte humanitäre Katastrophe der jüngeren Geschichte Nepals gekostet hatte, vorzeitig am 27. April abgebrochen.

Das große Erdbeben im Himalaya

Während das Erdbeben am 25. April mit einer Stärke von 7,8 der Richterskala auf der nepalischen Seite für eine Jahrhundertkatastrophe mit bislang 7600 Todesopfern und mehr als 14.000 Verletzten sorgte, kam es hingegen auf der Nordseite des Himalaya zu vergleichsweise geringen Schäden.

„Das Erdbeben war auch im Basislager der Nordseite (5160 m) des Everest deutlich zu spüren“, sagt Alix von Melle. „Einige Gerölllawinen gingen in der Umgebung des Basislagers ab, zu Schäden an Material oder Menschen kam es zum Glück jedoch nicht.“

Fotostrecke: Mount Everest Expedition 2015

Mount Everest – das abrupte Ende einer Saison

Nichts geht mehr am höchsten Berg der Welt. Am 29. April erklärten die chinesische Regierung und die Chinese Tibetan Mountaineering Association (CTMA) die Besteigungssaison am Mount Everest 8848 m vorzeitig für beendet und sämtliche Berge über 6500 Meter Höhe als gesperrt. Begründet wurde dieser Schritt mit der anhaltend großen Erdbebengefahr und einem erwarteten weiteren Erdstoß mit Zentrum in Tibet. Die Behörden sorgen derzeit für eine geordnete und zügige Ausreise aller ausländischen Bergsteiger über die tibetische Hauptstadt Lhasa.

Auch für die zahlreichen nepalischen Hilfskräfte wurde eine Rückkehrmöglichkeit in ihre Heimat geschaffen, nachdem sämtliche Straßenverbindungen in Nepal schwer beschädigt und möglicherweise für lange Zeit unpassierbar sind. Obwohl es auf der nepalischen Südseite nach wie vor kein offizielles Besteigungsverbot gibt, leert sich auch hier das Basislager. Zu tief sitzt der Schock, der durch das Lawinenunglück verursacht wurde. Die Route durch den Khumbu Eisbruch ist nach wie vor unpassierbar und wird in dieser Saison nicht wiederhergestellt werden.

„Unsere Entscheidung, die Expedition abzubrechen, hatte nichts mit der Sperrung des Berges zu tun. Wir hatten uns schon zuvor zu diesem Schritt entschlossen und hätten dies auch getan, wenn die Route weiter geöffnet geblieben wäre“, äußerte sich Luis Stitzinger.

„Wir können und wollen unsere Augen vor dem Leid, das sich im ganzen Land und sogar an unserem Berg zugetragen hat, nicht verschließen. Eine Weiterführung der Expedition wäre uns unter den gegebenen Umständen nicht richtig erschienen, selbst ein möglicher Gipfelerfolg hätte sich schal und nichtig angefühlt. Darüber hinaus möchten wir nicht der Grund dafür sein, weshalb nepalische Helfer, Köche und Climbing Sherpas weiterhin vor Ort gehalten werden und nicht zu ihren Familien nach Hause können, um dort rechtzeitig vor dem Beginn des Monsuns nach dem Rechten zu sehen.“

Dringend benötigte Hilfe in der Krisenregion

„Auch wenn viele von uns hier im Everest Basislager gerne selbst nach Kathmandu gereist wären und ihre Hilfe angeboten hätten, es ist unmöglich“, sagt Alix von Melle. „Blinder Aktionismus würde keine wirkliche Hilfe bedeuten. Nur mit einer entsprechenden Ausbildung und in eine funktionierende Organisation eingebunden, macht Hilfeleistung Sinn.“

Das Vernünftigste, was man derzeit tun kann, ist zu spenden. Nachfolgend eine Auswahl einiger gut verwalteter Hilfsfonds. Darüber hinaus gibt es viele weitere seriöse Hilfsprojekte, die sich über eine Spende freuen.

Nepalhilfe Aham
www.nepalhilfe-aham.de
Spendenkonto VR-Bank Vilsbiburg eG
IBAN: DE10743923000000116726
BIC: GENODEF1VBV

Nepalhilfe im kleinen Rahmen
www.nepalhilfe-im-kleinen-rahmen.de
Spendenkonto CVW-Privatbank AG
IBAN: DE07762119000006002412
BIC: GENODEF1WHD
Verwendungszweck:
Erdbebenhilfe Nepal/K. Wanger

action medeor
www.medeor.de
Sparkasse Krefeld
IBAN: DE78320500000000009993
BIC: SPKRDE33

Brücken zum Himalaya
www.brueckenzumhimalaya.de
Spendenkonto Sparkasse Waldkirchen
IBAN: DE39740512300000859330
BIC: BYLADEM1FRG

arche noVa – Initiative-für Menschen in Not e.V.
www.arche-nova.org
Spendenkonto Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE78850205000003573500
BIC: BFSWDE33DRE