Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

Erstbegehung am Cerro Kishtwar: Erfolg für Thomas Huber, Stephan Siegrist und Julian Zanker (c) Timeline Productions
Erstbegehung am Cerro Kishtwar: Erfolg für Thomas Huber, Stephan Siegrist und Julian Zanker (c) Timeline Productions

Klettergeschichte des Cerro Kishtwar

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Fotostrecke: Erstbegehung am Cerro Kishtwar

Siegrist, Huber, Zanker an Cerro Kishtwar

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren. Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein.

Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer! Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen.

Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt:

„Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt. Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille.

Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: „Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Oder auf Boarisch: „Reiss di zam!“

Kurze Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen.

Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 „Snowledge“, Camp 2 „Happyledge“, Camp 3 „Sunnyledge“, Camp 4 „Kempinski“.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14.10.2017.

  • Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“
  • Schwierigkeiten: Grade VII, A3+, 6b, M6, 80°
  • Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed
  • Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.
  • Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet
  • Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets
  • Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4
  • Portaledge erforderlich
  • Abstieg: Abseilen über die Route