Robert Jasper war Mitte Juli zu einem Abenteuer der besonderen Art von Kulusuk, Ost- Grönland gestartet. Solo, im Alleingang, verließ er vom letzten Inuit Ort Kungmit die Zivilisation und paddelte mit seinem faltbaren Seekajak ohne Unterstützung im "by fair means"- Stil in die entlegenen Fjorde, auf der Suche nach einem Berg mit einer Felswand um Neuland zu erklimmen. Dies hatte bisher hier noch kein Mensch vor ihm geschafft.

Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper
Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper

Wetter und Windverhältnisse auf den Fjorden und die zu transportierende Ausrüstung für vier Wochen, insgesamt 90 kg, brachten Mensch und Material ans absolute Limit und zwangen Robert Jasper, einige Streckenabschnitte mehrmals zurückzulegen.

Nach insgesamt 12 Tagen hartem paddeln und schwerer Schlepperei seiner Ausrüstung, richtete Robert Jasper sich am Fuße des sogenannten Fox Jaw Cirque, einer Bergkette deren bizarre Granitgipfel an das Gebiss eines Raubtieres erinnern, sein Basislager ein.

Robert Jasper in Grönland (c) Frank Kretschmann
Robert Jasper in Grönland (c) Frank Kretschmann

Die Einsamkeit und die permanente Gefahr, einem Eisbären zu begegnen, nagte an den Nerven! Trotzdem entschied Robert Jasper sich, die Wand der Molar Spire (zweiter Granit-Zahn) näher ins Visier zu nehmen.

„Bei einer Erstbegehung reizt mich die Ungewissheit. Man weiß ja nicht ob es wirklich möglich ist, da hinauf zu klettern. Das ist eine riesen Herausforderung!“

Eine Erstbegehung in solch exponierter Bergwelt im Alleingang und noch dazu im modernen Freikletterstil zu versuchen, war die persönliche Challenge.

Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper
Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper

Über ein Schneecouloir wurde die Wand erreicht. In zwei Tagen kletterte Robert Jasper insgesamt 7 Seillängen. Da das Wetter unsicher war, stieg er immer wieder ins Basislager ab. „Die Kletterei war sehr schwierig, da keine durchgehenden Risse die Wand durchziehen, bis 7c (9 Grad!), aber in sehr gutem, festen Fels.“

Am dritten Tag stieg er, um jede Chance zu nutzen, bei unsicherem Wetter Richtung Gipfel. Alles lief gut bis es ca. 80 Meter unter dem Gipfel anfing zu regnen. Der Fels wurde rutschig! umkehren? Das hätte beim nächsten Versuch dann bedeutet alles wieder mühsam im Vorstieg klettern zu müssen.

Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper
Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper

Die Risiken abwägend kletterte Robert Jasper vorsichtig weiter. Nebel zog auf, die Wand blieb sehr anspruchsvoll und spannend! Mit seiner ganzen Erfahrung und Routine schaffte er es, den Gipfel zu erreichen.

„Die Wolken rissen auf und man konnte die umliegenden Berge und Fjorde sehen – ganz allein, kein Mensch soweit das Auge reicht – das war wie im Himmel – unbeschreiblich schön!“

Der Abstieg erfolgte durch abseilen über die Route und nach insgesamt 18 Stunden erreichte er wieder sein Zelt.

Nach 30 Tagen in der Wildnis und insgesamt 100 km zu Fuß mit schwerem Gepäck, 1000 Meter im steilen Fels, und über 100 km auf See, lief Robert Jasper mit seinem kleinen Faltkajack wieder im Inuit Ort Kungmit ein, womit sich sein persönlicher „steiniger Kreis“ wieder schloss.

So stand dann auch der Routenname fest: „Stonecircle – Steinkreis“

Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper
Robert Jasper in Grönland (c) Robert Jasper

Robert beschreibt seine Expedition wie folgt:
„Die beeindruckendsten Dinge im Leben sind meist steinig und schwer, dann bleiben sie in Erinnerung. Diese Expedition ging an meine Grenzen – es war ein riesen Abenteuer in grandioser Natur. Ein absolutes Highlight mit sehr vielen wertvollen Erfahrungen, ein absoluter Juwel in meinem Leben!“

Facts: Ost- Grönland,
Angmassalik – Tasilaq Fjord
Fox Jaw Cirque
Juli – August 2018
Über 100 km mit dem Seekajak, 100 km zu Fuß mit Rucksack und ca. 1000m Kletterei am Berg.

Berg: Molar Spire
Besteigung: 1.Solobesteigung des Berges
Erstbegehung: „Stonecircle“
Schwierigkeit: 7c
Wandhöhe: 450m
Stil: Erstbegehung im „Rope-Solo-Rotpunkt Style“ in 3 Tagen im Juli 2018 durch Robert Jasper (D)
Ernsthaftigkeit: Anspruchsvolle, hochalpine Freikletter-Route.
Für Wiederholer belassenes Material:
4 Schlaghaken, 4 fixe Klemmkeile, 2 Copperheads und 1 Pecker sowie 30 rostfreie M8 Petzl-Bohrhaken.
Zur weiteren Absicherung werden 2 Sätze Camalots Größe 000- 3, 1x 4 und 2 Sätze Keile benötigt. Für den Notfall empfiehlt sich die Mitnahme eines Hammers, 2-3 Messerhaken und 1 Pecker und 2 Copperheads, 50 m Seile!

Roberts Sponsoren:
NaturEnergie, Lowa, Marmot, Mühle Glashütte, Stop & Go Marderabwehr, Petzl, Gore Tex