Florian, hast Du Dich speziell auf die Route vorbereitet?

Florian: Kommt darauf an was man unter spezieller Vorbereitung versteht. Kurz davor war ich viel in Arco und eine Woche in Spanien wo ich meine Freundin besuchte. Bin ja seit fast einem Jahr mit dem Studium fertig und bis auf manche motivationsbedingte Aussetzer schon sehr viel beim Klettern gewesen. Sagen wir´s mal so: ich war sehr viel beim Bouldern den Winter über, da für mich eine gute Kraftgrundlage einfach die Basis ist.

Was die Ausdauer betrifft, kann ich mich eigentlich selten beschweren und ich denke, bei mir ist es einfach die Motivation, welche in solchen Routen in mir entsteht  – und ich mich manchmal selbst danach frage, wie ich das geschafft habe. Im Klettergarten würde ich mir diesen Kampfgeist umso öfters wünschen. Vielleicht gibt es hier zu viele Verlockungen.

Was ist Eurer Meinung nach die größte Schwierigkeit in der Route? – Den Schwierigkeiten der einzelnen Längen – „nur“ 8b – solltet Ihr ja ohne Probleme gewachsen sein.

Andreas: An so einer Aktion hängt wesentlich mehr, als man so vermuten mag. So ist die Schlucht nur über einen mindestens 1 ½ -stündigen Fußmarsch zu erreichen. Pro Seillänge kann man dann etwa einen Zeitbedarf von einer Stunde kalkulieren, da das „Management“ des Doppelseils und des Materialseils, an dem sich der Rucksack mit Bekleidung und Verpflegung befindet, einiges an Aufmerksamkeit erfordert.

Ein „Seilverhau“ kostet schnell mal eine halbe Stunde Zeit. Zudem ist es nicht nur eine schwere Seillänge, sondern es gibt davon gleich drei (2x8b, 1x 8a+). Und auch die übrigen Längen erfordern volle Konzentration. – Alle bewegen sich im Bereich 7b bis 7c+, und vor allem in den leichteren Passagen in den oberen Längen sollte man keinen Sturz riskieren, da man wahrscheinlich Verletzungen davontragen würde, mit denen man aus eigener Kraft nicht mehr zurück an den Wandfuß kommt.

Die Anforderungen an den Nachsteiger sind auch sehr hoch. Schwingt er beispielsweise an einem der teilweise längeren Hakenabstände aus der Wand, besteht die Gefahr, dass er ohne Chance auf Felskontakt am Seil baumelt und nur durch den Einsatz von Prusik-Schlingen wieder an die Wand kommt. Das kostet Zeit, die man eigentlich nicht hat. Das Abseilen über die Route ist auch sehr speziell. Wenn man die Route mal kennt, kommt man durchaus in 2 Stunden vom Ausstieg zum Wandfuß – anfangs dauert es wahrscheinlich doppelt so lang. Und der Rückmarsch dauert wieder 1 ½ h. Für eine Tagesaktion ist das alles also ausgesprochen knapp. Wir sind auch nie bei Tageslicht zurück gelaufen.

Florian, Deine Begehung wäre wegen des Dauerregens fast gescheitert. Andreas hat erzählt, dass die letzten beiden Seillängen der „ersten Regenbegehung“ der Route sehr riskant waren. Wie hat sich die Ungewissheit  angefühlt, entweder durch den Regen auf den letzten Metern doch noch zu scheitern oder es zu versuchen und dabei das Risiko einzugehen, sich bei einem weiten Sturz in einer nassen Platte ernsthaft zu verletzen?

Florian: Als wir früh morgens in die Schlucht gelaufen sind, alles Wolken verhangen war und es schon leicht genieselt hat, hab ich mir nur gedacht: was für ein Mist, ich mache meinen ersten Versuch und das Wetter ist so schlecht. Eine hohe Lufftfeuchtigkeit ist ja vor allem bei reibungsabhängigen Griffen echt nicht von Vorteil. Die ersten 3 Seillängen war es dann wieder trocken, obwohl es an den Sintern schon ziemlich durchgedrückt hat. Die Temperatur war jedoch kühl, genau wie ich es mag.

Ab Beginn der vierten Seillänge begann es dann stark zu regnen, doch an die stark überhängende Wand – ungefähr bis zum Hotel (nach der 7.SL)-  kommt kein Regentropfen. Als ich die erste 8b Länge gepunktet hatte, war ich enorm motiviert und das Plätschern des Regens nahm ich nur im Hintergrund wahr. Die darauffolgende vierte (8a+)und fünfte Länge (8b) gingen auch gleich im ersten Versuch. Der Reibungsgriff in der fünften Länge, eine extrem reibungsabhängige Zange, fühlte sich sogar super an.