Interview

Christian, du hast ja erwähnt, dass ohne die Vorbereitung in den Allgäuer Bouldergebieten für dich ein Erfolg in "Hades" nicht möglich gewesen wäre – wird das Allgäu neben dem Frankenjura die neue Boulderlocation in Deutschland? – Der letztes Jahr erschienene Boulderführer “Allgäu Bloc” soll heuer schon eine Neuauflage erhalten… – Was macht das Bouldern im Allgäu so besonders für dich?

Christian: Rein von der optischen Seite gibt es sicherlich hundert “schönere” Gebiete. Aber dafür ist das Bouldern an den Konglomerat Blöcken besonders trainingsintensiv, und bereits eine kleine Wand bietet wahnsinnig viele Strukturen und damit meist zahlreiche Bouldermöglichkeiten direkt nebeneinander.

Ist das Bouldern im Allgäu also nur Training für Euch?

Andreas: Natürlich ist wie immer auch das Training eines der Motive für unser Tun. Aber es ist schon sehr reizvoll, den Blöcken und kleinen Massiven noch schöne Linien zu entlocken. Letztes Jahr habe ich beispielsweise einen schön gelegenen Sandstein-Block am Iller-Ufer entdeckt – ein absolutes Highlight. Ich bin sicher, dass in den Wäldern unterhalb des Rottachbergs noch einiges an Potential für harte Moves verborgen liegt.

Kommen wir zurück zu "Hades". – Ihr habt ja seit fast einem Jahr immer wieder an der Route probiert, länger als für alle anderen Routen, die ihr in dem Grad bereits geklettert seid. Das lässt auf einen ganz neuen Schwierigkeitslevel schließen – nun bewertet ihr sie doch “nur” mit 9a. Wie erklärt ihr diese in Anbetracht der Umstände eher zurückhaltende Einstufung?

Christian: Das ist sicherlich auf die eher sporadische Projektierung im letzten Jahr zurückzuführen. Manchmal ist es einfacher, konzentriert an eine Tour im Ausland heranzugehen, als ein Projekt vor der Haustüre zu versuchen, da es einfach oft die Zeit nicht zulässt, dann Versuche zu setzten, wenn die Bedingungen stimmen. Und allgemein ist das mit den Bedingungen so eine Sache in unseren Breitengraden, zu oft gibt es die berühmten “Killerbedingungen” leider nicht… in diesem Niveau sind die aber notwendig und es bleibt nur noch ein kleines Zeitfenster übrig, indem man nach Möglichkeit dann auch Fit sein muss.

Andreas: Die Route erfordert keine speziellen klettertechnischen Finessen und der Erfolg ist eher abhängig von der physischen Stärke der Wiederholer. Ich kann die Schwierigkeiten daher nur sehr schwer einschätzen, denn es gibt deutlich stärkere Kletterer, denen die Route verhältnismäßig leicht fallen könnte. Für mich waren nicht die Züge das Problem, mir ist es im Grunde nur schwer gefallen die Passagen aneinanderzureihen und die Route durchzuhalten. Ich bin gespannt, was die Wiederholer dazu meinen…

Christian:
Letzten Endes war ich dann doch überrascht, als ich merkte, dass meine Versuche plötzlich schnell besser wurden und vor allem der Anspruch an die Ausdauerkraft doch letztendlich geringer erscheint, als ich zuerst angenommen habe. Zuerst dachte ich, es ist der Wahnsinn all die extrem harten Einzelzüge über die gesamte Strecke hinweg aneinanderzureihen. Vor allem der letzte schwere Zug hat es in sich, ist die Körperspannung schon zu weich, rutscht extrem leicht der Fuß. Eine echte “Durchstiegsbremse” nochmal. Für mich persönlich war beispielsweise sogar “Action Directe” mit weniger Aufwand verbunden, ich denke aber, das “Hades” trotzdem für die Mehrheit der Kletterer der geeignetere “Kletter-Style” ist und so eher dem derzeitigen athletischen Kletterstandard entspricht, deshalb sollte die Bewertung mit 9a passen. Aber natürlich sind wir gespannt auf potentielle Wiederholer, davon ist ja recht bald schon eine ganze Menge zum RocTrip im Zillertal und die Kletterhochburg Innsbruck  ist ja auch nicht weit.

Christian, dir sind doch kurz zuvor noch einige schwere Routen innerhalb recht kurzer Zeit bei keineswegs guten Bedingen gelungen – waren das für dich dann nur Spaziergänge im Vergleich zu "Hades", auf die du dich letzten Endes dann doch ausschließlich konzentriert hast? Wäre das nicht ein Indiz dafür, dass "Hades" doch noch schwerer sein könnte?

Christian: Man kann schon sagen, dass 8c Routen für mich mittlerweile gebietsunabhängig meist sehr schnell abgehakt sind: So z.B. meine neue Erstbegehung “Planet Hollywood”  8c/c+ (Weisswand) in 3 Tagen, die “Erntezeit” 8c (Götzis) im 3. Versuch, “Selbst ist das Kind” 8c (Adlitzgräben) im 2. Go und zuletzt “Black is Basic” 10+/11-  (Frankenjura) in 2 Tagen. Trotzdem liegt zwischen 8c und 9a eine kleine Welt…

Würdest Du sagen, dass "Hades" Dein persönliches Limit kennzeichnet oder könntest Du dir vorstellen, dass unter bestimmten Umständen noch eine Steigerung möglich wäre?

Christian: Am persönlichen Limit ist man nie am Ende angelangt, irgendwie geht irgendwo immer noch etwas mehr…

Wie sehen Eure persönlichen Ziele für dieses Jahr noch aus?

Andreas: Ich möchte zum Herbst hin noch den ein oder anderen “9a-Klassiker” versuchen – welchen nun genau, das hängt in erster Linie von der verfügbaren Zeit und den Witterungsbedingungen ab. Underground beispielsweise steht dabei ganz oben auf der Liste. Den Sommer über möchte ich mich erst mal dem Bouldern widmen.

Christian: Es gibt immer unzählige Projekte, für zu wenig Zeit, aber einige bestimmte Touren wie die “Realization” oder den “Silbergeier” würde ich dieses Jahr noch gerne versuchen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!