In einem an Spannung und Dramatik kaum zu überbietenden Weltcupfinale im Münchener Olympiastadtion krönte sich Anna Stöhr Samstag Abend (20.08.2011) zum zweiten Mal nach 2008 zur Gesamtweltcupsiegerin im Bouldern.

Anna Stöhr krönt sich zur Siegerin des Gesamtboulderweltcups 2011

Vor 5.000 begeisterten Zuschauern fiel die Entscheidung um den Gesamtweltcupsieg der Damen  erst im allerletzten Finalboulder zwischen der Österreichischen Weltmeisterin und der Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres, Akiyo Nochuchi aus Japan.

Fotostrecke: Boulderweltcup 2011 in Muenchen

Fotos: © Marco Kost (www.mountains-and-more.de)

München) Während bei den Herren Kilian Fischhuber bereits seit Wochen als neuer Gesamtweltcupsieger im Bouldern feststand und das Weltcupfinale in München für ihn ein willkommenes Schaulaufen war, ging es für seine Lebensgefährtin Anna Stöhr in München noch einmal um Alles. Lediglich 1 einziger Weltcuppunkt trennte die beiden besten Damen im Weltcupzirkus vor dem Abschlussbewerb in München.

Die Ausgangslage für den Showdown in der bayrischen Weißwurstmetropole war somit vor dem Weltcupfinale klar und ließ keinen Platz für theoretische Rechenspiele: Platziert sich Stöhr in München vor Noguchi ist sie neue Gesamtweltcupsiegerin. Platziert sich Noguchi vor Stöhr, verteidigt Noguchi den Titel aus dem Vorjahr. Bei einem eventuellen Punktegleichstand entscheidet die Anzahl der Einzelsiege in der laufenden Saison. Während Stöhr drei Weltcups in diesem Jahr gewinnen konnte, schaffte Noguchi dieses Kunststück bereits vier mal.

Doch so weit ließ es Stöhr nicht kommen. Hochkonzentriert und top motiviert ging Stöhr in München zur Sache und ließ von Anbeginn an keine Zweifel aufkommen, dass sie die hauchdünne Weltcupführung nicht mehr aus der Hand geben will. Mit souveränen Leistungen in der Qualifikation (1. Platz) und im Halbfinale (1. Platz) sicherte sich Stöhr den Einzug ins Finale der besten sechs Damen in München. Noguchi gelang der Finaleinzug auf Platz 4.

Im abendlichen Finale konnten sowohl Noguchi als auch Stöhr den ersten Finalboulder nicht toppen, jedoch schafften beide die Zonenwertung im ersten Versuch. Beim zweiten Finalboulder konnte sich Stöhr ein wenig von Noguchi absetzen, da Stöhr den Boulder im ersten Versuch lösen konnte, Noguchi hierfür jedoch zwei Versuche benötigte. Da den dritten Finalboulder keine einzige Athletin toppen konnte, fiel die Entscheidung um den Gesamtweltcupsieg erst im vierten und letzten Finalboulder. Noguchi musste versuchen den Finalboulder im ersten Versuch zu lösen (Flash) um die Chancen auf den neuerlichen Gesamtweltcupsieg möglichst hoch zu halten.

Noguchis Nervenkostum begann jedoch kräftig zu flattern, was zur Folge hatte, dass sie weder die Zonenwertung noch die Topwertung im letzen Boulder erreichen konnte. Somit war klar, dass Stöhr bereits vor ihrem Auftritt am letzten Boulder den Gesamtweltcupsieg 2011 in der Tasche hatte. Da sie jedoch keine Informationen über den Zwischenstand hatte, ging sie den Boulder hochkonzentriert an und schaffte bereits im ersten Versuch die Zonenwertung. Das Top am letzten Boulder blieb jedoch auch ihr verwehrt und somit reichte es in München in der Tageswertung zu Platz 3 hinter der slowenischen Allrounderin Mina Markovic und Lokalmatadorin Juliane Wurm (GER).

Bei den Herren wurde das Weltcupfinale in München zu einer Machtdemonstration des russischen Boulderteams. Dmitry Sharafudtinov, der sich im Juli in Arco den Weltmeistertitel sichern konnte, gewann in München in beeindruckender Manier (Flash aller vier Finalboulder) vor seinen Landsmännern Rustam Gelmanov und Alexey Rubtsov. Kilian Fischhuber, der sich bereits vorzeitig denn fünften  Gesamtweltcupsieg seiner Karriere sichern konnte, schaffte auch in München den Einzug ins Finale. Im Finale war jedoch bei Fischhuber bereits ein wenig die Luft draußen und somit musste sich der 16-fache Weltcupsieger mit dem sechsten Tagesrang zufrieden geben.

Ebenfalls eine starke Leistung lieferte bei den Damen Sabine Bacher. Die Tirolerin verfehlte mit Platz 11 in München knapp ein Top-10 Ergebnis, schob sich jedoch durch das starke Ergebnis beim Abschlussbewerb noch auf Platz 17 im Gesamtweltcup nach vorne. Nicht ganz nach Wunsch lief es in München für ÖWK-Jungstar Lukas Ennemoser. Obwohl er in der Qualifikation alle Boulder toppen konnte, blieb ihm der Halbfinaleinzug verwehrt, da er zu viele Versuche zur Lösung der Boulder benötigte. Da einige seiner direkten Mitkonkurrenten um einen Top-10 Platz in der Gesamtwertung ebenfalls patzten, konnte Ennemoser, trotz Zuschauerrolle im Finaltag, den 10. Platz im Gesamtweltcup verteidigen.

Stimmen zum Finale

Anna Stöhr
"Ich hab heut meine letzten Kraftreserven mobilisiert. Die Spannung und der Druck waren enorm. Dass es nach dem WM-Titel nun auch noch zum Gesamtweltcupsieg gereicht hat ist die Krönung einer unglaublichen Saison. Danke an alle, die mich immer unterstützen!"

Kilian Fischhuber
"Den letzten Bewerb der Saison hab ich genossen. Da im Finale für mich der Druck nicht so da war, hat heute der letzte Punch gefehlt, was aber locker zu verschmerzen ist, wenn ich daran denke dass Anna (Anm. Stöhr) heute den Gesamtweltcupsieg bei den Damen nach Österreich holen konnte."

Teamcoach Heiko Wilhelm
"Der Gesamtweltcupsieg von Anna ist nun die Krönung einer perfekten Saison. Im Weltcup stellen wir bei den Damen und den Herren jeweils den Gesamtweltcupsieger. Mit Lukas (Anm. Ennemoser) und Katharina (Saurwein) haben wir ebenfalls noch je einen weiteren Athleten unter den Top-10 im Gesamtweltcup. Ich freue mich für unsere Athleten und kann nur den Hut ziehen vor dem gesamten Team!"