Bereits am 5. Januar machte sich Markus Bendler nach langem Bürokratie-Kampf gemeinsam mit Angelika Rainer und Herbert Klammer aus Italien auf den Weg zum ersten Eis-Weltcup im neuen Jahrzehnt. Das Ziel der Reise war Kirov an der sibirischen Grenze in Russland.

Auftakt des Eiskletterweltcups 2010 in Kirov

Hier der Bericht von Markus Bendler

Von München aus flogen wir nach Moskau, wo wir unseren 30-stündigen Trip zwecks Sightseeings für einen Tag unterbrachen. Da die Russen das Weihnachtsfest am 6. Jänner feiern, durften wir uns an einer äußerst üppig dekorierten russischen Hauptstadt erfreuen.

Fotostrecke: Eiskletterweltcup 2010 in Kirov, Russland

Fotos: © Bernhard Kogler

Am Abend des Dreikönigstages trafen wir uns mit einigen anderen Athleten aus verschiedenen Ländern, um gemeinsam mit der Transsibirischen Eisenbahn in einer 15-stündigen Fahrt nach Kirov zu reisen. Dort wurden wir bereits von angenehmen minus 25 Grad erwartet. Prrrrr!!!

Bei der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel durfte ich erstmals erleben, wie ein 50-Mann-Bus auf Schneefahrbahn in Russland bewegt wird. (links antäuschen – rechts überholen – kurzer Drift – abfangen…fürchten!!!…)

Im Hotel hieß es dann „I-M-M-M-EÄÄ-D-I-ÄÄÄ-Etely“ zum Frühstück, um rechtzeitig bei der Qualifikation zu starten. Genauso wie wir uns nach der langen Zugfahrt fühlten, kletterten wir dann auch – müde und erfroren. Dennoch konnten Herbert und ich uns den zweiten Platz und somit den sicheren Einzug ins Halbfinale sichern.

„Hebo“ und ich legten uns bei einer Zimmerbesprechung eine Strategie zurecht, wie wir im weiteren Verlauf des Wettkampfes gegen den Heimvorteil der Russen ankämpfen sollten. Geniales Rezept: einfach so wie immer + lange Unterhosen.

Im Halbfinale gelang mir als einziger Kletterer die Überwindung der letzten Schlüsselstelle und somit der Durchstieg der Route. Außer den tauben Fingern lief alles glatt. Ich war wieder richtig siegeshungrig geworden.

Am Finaltag waren Sie wieder alle da – die Anspannung, die Nervosität, die Kälte und auch die acht anderen Athleten, die etliches mehr als nur ein paar Klimmzüge können. Nach der Routenbesichtigung war ich mir nicht ganz sicher, wie ich die vermeintliche Schlüsselstelle (bestehend aus zwei extrem weit auseinander liegenden Eistonnen) meistern sollte. In der Isolationszone ging ich diese Stelle immer und immer wieder durch. Ich hatte einen perfekten Plan, falls er funktioniert!?

Der Plan funktionierte! Rechtes Bein unmittelbar unters rechte Eisgerät ins Eis – aufstehen – vom linken Griff direkt den rechten Pickel ins zweite Eis und auflösen – Perfekt. Jetzt noch Gas geben und aufpassen, dass die Arme nicht zu stark übersäuern und die Finger nicht taub werden – Top!

Der Stadionsprecher rief irgendwas Russisches durchs Mikrofon und irgendetwas von Champion oder so. Am Boden war es dann fix – erster Weltcupsieg 2010 – Super!!!!