Allen
schwarzsehenden Auguren zum Trotz vermeldet die Münchener
Stadtmeisterschaft zum 4 Mal in Folge einen neuen Teilnehmerrekord. 233
Kinder, Jugendliche und Erwachsene kletterten am 20.05. im
Münchner Kletterzentrum in Thalkirchen im orangen
Wettkampf-T-Shirt um die Wette. Der Boom im Spasswettkampf hält
unvermindert an.

Viele
Teilnehmer, Organisatoren und Helfer fieberten dem großen
Münchner Kletterereignis schon seit Wochen entgegen. Die schlechte
Wettervorhersage reizt zu der Spekulation, wie viele Teilnehmer wohl
tatsächlich gekommen wären, wenn kein Regen angesagt worden
wäre. Wäre, würde, hätte sind alles Unsicherheiten,
die sich echte Wettkampfkletterer nicht leisten können.
Entscheidend bei der Endwertung ist immer die Frage: „Geschafft
– oder – nicht geschafft“. Dieses Motto bestimmte
auch dieses Jahr die größte bundesdeutsche Veranstaltung
dieser Art.

Zusätzlich schraubten die Organisatoren die
Stellschraube Schwierigkeit ein wenig höher (etwa 10 Qualiboulder
checkten zwischen 6c und 7c fb ein) und schoben die Latte
bezüglich der Anzahl der Boulder (50) etwas hinunter. Das
Ergebnis: ein deutlich höheres Niveau, was die Anforderungen der
Boulder betrifft und z.T.  schwerere Routen. Insgesamt sind die
Routen wieder etwas aufgewertet und On Sight – Begehungen der Boulder
erbringen doppelte Punktzahl. Eine klare Ansage, dass es etwas mehr in
Richtung professionelle Wettkämpfe gehen soll.

Auf der
anderen Seite zeigt sich dieser Amateurwettkampf aber auch von einer
liebenswert kinderfreundlichen Seite. Nicht nur, dass 20
zusätzliche Boulder nur für Kinder und deren Reichweite
angeboten werden, auch Bierkastenklettern, Speedklettern an der 20 m
–Hangelleiter und eine umfassende, professionelle Betreuung der
kleinen „Nachwuchskämpfer“ sprechen für sich. 96
Teilnehmer unter 13 Jahren genießen einen einmaligen Klettertag.

Ab
Mittags tröpfelt es ganz leicht, was von den meisten Teilnehmern
als angenehme Abkühlung empfunden wird. Der Vorrundenschluss wird
durch eine kräftige Dusche kurz vor 16.00 Uhr angekündigt. Es
folgt der obligatorische „High-Jump-Contest“, bei dem die
langen Jungs zeigen, was sie drauf haben. Ralph Grabowsky der sich in
der süddeutschen Wettkampfscene in den letzten Jahren etwas rar
gemacht hatte, taucht (etwas durchnässt) wieder auf und springt
mit Bruno Vacka (wer sonst?) gleich hoch. Auf Grund ihrer breiten
Schultern haben die beiden später bei der Siegerehrung etwas
Probleme auf dem Stockerl gemeinsam Haltung zu wahren.

In
einem dramatischen Finale, ringen im Anschluss die Mädels bis 12
Jahre bei Starkregen um den Sieg. Auf Grund der nassen Matten werden
die Wettkämpferinnen von berühmten 10er-Kletterern
persönlich aus der Iso unter die Probleme getragen. Ein einmaliges
Erlebnis für die Mädels! In einem ellenlanger Boulder mit ca.
25 Zügen kann sich Ronja Kellner aus Moosburg in der vorgegebenen
Zeit von drei Minuten bis etwas über die Hälfte vorarbeiten
und erkämpft sich verdient den ersten Platz, vor Sarah
Schützenberger (München) und Afra Hönig aus Augsburg.

Die
Götter haben inzwischen Gefallen an der Veranstaltung gefunden und
zeigen sich mit einem strahlend blauen Himmel gnädig. An derselben
Monstertraverse versuchen sich die Jungs unter 12. Die Veranstaltung
erlebt mit der Top-  und der anschließenden
Fast-Top-Begehung von Lukas Bolesch (München) und Samy Adolph
(Sauerlach) einen ihrer Höhepunkte. Die Zuschauer setzen vor
Begeisterung bei beiden Jungs zur „La Ola“, der Welle, an
und lassen die zwei Überflieger hochleben.

Auch die
Mädchen der Jugend werden in die Traverse geschickt. Dort
erklettert sich Julia Bolesch vor Julia Leuthold (beide aus
München) und Nicole Greiner (Augsburg) den ersten Platz. Die
anschließende Siegerehrung wird von Kletterweltstar Stefan
Glowacz persönlich vorgenommen.

Die
ganze Versammlung pilgert daraufhin zur anderen Wettkampfwand, die am
nächsten Tag auch die Bühne für die deutsche
Jugendbouldermeisterschaft abgeben soll. In einem sackharten
Zickzackboulder geht die männliche Jugend an die Leistungsgrenze.
In einer sehr gut nachvollziehbaren Differenzierung erringt Robin Gray
(Miesbach) souverän den obersten Stockerlplatz vor Alexander Megos
aus Erlangen und dem erst 12 jährigen Simon Lang aus München.
Letzterer kann damit eine deutliche Steigerung gegenüber 2005
vorweisen.

Das „zarte Geschlecht“ ab 16 Jahre darf
im selben Zickzackkurs sein Können unter Beweis stellen. Barbara
Mittelmeier verteidigt mit einem starken 1.Versuch eindrucksvoll ihren
Titel der Münchener Meisterin. Auf sie folgen mit einer klasse
Leistung Birgit Weiss und Joanna (Jojo) Melle (alle drei aus
München).

Last
but not least sind die “Herren der Schöpfung“ am Zug.
Wieder gilt es eine Monstertraverse niederzuringen. 5 der vier
Finalteilnehmer sind in der südbayerischen Wettkampfscene keine
Unbekannten. Arthur Korte (Freising), dem Bouldern mehr liegt wie das
Routensteigen, beweist mit einem entschlossenen Angriff seinen
berechtigten Anspruch auf den vordersten Rang. Nur ganz knapp danach
folgen der „Münchner Meister 2004“ Bruno Vacka aus
Prien und eben wieder Ralf Grabowsky (Tutzing). Julian Gritsch aus
Donaustauf, erbouldert sich noch vor Ferdinand („Ferdl“)
Triller aus Friedberg Platz 4.

Allen Siegern wird von Stephan
Glowacz persönlich gratuliert. Der Allroundspitzensportler
lässt den erlebnisreichen Tag mit seinem erstklassigen
Multivisionsvortrag „Immer am Limit“ ausklingen.

Das abschließende Resümé ergibt zweierlei:

1.   
Die neuen aufstrebenden Wettkampfstrukturen der beiden
größten DAV-Sektionen München und Oberland
bestätigen sich als enorm erfolgreich: alle Mitglieder der
Wettkampfkader qualifizierten sich zur Finalteilnahme. Selbst aus den
Sichtungsgruppen schaffen es noch zwei Teilnehmer unter die ersten drei
zu gelangen.
2.    Die Österreicher, die letztes
Jahr noch mit den Gebrüdern Rudigier bei den Kindern mit Platz 1
und 2 aufwarteten beschränken sich dieses Jahr auf Andreas
Kronthaler, Platz 5 der Herren und Rainer Hallmann, ebenfalls Platz 5
bei der männlichen Jugend. Es wird berichtet, dass einige der
fürs Finale qualifizierten deutschen Wettkämpfer merklich
aufatmen, als klar wird, dass keiner aus der österreichischen
Elite mit am Start ist. Ob der Einfall des wilden Bären über
die österreichische Grenze nach Südbayern die Sache im
österreichischen Sinne wieder gerade rücken soll, ist bisher
ungeklärt geblieben.

Der Dank gilt allen Sponsoren ohne die
diese gelungene Veranstaltung nicht durchführbar gewesen
wäre: Sport Schuster, Sixtus, Sport Thieme und Pantarai.

Download:
Ergebnisse der Meisterschaften (PDF)

Siehe auch:
http://www.kletterzentrum-muenchen.de