Sonnenschein,
entspannte Musik, Grillen, gekühlte Getränke…, nein, dieses
Szenario spielt nicht in irgendeinem südlichen Urlaubsparadies,
das waren am vergangenen Samstag die Rahmenbedingungen des zweiten und
entscheidenden Durchgangs des Deutschen Bouldercups 2005 in Leipzig.
Zum Charakter einer Bouldersession trug auch das kleine, dafür
aber umso feinere Starterfeld bei. Allzu entspannt durfte aber nicht
sein, wer am Ende des Tages vorne dabei sein wollte.

So wurde
den 19 Herren in den 4 Qualifikationsbouldern von den Routenbauern Mike
Schuh und Philip Magin bereits einiges an Spannung abverlangt. So sahen
dann auch nur wenige der Boulder eine Topbegehung. Dennoch boten die
besten Deutschen Kletterer starke Leistungen und ließen Vorfreude
auf das Finale am Abend aufkommen.

Bei den Damen fanden leider
nur fünf Athletinnen den Weg ins Veranstaltungszelt im Schatten
des Gipfels des Kletterfelsens K4 in Leipzig Grünau. Dennoch
zeigten auch sie Leistungen auf nationalem Topniveau, wobei sich
bereits in der Qualifikation ein Zweikampf zwischen Lisa Knoche
(Freising) und Julia Winter (Dresden) abzeichnete, wobei Lisa mit
deutlichem Vorsprung vorn lag.

Nach einem heißen
Nachmittag, der als Pause zur Verfügung stand, fand am Abend das
Finale statt. Zu diesem fand sich auch eine Große Zahl von
Zuschauern ein, so dass das eigens aufgestellte Zelt bis auf den
letzten Platz gefüllt war. Pünktlich ab sieben Uhr begann
ein  Feuerwerk der Kletterleistungen im Zelt und ein stattliches
Gewitter mit strömendem Regen draußen.

Bei den
zuerst startenden Damen setzte sich der Zweikampf fort, diesmal aber
noch enger als in der ersten Runde. Und so erzielten beide nach 4
Finalbouldern das gleiche Ergebnis, was für Lisa Knoche aufgrund
des Vorsprungs aus der Qualifikation den Tagessieg und damit auch den
Deutschen Meistertitel bedeutete.

Nicht minder spannend und
hochkarätig ging es auch bei den im Anschluss startenden Herren
zu. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung, die André
Borowka (Dresden) ablieferte. Als sechster gerade noch so ins Finale
gerutscht, zeigte er im Finale sein ganzes Können und sicherte
sich somit klar den Tagessieg. Den Deutschen Meistertitel holte sich
dagegen Markus Hoppe (Dresden), der wie bereits beim ersten Cup in
München Anfang des Jahres den zweiten Platz erreichen konnte und
somit zum zweiten Mal nach 2002 den Titel mit nach Hause nimmt.

Ähnlich
entspannt wie bei den Erwachsenen, allerdings nicht mit so herrlichem
Wetter,  präsentierte sich die erste Deutsche 
Jugendmeisterschaft im Bouldern am Sonntag.. Denn der am Vorabend
einsetzende Regen ließ bis in die frühen Morgenstunden nicht
nach und auch den gesamten Vormittag über zogen immer wieder
Schauer über das Gelände. Dies erforderte von den
Organisatoren einiges an Improvisationstalent, war doch die
Aufwärmwand feucht und kaum vor Regen zu schützen. Mit
vereinten Kräften aber wurden Lösungen gefunden, so dass die
jungen Boulderer und Boulderinnen einen relativ reibungslosen Wettkampf
abliefern konnten. Leider mussten aufgrund der geringen
Teilnehmerzahlen die beiden Altersklassen Jugend A und B sowohl bei den
Jungen als auch bei Mädchen zusammengelegt werden. Dies tat den
hervorragenden Leistungen jedoch keinen Abbruch.

Bei
den Mädchen gab es wie am Vortag wieder ein Kopf- an – Kopf 
– Rennen zwischen zwei Athletinnen: Wieder war eine der beiden Lisa
Knoche, der die Belastung vom Vortag kaum etwas auszumachen schien.
Diesmal hatte sie es aber mit der jungen Dortmunderin Juliane Wurm zu
tun, die allerspätestens seit ihrem 3. Platz bei der Jugend WM in
Peking/China kein Geheimtipp mehr ist. Mit identischem Ergebnis
beendeten beide die Qualifikation. Im Finale   legte Lisa an
den vier schön geschraubten Finalbouldern immer mit einer Begehung
im ersten Versuch vor, Juliane zog direkt nach ihr startend immer
gleich – bis auf den letzen Boulder. Hier musste sie vielleicht doch
der hohen nervlichen Anspannung Tribut zollen und patzte. Somit
sicherte sich Lisa Knoche auch den ersten Deutschen Jugendmeistertitel
im Bouldern – ein erfolgreiches Wochendende.

Bei der
männlichen Jugend wurde auch ordentlich hingelangt. Der wie bei
den Mädchen offene Qualifikationsmodus tat der Stimmung recht gut,
es wurde viel untereinander beraten und angefeuert. Das Finale forderte
dann von den sechs Finalisten alles ab. Besonders die ersten Züge
erwiesen sich als recht schwer. Am Ende konnte den Meistertitel Stefan
Danker aus Landshut holen, was ihn besonders freute, war er doch am
Vortag als siebter nur knapp am Finale vorbeigeschrammt.

Alles
in allem erwies sich Leipzig wieder einmal als würdiger
Austragungsort für einen Kletterwettkampf. Besonders bei der
Jugend darf man auf die weitere Entwicklung im Boulderbereich gespannt
sein, einige der jungen Talente beweisen ja schon heute, dass sie bei
den „Alten“ – im wahrsten Sinn des Wortes – mithalten können.

Ergebnisse

Damen Tag:   
1.Lisa Knoche
2.Julia Winter
3.Katrin Lau

Damen Gesamt:
1.Lisa Knoche
2.Katrin Lau
3.Julia Winter

Herren Tag:
1.André Borowka
2.Markus Hoppe
3.Jonas Baumann

Herren Gesamt:
1.Markus Hoppe
2.Peter Würth
3.André Borowka

Jugend weiblich:
1.Lisa Knoche
2.Juliane Wurm
3.Manuela Heisele

Jugend männlich:
1.Stefan Danker
2.Alexander Hille
3.Christoph Roß

Siehe auch:
www.alpenverein.de

www.digitalrock.de