Die Sektionen München und Oberland des DAV sowie das
Kletterzentrum München-Thalkirchen hatten geladen und nach
wochenlangem nasskaltem Wetter hatten die Götter ein Einsehen. Bei
strahlendem Sonnenschein trafen sich am 26.06. im Münchener
Kletterzentrum Thalkirchen über 1000 Kletterbegeisterte zum Event
des Jahres 2004, der Münchener Kletter- und Bouldermeisterschaft.
Niemand Geringeres als die  „Klettergrossmeister“ Sebastian
(„Wastl“) Untereglsbacher, Timo Preussler, Uli Lindenthal und Tanja
Bauer hatten in den vorangegangenen Tagen (und Nächten) im
Kletterzentrum an ca. drei Dutzend Bouldern und Routen herumlaboriert.
Mit Unterstützung des rührigen Teams um Jiri Kadlec, dem
neuen Sportkletterreferenten der Sektion Oberland des DAV, sowie
etlicher weiterer Helfer gelang es, den einrückenden
Wettkampfaspiranten einen bunten Strauss unterschiedlichster
Kletterprobleme zu präsentieren. Mit den Wänden vom
Bouldercup auf der Ispo, die extrig vor dem Eingang zur Kletteranlage
aufgebaut worden waren, wurden dieses Jahr erstmals auch Bouldermoves
im weit überhängenden Bereich geboten.
 
Und auch die Münchener Kletterscene zeigte sich an diesem Tag von
ihrer besten Seite: ein Rekordteilnehmerfeld von unglaublichen 133
Leuten drängelte sich zum Briefing vor dem Start um 10.00 Uhr. Die
neu eingeführte Klasse der 8-12 Jährigen stellte mit
insgesamt 30 Teilnehmern nach den Herren überraschend das
grösste Kontingent. Die neu gegründeten
Wettkampfsichtungsgruppen für Kinder- und Jugendliche der Sektion
Oberland hatten etliche dieser jungen Nachwuchskletterer an den Start
gelockt.

Das beliebte Soul-Moves-Prinzip (will heissen Klettern in Gruppen und
praktisch ohne Zeitlimit) war sicher ein weiterer Punkt, der die hohe
Teilnehmer- und Besucherzahl erklärte. Entsprechend im grünen
Bereich bewegte sich die Genusskurve bei den Teilnehmern während
des Wettkampfes. Auch der Genuss der Besucher kam nicht zu kurz:
Hüpfburg, Seilbalancieren, Bierkasten- und Schnupperklettern, eine
Drytoolingshow mit kleinem Wettbewerb für Interessierte,
Erzähl- und Bastelstunden für die Kurzen sowie Grillen und
Biergarten für die Langen waren u.a parallel zum
Wettkampfgeschehen  auf dem Gelände geboten und gaben der
Veranstaltung den Charakter eines grossen Freizeit- und Familienevents.

In den 6 Stunden der Vorrunde wurde bei wummernden Bässen aus den
Lautsprecherboxen von den Kids die Hüpfburg wiederholt
gestürmt und ein Boulder nach dem anderen von den entschlossenen
Wettkampfteilnehmern geknackt. Als entscheidend entpuppte sich in der
Vorrunde das Können beim Bewältigen der zwei geforderten
Durchstiegsrouten. Denjenigen Wettkampfteilnehmern, die im
Routenklettern vorne lagen, gelang in der Regel schliesslich auch der
Einzug ins Finale. Ralf Grabowsky (2003 unter den ersten drei Herren)
schlitterte deswegen nach einem Patzer an der Crux vor dem Dach der
zweiten Herrenroute haarscharf an der Finalteilnahme vorbei. Sowohl
für ihn als auch für die Zuschauer ein schmerzliches
Ergebnis. Erstaunliches erreichte die Kindergruppe, für die kein
Finale vorgesehen war: Deren drei Beste hätten sich bei den
Herren, würde man nach Punkten vergleichen, mühelos im
Mittelfeld platziert. Neben der grossen Anzahl an jungen Teilnehmer
(insgesamt fast 70) ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Kinder-
und Jugendklettern derzeit voll im Trend liegt.

Das Finale entwickelte sich auch dieses Jahr wieder zum Highlight der
Veranstaltung: Bei der weiblichen Jugend setzte sich Yvonne Koch,
nachdem sie sich punktgleich mit Katharina Werner gerade noch ins
Finale geklettert hatte, anschliessend nervenstark u.a. gegen die
„unwahrscheinliche“ Ines Dull knapp auf Platz 1 durch. Bernhard
Köhl, seines Zeichens Mitglied der Köhl-Geschwister (der Papa
platzierte sich bei den Herren im Mittelfeld) und Gewinner des letzten
BIG WALLHALLA, errang bei der männlichen Jugend souverän den
1. Platz. Die Damen warteten mit der verletzungsbedingt lange
vermissten Mira Witzemann (Platz 1) sowie „oldschool“ Irmgard Bauer
(Platz 2) und Annemarie Köhl, Bernhards Schwester (Platz 3) 
auf. Miras ruhige und lehrbuchmässig vorgeführte Technik auch
in den happigen Moves forderte die Zuschauer wiederholt zu begeistertem
Applaus heraus.

Der absolute Knaller lief dann im Herrenfinale: Ferdinand Triller (der
gute Geist des Augsburger Kletternachwuchses) und Martin Stolzenberger
hatten sich bereits in der Vorrunde mit einem beachtlichen Ergebnis die
Arme lang gezogen und konnten im 1. Finalboulder beim besten Willen
nichts mehr zerreissen. Thilo Müller warf in Finalboulder 2 das
Handtuch, und Markus Meyer musste sich am Startgriff von Wastls 3.
Finalboulder seinem Schicksal ergeben. Übrig blieben nur der
bekannte Benny Becker und der an diesem Tag in Topform befindliche
Bruno Vacka. Beide kletterten in den 3 Finalbouldern geradezu
zwillingsgleich und tropften schon am zweiten Griff des letzten
Problems ab. Auch ein von der Wettkampfleitung grosszügig
zugestandener zweiter Versuch erbrachte ein identisches Ergebnis: Beide
kamen über den besagten Griff nicht hinaus, Benny zeigte
kopfschüttelnd, was er von der Sache hielt. Moderator Fabian
forderte daraufhin Wastl auf, doch mal einen Eindruck davon zu
vermitteln, wie der verflixte Boulder denn nun gelöst werden
könnte. Das liess sich dieser nicht zweimal sagen, sprang auf und
„hüpfte“, ehe man sich`s versah die Züge zum Schlussgriff
hinauf.

Einen Extraapplaus hatte er sich alleine schon mit dieser
Leistung verdient, was die Zuschauer jedoch erst zu ungläubigem
Staunen und zuletzt schier zum Toben brachte, war weniger die
spielerische Leichtigkeit, mit der Wastl seinen Boulder runterspulte
als die Tatsache, dass er bei der ganzen Aktion seine Sandalen
anbehielt. (Das Gerücht, Wastls Sandalen seien mit spanischem
fire-Gummi besohlt, konnte bislang jedoch nicht bestätigt werden).
Selbstverständlich liessen sich die beiden ausgepumpten
Finalteilnehmer dann nicht mehr lumpen und rissen anschliessend den
Grossteil des Boulders nieder: dummerweise sprangen jedoch wieder beide
beim selben Griff ab, woraufhin die Schiedsrichter ein Einsehen hatten
und sich bei den Herren weise für zwei erste Plätze
entschieden.

Die abschliessende Verlosung der 85 Preise unter den Teilnehmern (die
Erstplatzierten der einzelnen Klassen erhielten 200,-
Einkaufsgutscheine von Lost Arrow) leitete über zur
Grossbildübertragen der Fussball-EM.  Bei lauen
Sommerabendtemperaturen klang damit ein für Besucher und
Teilnehmer erlebnisreicher Tag aus. Die Veranstaltung kann im
Nachhinein als einer der grössten Erfolge für den
Münchner Klettersport gewertet werden und lässt hoffen, dass
sich in 2005 (mindestens) alle diesjährigen Teilnehmer und
Besucher der Münchener Kletter- und Bouldermeisterschaft erneut zu
dem aussergewöhnlichen Event einfinden werden.

Bis dann …
Nils Schützenberger