Heiß auf Eis!
Vom 7. bis 9. Januar 2005 fand zum fünften Mal das Ice Climbing
Festival in Kandersteg statt. Über 400 Eiskletterer aus ganz
Europa kamen zu diesem Event, kletterten, diskutierten, testeten und
feierten. In winterlicher Umgebung war die Stimmung im Berner Oberland
prächtig, und Hobby-Kletterer wie Profis kamen in jeder Beziehung
voll auf ihre Kosten.

Black Diamond Initiator
Initiiert wurde das Ice Climbing Festival von Black Diamond,
unterstützt von Lowa, Patagonia, Julbo und der Gemeinde
Kandersteg. „In den vergangenen Jahren hatten wir auch schon Pech mit
dem Wetter, da wollte es einfach nicht aufhören zu regnen“,
erinnert sich Christian Jaeggi von Black Diamond, „oder die vereisten
Wasserfälle an den umliegenden Bergen waren aufgrund der
Temperaturen nicht zu klettern, das Gefahrenpotenzial entsprechend
groß“. Dieses Jahr habe alles gepasst: „Wir möchten diesem
Sport etwas zurückgeben und sehen das Meeting als
Möglichkeit, Eiskletterer zusammenzubringen. Die Veranstaltung ist
offen für die gesamte Klettergemeinde, dieses Mal sind Aktive aus
Amerika, England, Finnland, Belgien, Frankreich, Österreich,
Deutschland und der Schweiz angereist; das freut uns riesig und ist
auch Lohn für die Arbeit von 30 Helfern, die den Ablauf der drei
Tage ermöglichen und fünf Wochen lang den Eisturm
präpariert haben“, sagt Jaeggi.

Großteil der Toppkletterer in Kandersteg
Einen der Höhepunkte am Samstag bildete der Dry-Tool
Fun-Wettkampf. Quasi als Auftakt zur Weltcupserie zog es einen
großen Teil der Toppkletterer ins „Eis- Mekka“ Kandersteg. So
gehörten immerhin 20 „Cracks“ zu den insgesamt 80 Teilnehmern, die
sich an den von Jack Müller und Thomas Steinbrugger gesetzten
Routen versuchten – was die ohnehin gute Stimmung der sehr offenen
Veranstaltung zusätzlich erhöhte. Zwei der Routen waren als
leicht einzustufen, zwei mittelschwer und eine sortierte das Feld
weitreichend – Müller und Steinbrugger haben eine angemessene und
tolle Arbeit abgeliefert. Am Ende standen bekannte Namen ganz oben auf
den Ergebnislisten.

Ergebnis des Damen-Wettkampfes
1. Sandra Wielebnowsky (Österreich)
2. Ines Papert (Deutschland)
3. Kirsten Buchmann (Deutschland)

Ergebnis des Herren-Wettkampfes
1. Markus Bendler (Österreich)
2. Harald Berger (Österreich)
3. Simon Wandeler (Schweiz)/Isreal Blanco (Spanien)
5. Will Gadd (Kanada)
6. Albert Leichtfried (Österreich)/Simon Anthamatten(Schweiz)
8. Tim Emmett (Großbritannien)

Workshops ein großer Erfolg
Die in diesem Jahr zum ersten Mal angebotenen Workshops vermochten 60
Teilnehmer restlos zu begeistern. Ines Papert, Sandra Wielebnowsky,
Will Gadd, Jack Müller und Simon Anthamatten boten den zahlreichen
Teilnehmer am Samstag und – aufgrund einer nicht enden wollenden
Nachfrage – auch am Sonntag in ihren Workshops die seltene
Möglichkeit zum direkten Kontakt: Amateure waren gemeinsam mit
Eiskletterprofis unterwegs.

Vorträge von Will Gadd und Beat Kammerlander
Sehr guten Anklang fanden am Freitag- respektive Samstagabend die
Vorträge von Will Gadd und Beat Kammerlander. Der Besuch war mit
über 250 und 400 Zuschauern weit größer als erwartet.

Beat Kammerlander bot eine Zeitreise seiner horizontalen
Glanzleistungen: Der Vorarlberger klettert seit 1977 und tat unter
anderem kund, dass er, wenn überhaupt, seitdem höchstens
einen Monat am Stück nicht Hand angelegt hat: „Klettern ist ein
Lebensweg, den man nicht ändern kann. Ich möchte das so lang
tun, bis ich irgendwann tot umfalle“.

Für Kammerlander ist das Tessin das „beste Klettergebiet der Welt,
das ein enormes Potenzial hat“. Sein Vortrag begann mit dem Bouldern,
„eine überaus dynamische und soziale Angelegenheit“, und endete
mit herrlichen Aufnahmen vom Skitourengehen. Was Beat Kammerlander
dazwischen von Eisfällen und auch free solo am Fels zeigte, machte
schweißnasse Hände.

Eisklettern bei traumhafter Kulisse
Am Sonntag war für viele Eiskletterer erneut Aktion angesagt.
Getragen von der guten Stimmung wurden viele der in Gehentfernung von
Kandersteg liegenden natürlichen Eisrouten begangen. Das Festival
zeichnete auch in diesem Jahr – bei traumhafter Kulisse mit blauem
Himmel – eine freundschaftliche und offene Atmosphäre aus, die mit
einer kommerziellen Veranstaltung buchstäblich nichts zu tun hat.

Termin 2006 steht: 6. bis 8. Januar
Ein herzliches Dankeschön richten die Organisatoren nicht nur an
die vielen Helfer und Unterstützer wie die Gemeinde Kandersteg,
sondern an alle Teilnehmer und Kletterer, welche in diesem Jahr
wiederum für drei tolle Tage sorgten. Die Neuauflage der
Veranstaltung ist für den 6. bis 8. Januar 2006 angesetzt!

Fazit
Für Christian Jaeggi steht fest, dass es das Ice Climbing Festival
in Kandersteg „weiterhin geben wird, so lange das Interesse der Leute
besteht. Mittlerweile bietet das Festival – auch wenn wir gezielt
Amateure ansprechen – gerade den Profis die Möglichkeit, vor dem
Weltcupstart einen Formtest zu absolvieren; Kandersteg ist das erste
Eiskletterfestival des Winters“. Jaeggi selbst ist in Kandersteg schon
in den 70er Jahren eisgeklettert, vermutlich wird er noch oft dorthin
reisen.