MementoInspiriert von Bernd Zangerls DVD Memento mache ich mich im Herbst 2006 für einen Tag auf den Weg Richtung Silvretta. Ich will den Boulder Memento unbedingt sehen! Drei Stunden später steige ich aus dem Auto und mache mich auf den Weg Richtung Blöcke. Wo der Boulder genau ist, weiß ich nicht, was die Aufgabe den Boulder in dem rießigen Blöcke-Haufen zu finden, nicht gerade einfach macht…

Zwei Stunden später glaube ich, nach einigem Umherirren, endlich in einem Bereich des Blockfeldes gelangt zu sein, der mir vom Blick auf den Staussee her, ziemlich „verdächtig“ erscheint. Einige Augenblicke später stehe ich vor MEMENTO. WOW – Geniale Linie!!! Ich kann es kaum erwarten die Griffe auszugreifen – alles kleine Leisten – könnt´ mir liegen, auch wenn der Sprung sehr „scarry“ aussieht. Nach einem erneuten „Ausgreifen“ steht für mich fest, dass ich nächstes Jahr zumindest einmal herkommen muss, um die Züge zu probieren…

Das Frühjahr war sehr stressig und so wird es Mitte Juli, bis ich das erste mal die Moves probieren kann. Die Züge zwei bis sechs kann ich auf Anhieb klettern. Nur der Crux-Jump und der erste Zug gehen nicht. Kurze Zeit später hab´ ich eine Fußposition gefunden, mit der auch der erste Zug funktioniert und klettere anschließend gleich bis zum Jump durch – springe – bin aber weit davon entfernt, den Zug zu machen. „Ob das funktioniert?“

Vier Tage später bin ich auf dem Weg zur European Outdoor Fachmesse und mache einen kurzen Abstecher zur Silvretta. Zweimal schaffe ich es wieder bis zum Sprung – komme dem Zielgriff schon gefährlich nahe – das Feeling für den Sprung ist schon besser…

MementoDrei Tage später auf dem Heimweg von der Messe mache ich wieder zwei Versuche bis zum Sprung, bei denen ich aber den versteckten Griff nicht erreiche. Der dritte und letzte Versuch dieses Tages ist sensationell – ich erreiche den Zielgriff und spüre schon den Wulst, an dem die Finger hängenbleiben sollen – rutsche aber leider ab – DAMN! Leider reiße ich mir dabei völlig die Fingerkuppe meines Zeigefingers auf – Zwangspause…

„Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach!“ Also mache ich schon eine Woche später vier Versuche – jedesmal bis zum Sprung. Bei dem besten, erwische ich den Zielgriff des Sprunges wieder nicht ganz richtig – die Haut ist komplett fertig!

Zwei Wochen Haut- und Regenpause später, schaffe ich bei sehr feucht – schwülen Bedingungen sechs Versuche bis zum Sprung – dreimal komme ich eigentlich gut zum Zielgriff, aber ??? Einmal bin ich sogar so „stark“ und explosiv, dass ich weit über den Zielgriff springen kann!!!??? „Gehen tuts sicher, die Frage ist nur wann?“ Man braucht für den letzten Sprung einfach enormes Glück, damit man den Zielgriff ganz genau erwischt – im schlimmsten Fall springst 100 mal hinauf und kannst dich nicht richtig festhalten…

„Gestärkt“ durch einen Badeurlaub auf Mallorca, eine Halsentzündung (resultierend aus der zu gut gemeinten Kühlung beim Heimflug) und einen dreitägigen, körperlich intensiven „Helfereinsatz“ bei der Tri-Motion macht mir der Wetterbericht einen Strich durch meine Rechnung: Eigentlich wollte ich mich noch ein oder zwei Tage auskurrieren, und dann noch einmal vor Ferienende mein Glück versuchen. Doch auf Hinweis meiner Freundin Christina soll nur noch der Montag wettermäßig ok sein – danach Wettersturz und Schneefall bis auf unter 1000 m!?

Montag morgen checke ich nochmal den Wetterbericht – ja es hilft nicht – heute gehts noch, dann in den Ferien vielleicht nicht mehr. Körperlich fühle ich mich noch alles andere als fit und mit dem Kopf bin ich auch gar nicht bei der Sache. Beinahe vergesse ich die wichtigsten Sachen – mehrmals muss ich von der Garage zurück , um noch das ein oder andere Utensil zu holen. Aber ich will das Wetter noch ausnützen und eine Trainingseinheit in Memento absolvieren, um nach der dreiwöchigen Abstinenz wieder ein Feeling für die Züge zu bekommen…

MementoDer einstündige Zustieg nach der dreistündigen Autofahrt ist heute sehr beschwerlich – die Bronchien sind noch ziemlich zu – KEUCH! Nach dem Putzen der Griffe bin ich witzigerweiße total relaxt und locker. Der Gripp heute ist aufgrund der ankommenden Kaltfront so gut wie noch nie – mal schauen, wie weit wir uns heute verbessern können – ich freue mich jedenfalls schon auf das „Training“ am Objekt.

Plötzlich höre ich eine Stimme: „Heile, Servus“, es ist Bernd und wir quatschen eine Weile über dies und das – er schaut aber dann weiter zu einem höheren Sektor. Gedankenlos mache ich meinen ersten Versuch und hab´ den Schlußgriff fast in der Hand – nur wenige Millimeter fehlen. Schon ein super Erfolg für heute – noch nie war ein erster Versuch so gut – der Gripp und auch sonst passts heute trotz der Umstände wirklich gut …

Etwa zehn Minuten vergehen bis zum zweiten Versuch – ich bin wieder völlig entspannt, gedankenlos und cool als ich einsteige. Die ersten Züge absolviere ich spielerisch – fühlt sich super an und macht mir sehr großen Spaß – intuitiv springe ich an der Crux – fühle wieder den Wulst und bleibe zu meinem Erstaunen hängen. Die Füße schwingen heraus, doch das Hängen und Schwungabfangen funktionieren fast mühelos – ein Genuß – völlig perplex klettere ich noch auf das Top des Blocks …

Hinter mir höre ich irgendwie weit weg die jubelnde Stimme meiner Freundin Christina – „jawoi du hast es“. Als ich vom Block wieder herunten bin, bin ich immer noch wie in Trance – kann mich noch nicht richtig freuen. Wenige Minuten später wird´s langsam und mir dämmerts – JEPEEH!!!

Beim Abstieg treffen wir noch einmal Bernd, der mir sofort super sympatisch gratuliert. Kurz tauschen wir uns unter anderem über die Bewertung aus. Wir denken beide, dass MEMENTO schwerer sein dürtfte, als die 8Cs, die es bis jetzt so gibt. Aufgrund der Länge – „nur“ sieben Züge – momentan mit Sicherheit ziemlich das Extremste, was man klettern kann …

Der Name „MEMENTO“ heißt übersetzt „Gedenke“ – die Begehung meines bislang schwersten Boulders soll unserem Vater gewidmet sein, der leider 1999 beim Bergsteigen verunglückte …“

Details gibts auf www.schwaigerbrothers.com inkl. Fotos, Bericht und einem Video …