Das Finale der Boulder-Europameisterschaft 2013 im niederländischen Eindhoven wurde am Sonntag Abend zur österreichischen Erfolgsstory. Kilian Fischhuber, erfolgreichster Boulderer der Weltcupgeschichte, erfüllt sich den langersehnten Traum vom Einzelgold bei einem Großereignis.

Kilian Fischhuber (c) Elias Holzknecht Knapp vor 21 Uhr war der Bann gebrochen. Kilian Fischhuber flasht den letzten Finalboulder, , das Publikum tobt, applaudiert mit Standing Ovations und Fischhubers Blicke wandern zu den österreichischen Betreuern, die ihm signalisieren, das er gewonnen hat. Fischhuber ist neuer Boulder-Europameister! Der erfolgreichste Boulderer der Weltcupgeschichte (20 Einzelsiege, 5 Weltcup-Gesamtsiege), dem in seiner außergewöhnlichen Karriere bisher einzig ein Einzeltitel bei einem Großereignis verwehrt bliebt, erfüllt sich in Eindhoven den langersehnten Traum und schließt somit den letzten weißen Fleck auf seiner Landkarte von internationalen Erfolgen.

Herren-Finale als Thriller der Extraklasse

Anna Stöhr (c) Elias HolzknechtDer Verlauf des Herren-Finale glich von der Dramaturgie dem einer Hollywood-Produktion. Kilian Fischhuber musste seine Halbfinalführung bereits nach dem ersten Boulder abgeben, da er als einziger Finalist neben Jakob Schubert diesen nicht im ersten Versuch löste. An Boulder Nummer zwei übernahm der erst 17-jährige italienischen Überraschungsmann Michael Piccolruaz die Zwischenführung, da er als einziger Athlet die ersten beiden Finalboulder flashte und vor dem letzten Finalboulder (Boulder Nummer Drei wurde von keinem Athleten getoppt) schon wie der sichere Sieger aussah.

Fischhuber flashte Boulder Nummer zwei und lag hinter Piccolruez vor dem letzten Boulder auf Zwischenrang zwei. Der Traum vom ersten Einzelgold für Fischhuber drohte erneut zu platzen. Doch dann kam am letzten Boulder alles anders. Zuerst flashte Jakob Schubert, der vor dem letzten Boulder auf Rang fünf lag, den letzten Finalboulder. Nach ihm scheiterten sowohl Stefan Danker (GER) als auch Piccolruez (ITA) überraschend am letzten Boulder und somit war für Schubert Boulder-Bronze in trockenen Tüchern.

Durch das überraschende Scheitern des Italieners Piccolruez am letzten Boulder war Gold für Fischhuber wieder in Reichweite, sofern Fischuber den letzten Boulder in weniger als drei Versuchen toppte. Gesagt, getan. Fischhuber flashte den letzten Finalboulder und erfüllte sich den Traum vom EM-Gold vor dem russichen Weltmeister Dmitrii Sharafutdinov und Teamkollege Jakob Schubert, der mit Platz 3 im Boulderbewerb auch Platz 3 in der Kombination fixierte hinter Sharaftudinov (RUS) und Verhoeven (NED).

"Der Bann ist gebrochen. Mehr als 10 Jahre habe ich auf diesen Moment hingearbeitet. Heute hat einfach alles gepasst. Die Tagesform stimmte, die Boulder kamen mir entgegen und ich hatte auch endlich das nötige Glück auf meiner Seite. Ein Traum ist wahr geworden!" strahlte Fischhuber. Kilian Fischhuber, Anna Stöhr und Jakob Schubert (c) Elias Holzknecht

Gold als Krönung einer perfekten Saison für Anna Stöhr

Nicht weniger spannend als das Herrenfinale verlief das Damenfinale bei der Boulder-Europameisterschaft 2013, das sich nach Boulder Nummer zwei zu einem Privatduell zwischen World Games Siegerin Mina Markovic (SLO) und Weltcup-Gesamtsiegerin Anna Stöhr entwickelte.

Stöhr und Markovic waren nach drei von vier Bouldern mit 3 Tops in 6 Versuchen ex aequo in Führung, während alle anderen Finalistinnen erst maximal ein Top auf der Habenseite verbuchen konnten. Da Markovic die bessere Halbfinalwertung vorweisen konnte, lag die Slowenin vor Stöhr in Führung.Am letzten Boulder bewies Stöhr dann einmal mehr ihre mentale Extraklasse. Mit einem Flash am letzten Boulder erhöhte Stöhr den Druck auf Markovic ein letztes Mal. Markovic konnte den Boulder zwar toppen, aber nicht im ersten Versuch, sondern erst im Dritten. Gold ging somit nach 2010 wieder an Anna Stöhr vor Markovic (SLO) und Melanie Sandoz (FRA).

Da dies bereits wenige Augenblicke vor dem finalen Auftritt von Lebensgefährte Fischhuber geschah, konnte Stöhr den Triumph von Fischhuber erste Reihe Fußfrei genießen.

"Das ist die Krönung einer perfekten Saison. Gemeinsam mit Kilian Gold zu holen ist etwas ganz Besonderes. Hut ab auch vor Jakob, seine Leistung war wieder einmal außergewöhnlich!" freute sich Stöhr über das Ende einer perfekten Bouldersaison. Saurwein verfehlt Bronze in der Kombination hauchdünn Hauchdünn verfehlte EM-Kombiniererin Katharina Saurwein die fünfte Medaille für den Österreichischen Wettkletterverband. Lediglich drei Punkte trennten Saurwein in der Endabrechnung von der Französin Avezou. Gold ging an die Russin Fakhritdinova vor der Slowenin Markovic.