Fast englische Wochen haben die Boulderer derzeit - jedes Wochenende ein Wettkampf, national und international - und so stand nach 18 Jahren Abstinenz wieder einmal ein Weltcup in der österreichischen Hauptstadt auf dem dicht gefüllten Terminkalender der Boulderer.

Jonas Baumann beim Boulderweltcup 2009 in WienDie 146 Athleten aus 24 Nationen hatte dabei die Ehre, die nagelneue überdachte Außen-Boulderanlage der Kletterhalle Wien einzuweihen. Für den DAV gingen Jonas Baumann (Wuppertal), Stefan Danker (Landshut), Markus Hoppe (SBB), Peter Würth (Ludwigshafen) sowie die „Gaststarter“ Frank Jaenecke (Leipzig) und Franz Schmidtlein (Straubing) an den Start. Einzige Dame in schwarz-rot-gold war Juliane Wurm (Wuppertal), die den Weltcup als Formtest und Vorbereitung zur WM in China Ende Juni mitnehmen wollte.
Dass die Form stimmt, zeigte Juliane dann bereits in der Qualifikation, als sie als einzige Ihrer Gruppe alle fünf Boulder klettern konnte – dies war noch nicht einmal der Topfavoritin und Weltcup-Seriensiegerin Anna Stöhr (A) gelungen. Und auch im Halbfinale schienen die Boulder keine größeren Probleme für die starke Wuppertalerin darzustellen: Nur Wurm und Stöhr konnten alle vier Boulder knacken, so dass Juliane zum ersten Mal in ihrer Wettkampfkarriere im Finale eines Weltcups stand!Mit ihren Vorrundenleistungen im Rücken konnte sie hier eigentlich entspannt dem Duell mit den weiteren Finalistinnen Stöhr, Aleksandra Balakireva (RUS), Akiyo Noguchi (JAP), Olga Bibik (RUS) und Jenny Lavarda (I) entgegen sehen. In der Runde der letzten Sechs konnte dann niemand der eigentlichen Außenseiterin Balakireva das Wasser reichen.
Zuvor noch nie in einem Weltcup-Finale gestanden, setzte sie sich mit drei gekletterten Bouldern in vier Versuchen vor der Japanerin Noguchi, die zwei Versuche mehr benötigte, und der Lokalmatadorin Stöhr durch und sorgte damit für den größten Erfolg ihrer Kletterkarriere. Mit dem zweiten Platz übernahm Noguchi auch die Führung im Gesamtweltcup.Für Juliane blieb hinter den drei Podiumsdamen der undankbare vierte Platz – sie hatte nur zwei der vier Finalboulder klettern können, damit aber nichtsdestotrotz eindrucksvoll bewiesen, dass mit ihr sowohl im Bouldern als auch im Lead zur WM in China zu rechnen ist. Auch für Wurm war der vierte Platz der bislang größte Erfolg im Senioren-Weltcup. Hinter ihr belegten Olga Bibik und Jenny Lavarda die Plätze fünf und sechs.
Auch für die Herren des DAV lief es in der Qualifikation hervorragend: Mit Jonas Baumann, Markus Hoppe und Stefan Danker platzierten sich gleich drei Starter im Bereich der besten 20 Halbfinalisten – etliche große Namen wie Gabriele Moroni oder Christian Core (beide I) hatten erhebliche Probleme mit den harten Qualifikationsbouldern und verpassten das Halbfinale; Boulder Vize-Weltmeister Martin Stranik (CZE), der Sieger des Weltcups von Kazo, Stephane Julien (F) und sein Landsmann Gerome Pouvreau mussten gar ohne einen einzigen erreichten Topgriff den Chalkbag wieder zumachen – für das erfolgverwöhnte Trio sicherlich ein absolutes Novum!
Im Halbfinale konnte sich dann vor allem Jonas Baumann hervortun: Zwei der vier Boulder konnte Baumann klettern, damit aber leider noch einen zu wenig für das Finale, so dass am Ende leider nur der 10. Platz für den Wuppertaler heraussprang. Nach seinem Ausrutscher beim letzten Weltcup in Hall (31. Platz) war die Top-10-Platzierung aber für ihn ein deutliches Zeichen, dass die Form trotzdem stimmt – immerhin konnte er Größen wie Adam Ondra (CZE, 11.) und David Lama (A, 13.) hinter sich lassen.Für die weiteren Halbfinalisten des DAV war mit einem gekletterten Boulder ebenfalls nach der zweiten Runde Schluss: Stefan Danker landete auf dem 17., Markus Hoppe auf dem 18. Rang. Aber auch für sie zeigt der Halbfinaleinzug im Weltcup, dass die Form vor der WM auf dem richtigen Weg ist. Schade nur, dass Stefan Danker die WM in China wegen Uni-Prüfungen ausfallen lassen muss. Bereits in der Qualifikation hatten die drei weiteren deutschen Starter Peter Würth (31.), Frank Jaenecke (51.) und Franz Schmidtlein (65.) die Segel streichen müssen.
Im Finale der Herren konnte dann der Russe Gelmanov den russischen Triumph an diesem Tag komplett machen: Als einziger konnte er alle vier Finalboulder klettern und sicherte sich so nicht nur den Tagessieg sondern auch die Führung im Gesamtweltcup. Hinter ihm wurde es beim Kampf um Platz zwei spannend: Nur die erreichten Bonuswertungen ließen Kilian Fischhuber (A) das Nachsehen vor dem smarten Canadier Sean Mc Coll haben – Fischhuber hatte hier eine Wertung weniger erreicht. Auf dem vierten Rang folgte der Ukrainer Mykhaylo Shalagin vor Guillaume Glairon Mondet (F) und David Barrans (GB).
Mit dieser guten Mannschaftsleistung sicherte sich die DAV-Truppe den vierten Platz in der Nationenwertung hinter Russland, Österreich und Frankreich und man darf auf die bevorstehenden weiteren internationalen Events gespannt sein: Ein Teil der deutschen Wien-Starter flog direkt vom Weltcup in die USA, wo am kommenden Wochenende im Rahmen der Teva Mountain Games der Weltcup in Vail ansteht – hoffentlich unter organisatorisch besseren Voraussetzungen als im letzten Jahr, wo die Veranstaltung haarscharf an einem organisatorischen Fiasko vorbeischrammte. In den USA gehen für den DAV Jonas Baumann, Peter Würth und Markus Hoppe an den Start. Nach Vail bleiben den Sportlern noch zwei Wochen Zeit, um sich den Feinschliff für die Weltmeisterschaft im chinesischen Qinghai Ende Juni zu verpassen – die Zeichen für das deutsche Team stehen gut!
Komplette Ergebnisse vom Weltcup in Wien unter www.ifsc-climbing.org