Es entschied sich tatsächlich erst wieder am letzten Boulder, genauso wie im Vorjahr. Der Unterschied: Diesmal holte nicht Akiyo Noguchi aus Japan den Titel in der Gesamtwertung des Boulder Worldcup 2011, sondern die Österreicherin Anna Stöhr.

Boulderweltcup 2011 in München: Anna Stöhr gewinnt das Damenduell

Bei den Herren stand ihr Landsmann und Lebensgefährte Kilian Fischhuber als Titelgewinner bereits fest. Deshalb musste er nicht sonderlich enttäuscht sein, das Podium für die Münchner Tageswertung vollständig dem russischen Team zu überlassen.

Fotostrecke: Boulderweltcup 2011 in Muenchen

Fotos: © Marco Kost (www.mountains-and-more.de)

Dmitry Sharafutdinov, Rustam Gelmanov und Alexey Rubtsov legten unter dem Dach des Olympiastadions eine beeindruckende Demonstration ihres Könnens hin. Aus deutscher Sicht sehr erfreulich das Damenpodium: Hinter Martina Markovic aus Slowenien und vor Anna Stöhr holte sich Juliane Winter vom DAV Wuppertal den zweiten Platz.

Die Entscheidung am letzten Boulder

Als Akiyo Noguchi an den vierten und letzten Finalboulder ging, war klar: Wenn sie nicht bis zum Topgriff kletterte, würde sie den Kampf um die Gesamtwertung verlieren. Ihre Kontrahentin Anna Stöhr, die erst nach ihr an der Reihe war, würde wegen besserer Ergebnisse an den drei Finalbouldern zuvor nicht mehr vom Boden abheben müssen und dennoch gewinnen.

Die Aufgabe: Ein großer Sprung von den ersten Griffen weg an einen steilen Überhang. Ihr erster Sprung misslang. Der zweite, der dritte, der vierte auch. Die Zeit lief dahin, aber auch die folgenden Versuche wollten ihr nicht gelingen. Nach Ablauf der vier Minuten, die im Finale pro Boulder vorgesehen sind, stand Noguchi etwas ratlos vor der Kletterwand. Aber keineswegs wütend: Mit einem Lächeln wandte sie sich zum Publikum und lief zur Seite weg.

Für Anna Stöhr, die als letzte an der Reihe war, ging es also um nicht mehr viel. Die Tageswertung konnte sie nicht mehr gewinnen, in der Gesamtwertung stand sie als Siegerin bereits fest. Eine kleine Sache war aber dann doch noch: Juliane Wurm war es zuvor bereits gelungen, eben diesen letzten Boulder mit einer furiosen Vorstellung im ersten Versuch zu klettern. Die Wuppertalerin schob sich damit auf Platz zwei. Nur Anna Stöhr konnte sie von diesem Platz noch verdrängen.

Danach sah es zunächst auch aus, denn die Österreicherin überwand den Sprung auf Anhieb. Auch die Züge danach gelangen ihr sofort. Den vorletzten Griff bekam sie allerdings mit der falschen Hand, ein Griffwechsel misslang, sie stürzte auf die Matte. Auch bei den nächsten Versuchen kam sie über diese Stelle nicht hinweg und musste schließlich aufgeben. Juliane Wurm war damit ihr zweiter Platz sicher.

Russische Dominanz

Bei den Herren zeichnete sich im Finale schnell ab, dass das russische Team auf dem Podium sehr gut vertreten sein würde. Der erste und der zweite Platz waren nach dem dritten Boulder bereits fest an Dmitry Sharafutdinov und Rustam Gelmanov vergeben. Sharafutdinov brachte es dann auch noch fertig, den letzten Boulder so zu lösen wie die drei Finalboulder zuvor – auf Anhieb. Eine solche Demonstration von Können hat es bei einem Boulder Worldcup selten gegeben.

Spannend blieb am letzten Finalboulder nur noch, ob auch der dritte Platz an einen Russen gehen würde. Klemen Becan aus Slowenien hätte dort noch eine Chance gehabt, Alexey Rubtsov zu überholen. Der vorletzte Zug wollte ihm aber auch nach mehreren Versuchen nicht gelingen. Ein rein russisches Podium war damit perfekt, bevor der erste Russe an den letzten Boulder ging.

Was für eine Atmosphäre!

Erwartungsgemäß war der Platz vor den Wettkampfwänden komplett gefüllt, als die Finalistinnen und Finalisten am Samstagabend um 18.30 Uhr die Bühne betraten. Und nicht nur das: Die rund 4000 Zuschauer brachten eine finalwürdige Stimmung mit. Jede gute Kletteraktion wurde mit tosendem Applaus belohnt. Und als Juliane Wurm ihre grandiose Vorstellung am letzten Finalboulder zeigte, waren die Anfeuerungsrufe mit jedem gewonnenen Meter noch lauter – das Publikum hatte sicherlich seinen Anteil am zweiten Platz der Wuppertalerin.

Insgesamt kamen zur Qualifikation, zum Halbfinale und zum Finale rund 8000 Zuschauer. 64 Herren und 36 Damen aus 25 Nationen gingen an den Start. Ins Halbfinale zogen 21 Damen und 21 Herren ein. Im Finale kämpften sechs Damen und sechs Herren um die Tageswertung.
<br />Partner beim Boulder Worldcup

Ohne Partner hätte der DAV den Boulder Worldcup im Olympiastadion nicht durchführen können. Insbesondere die Stadt München hat sich hier sehr engagiert und eine finanzielle Unterstützung der Boulder Worldcups auch für die nächsten beiden Jahre bereits zugesichert. Maßgeblich für ein Gelingen des Events war selbstverständlich auch die Kooperation mit der Olympiapark GmbH.

Ein Dank geht darüber hinaus an die Partner der Veranstaltung. Schließlich geht ein besonderer Dank an die rund 60 freiwilligen Helfer der Sektionen München und Oberland des DAV, die für einen reibungslosen sportlichen Ablauf der Veranstaltungen gesorgt haben. Boulder Worldcup: Die Ergebnisse

Boulder Worldcup 2011 Gesamtwertung

Damen
1. Anna Stöhr (AUT)
2. Akiyo Noguchi (JPN)
3. Alex Puccio (USA)

6. Juliane Wurm (GER)

Herren
1. Kilian Fischhuber (AUT)
2. Dmitry Sharafutdinov (RUS)
3. Guillaume Glairon Mondret (FRA)

Boulder Worldcup München 2011 Tageswertung

Damen
1. Mina Markovic (SLO)
2. Juliane Wurm (GER)
3. Anna Stöhr (AUT)

21. Sarah Schützenberger (GER)

Herren
1. Dmitry Sharafutdinov (RUS)
2. Rustam Gelmanov (RUS)
3. Alexey Rubtsov (RUS)

10. Jan Hojer (GER)
15. Jonas Baumann (GER)
20. Matthias Conrad (GER)