Irgendwann muss doch statistisch gesehen einmal Schluss sein mit dem Wetterglück beim DAV Bouldercup in Überlingen: Nun schon das sechste Jahr in Folge herrschte das übliche "Überlingen-Bouldercup-Badehosen-Wetter" mit sommerlichen Temperaturen und strahlend blauem Himmel zum Finale der nationalen Bouldersaison.

Cupfinale in Überlingen: Danker und Wurm sind die alten neuen Bouldermeister

Aber vielleicht war das Parade-Wetter auch die Entschädigung von Petrus (er muss definitiv ein Boulderer sein…) für den kompletten Ausfalltag während des Aufbaus, als es von morgens bis abends infernalisch regnete. An Routenbau war hier nicht zu denken, so dass die vorgeschaltete deutsche Jugendbouldermeisterschaft zwischenzeitlich vor der Absage stand.

Fotostrecke: Deutscher Bouldercup 2010 in Überlingen

Fotos: © Annett Müller (www.fotografiert.eu)

Nur durch einen Nachteinsatz der Routenbauercrew Christian Bindhammer, Christian Benk, Robert Heinrich und Jochen Perschmann quasi direkt nach dem letzten Regentropfen konnte am folgenden Morgen die Jugendmeisterschaft in einer verkürzten Version stattfinden.

Knapp 90 Teilnehmer standen zur Jugendmeisterschaft auf der Matte und zeugten vom anhaltenden Boulderboom vor allem bei den Nachwuchskletterern. Dadurch, dass es nur eine Runde zu klettern gab, war die Schwierigkeit in den fünf Bouldern auch etwas höher als in der sonst üblichen Qualifikationsrunde, aber die Jugendlichen schlugen sich auch in den etwas schwierigeren Bouldern ordentlich – etliche der Teilnehmer hatten sich auch für den Damen- und Herrenwettkampf am folgenden Tag angemeldet.

Während die komplette Bodenseeregion und der Süden Deutschlands im Regen versanken, gab es scheinbar nur über dem Wettkampfgelände eine regenfreie Zone. Die tiefschwarzen Wolken schickten nur hin und wieder einige wenige Tropfen herab, so dass der Wettkampf ohne Probleme über die Bühne gehen konnte. Einmal mehr: Petrus muss ein Boulderer sein…

Am Ende der Intervallrunde standen schließlich die neuen Jugendbouldermeister fest: Mit einem nationalen Titel schmücken können sich nun Lilli Färber (Erlangen) und der stark aufkletternde Überraschungssieger Joachim Tensing (Coburg) bei der Jugend B, Chiara Maria Clostermann (Ringsee), die als einzige in einer starken Vorstellung alle 5 Boulder klettern konnte und Sammy Adolph (München-Oberland) bei der A-Jugend, sowie Monika Retschy (München-Oberland) und Maximilian Porscha (Schwaben) bei den Junioren.

Spannung bis zum letzten Boulder bei den Damen und Herren

Am kommenden Tag stand dann das Finale des deutschen Bouldercups auf dem Programm: Nachdem sowohl bei den Damen als auch bei den Herren die Gesamtwertung noch völlig offen war und jeweils mehrere Kandidaten noch Chancen auf den Deutschen Meistertitel hatten, wurde das Finale mit Spannung erwartet. Enttäuschung bei den Damen gleich am Morgen: Mitfavoritin Sarah Schützenberger (München-Oberland) hatte vergessen, sich anzumelden und musste leider zuschauen.

So überließ sie das Feld den weiteren vier Damen, die noch um die Gesamtwertung mit kletterten. Bis auf Luisa Neumärker (SBB) erreichten auch alle das Finale – Katrin Lau (Frankenthal), Monika Retschy (München-Oberland) und Juliane Wurm standen zusammen mit Birte Loichen (Koblenz), Julia Winter (SBB) und der Schweizerin Petra Klingler in der Runde der besten sechs.

Hier zeigte dann allerdings die international stärkste deutsche Boulderin Juliane Wurm, dass ihr noch keine der weiteren deutschen Damen das Wasser reichen kann: Mit 4 Bouldern jeweils im ersten Versuch holte sie sich souverän den Sieg vor der nach einer Babypause wieder sehr stark ins Geschehen eingestiegenen Julia Winter, die für die vier Finalboulder noch zwei Versuche mehr benötigte. Auf dem dritten Platz landete schließlich Monika Retschy vor Petra Klingler, Katrin Lau und Birte Loichen.

Die bis dato die nationale Wertung anführende Lau hätte nur einen Platz weiter vorne landen müssen, dann hätte sie den Abend als deutsche Bouldermeisterin beenden können – so wurde das Ranking noch einmal komplett umgekrempelt und Juliane Wurm holte sich erneut den deutschen Meistertitel im Bouldern vor Katrin Lau und Monika Retschy, die für den Meistertitel mindestens auf dem zweiten Platz hätte landen müssen.

Selbst Juliane Wurm war sichtlich überrascht, dass sie dann doch noch einen weiteren Meistertitel ihrer schier unendlichen Titelsammlung hinzufügen konnte – und das mit nur zwei Starts in drei Wettkämpfen!

Stefan Danker macht erneut das Rennen bei den Herren

Auch bei den Herren war in puncto Meistertitel in Überlingen noch alles offen: Nachdem Mitfavorit Jonas Baumann wegen seiner Schulter-OP nicht teilnehmen konnte, reduzierte sich das Feld der Titelaspiranten auf Stefan Danker (Landshut), Markus Hoppe (SBB), Mathias Conrad (Zweibrücken) und Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd), die auch alle das Finale der besten Sechs erreichten – komplettiert von Youngster Sammy Adolph und dem Schweizer Martin Jaggi.Im knüppelharten Halbfinale hatte Thomas Tauporn schon einmal eine Duftmarke gesetzt, in dem er als einziger zwei Boulder klettern konnte – drei der Finalisten mussten sich mit einem zufrieden geben, die 16 weiteren Halbfinalisten konnten gleich gar kein Top erreichen.

Hier hatten die Routenbauer wohl noch etwas das Weltcup-Niveau vom Wochenende zuvor in München im Hinterkopf oder die Strahlkraft der Sonne unterschätzt… Trotzdem gelang es allen Titelaspiranten in die Runde der letzten sechs einzuziehen und hier wurden ohnehin die Karten neu gemischt. Angefeuert von mehreren hundert Zuschauern blieb das Finale lange offen und jeder Kletterer schien an einem anderen Boulder seine Stärken ausspielen zu können – perfekter Routenbau also.

Besonderes Schmankerl war der Herrenboulder Nummer drei mit einem Riss-Handklemmer im Dach, bei dem Sachsen-Riss-Profi Markus Hoppe keinerlei Probleme hatte und den Boulder als einziger klettern konnte. Die Jüngeren im Feld taten sich da mit der archaischen Klettertechnik schon deutlich schwerer und mussten sich am Ende dem eigentlich eher einfachen Rissdach mit blutenden Handrücken ergeben.

Am letzten Boulder entschied es sich dann zwischen Stefan Danker, Markus Hoppe und Thomas Tauporn, die als einzige zuvor einen Boulder klettern konnten. Aber nur Danker schaffte es von den dreien, den filigranen Handwechsler zum Top hinzubekommen und sicherte sich damit mit zwei Tops nicht nur den Tagessieg sondern auch noch den Deutschen Meistertitel – seinen zweiten in Folge.Hinter Tauporn landete Markus Hoppe auf dem dritten Platz vor dem Schweizer Jaggi, Conrad und Adolph. Der fünfte Platz in Überlingen reichte Mathias Conrad am Ende noch knapp für den Vizemeistertitel vor Thomas Tauporn.

Speedcup: Shorty kann alles…

Die Lampen gehen aus, der Spot geht an: Zeit für den Speedcup nach dem Boulderfinale in Überlingen! Eigentlich wollte Thomas "Shorty" Tauporn hier zum zweiten deutschen Speedcup nur noch "mal sehen was geht", aber das war dann doch so einiges: Nachdem bereits in der Qualifikation Simon Bosler seinen eigenen deutschen Rekord um zwei Hundertstel verbessern konnte, roch es förmlich nach einer weiteren Bestzeit.

Die holte sich dann Thomas Tauporn im Halbfinale, als er mit 5,66 sec. den erst wenige Minuten alten Rekord um weitere 6 Hundertstel verbessern konnte. Auch im Finale war kein Kraut gegen den schnellen Mann aus Schwäbisch-Gmünd gewachsen, der zwar dann mit 5,72 sec nicht mehr ganz an seine Rekordzeit herankam, aber dem Überraschungs-Finalgegner David Reiser (Stuttgart) keine Chance ließ.

Damit zeigte Thomas Tauporn eindrucksvoll, dass er in allen drei Disziplinen des Sportkletterns Spitze ist. Dritter hinter Tauporn und Reiser wurde Philipp Hans (Schwaben), der ebenfalls eine starke Vorstellung bot. Vor allem bei den schwäbischen Herren um den Speed-Stützpunkt Stuttgart tut sich zur Zeit einiges und einige neue Namen tauchen auf der nationalen Speed-Bühne auf – hier darf man auf die Zukunft gespannt sein – einige der neuen Kandidaten hätten sicherlich auch Potential für internationale Einsätze. Speedkadertrainer Johannes Lau wird sicherlich genau hingeschaut haben…

Bei den Damen gab es eine kleine Überraschung: Favoritin und Rekordhalterin Isabell Haag (Schwaben) stürzte leider im Finale und musste den Sieg Andrea Fichtner (Stuttgart) überlassen. Sofia Porscha (Schwaben) holte sich den dritten Platz. Das Rennen um die deutsche Speed-Meisterschaft bleibt damit weiterhin offen – erst das Finale Ende November in Leipzig wird hier die Entscheidung bringen.