David Lama

Gemeinsam mit seinen Partnern Peter Ortner und Hansjörg Auer will der Ausnahmekletterer diesen Sommer die 3500 Meter hohe Wand in Angriff nehmen. Derzeit akklimatisiert das Trio auf knapp 7000 Metern, Ende Juni brechen sie zum Masherbrum auf.

Fotostrecke: Lama, Ortner, Auer und der Masherbrum

Fotos: © Red Bull Content Pool

 
Die Bezeichnung "unmöglich" kommt nicht von ungefähr. Die Russen, in Bergsteigerkreisen bekannt für ihre Willenskraft und Hartnäckigkeit, hatten sich 2006 als bisher einzige die Durchsteigung der zentralen Wand zum Ziel gesetzt. Sämtliche der höchsten und wildesten Wände der Himalaya- und Karakorum-Riesen mussten sich schon ihrer Zähheit und Ausdauer beugen, vom Masherbrum zog die russische Seilschaft allerdings unverrichteter Dinge ab und kehrte auch nicht zurück. Als "unmöglich" bezeichnete der damalige Expeditionsleiter Alexander Odintsov die markante Nordostwand, die 3500 Meter über den Yermanendu Gletscher ragt.
 
Bereits während seines Freikletterprojekts am Cerro Torre in Patagonien fiel der Blick des heute 23-jährigen Lama erstmals auf den 7821 Meter hohen Masherbrum, auch K1 genannt, und auf dessen undurchstiegene Nordostwand.David Lama Project Masherbrum 2014 – Trailer

Seither lässt sie ihn nicht mehr los, scheint sie doch anspruchsvoller als alles andere, was er sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen hätte können: Senkrechter Fels und Eis bis weit über 7000m, gepaart mit den menschenfeindlichen Bedingungen der großen Höhe.
 
"Es ist ein Vorhaben, das uns sicher alles abverlangen wird was wir bis jetzt an Erfahrung und Können gesammelt haben," so Peter Ortner (30), seit Jahren der kongeniale Partner an Lamas Seite. Bereits 2013 brachen die beiden zum Masherbrum auf, mussten allerdings wegen einer Verletzung Ortners die Expedition frühzeitig abbrechen. Über ein Monat lang hatten die beiden vom Basecamp aus die Wand genau beobachtet und waren zu dem Entschluss gekommen, das Projekt in diesem Jahr als Dreierseilschaft anzugehen. Hansjörg Auer (30), erfahrener Alpinist und durch seine spektakulären Solobegehungen alpiner Wände über die Szene hinaus bekannt, komplettiert die Seilschaft.

"Ich habe immer von diesem Berg geträumt, für mich ist er in Punkto Schönheit kaum zu toppen." Die undurchstiegene Nordostwand ist zweifellos eine der größten Herausforderungen des gesamten Karakorums," so der Ötztaler."Wir wissen, dass alles zusammenpassen muss: das Wetter, die Verhältnisse und natürlich auch unsere körperliche Fitness," fügt Peter Ortner hinzu. "Alles zwischen unserer Rückkehr damals und jetzt war Vorbereitung für dieses Ziel. Wir können es kaum noch erwarten endlich wieder unter der Wand zu stehen," so David Lama kurz vor der Abreise.
 
Die langwierige Anreise über den Karakorum Highway sowie der an die hundert Kilometer lange Fußmarsch liegen bereits hinter den drei Bergsteigern. Erstes Ziel, der bis Anfang August anberaumten Expedition, ist die Akklimatisierung am nahegelegenen Broad Peak (8051m).
 
Das Projekt Masherbrum in Relation

Der Masherbrum ist mit seinen 7821 Metern Höhe der zweiundzwanzigst höchste Berg der Welt und der neunthöchste im Karakorum. Seit seiner Erstbesteigung im Jahre 1960 wurde der Berg nur drei weitere Male erfolgreich bestiegen. Die letzte Besteigung datiert zurück auf 1985 und fand somit fünf Jahre vor Lamas Geburt statt.

Für Lama, Ortner und Auer macht aber nicht die reine Höhe des Berges den Reiz an sich aus, vielmehr unterscheidet sich die Nordostwand des Masherbrum durch ihre gnadenlose Steilheit von den anderen Wänden der Karakorum-Riesen, vor allem weil 7000 Meter über dem Meeresspiegel noch die senkrechte Headwall den Weg zum Gipfel versperrt. "Es ist wie eine Eiger Nordwand mit einem Cerro Torre oben drauf," zieht Lama eine Parallele zu seinem letzten Großprojekt.

Ging es am Cerro Torre allerdings noch darum als erste frei den Gipfel zu erklimmen, so wäre am Masherbrum die erste Durchsteigung der Wand an sich schon eine alpinhistorische Sensation, nicht nur, weil das Tiroler Trio im Alpinstil, ohne Hochlager, Fixseile und Bohrhaken klettern wird."Sollte das gelingen, wird es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern bis das wiederholt wird," bringt Alpinlegende Reinhold Messner den Status des Projektes in Relation.