Wir Vier kletterten zum ersten Mal zusammen. Paul, Robert, Markus und ich. Drei Sachsen und ein Bayer. Und entgegen der geläufigen Vorurteile verstanden wir uns vom ersten Moment an prima...

Deutschem Team gelingen Erstbegehungen in Patagonien

Unser erstes Ziel: der Cerro Moyano. Er liegt in einer wirklich abgelegenen Ecke Patagoniens. So abgelegen, dass wir oft unsere schwer bepackten Rucksäcke verflucht haben. Mit diesen stolperten wir über steinige Pfade und zwängten uns durch dichtes Buschwerk.

Fotostrecke: Deutschem Team gelingen Erstbegehungen in Patagonien

Teilweise fühlten wir uns wie die ersten Menschen die sich dort hindurch kämpfen. Das Dickicht war so dicht, dass wir manchmal eng hintereinander gingen um zu vermeiden, dass sich der Busch hinter dem Vordermann wieder schließt. Nach zwei Tagen war der Dschungel durchquert und die Sicht frei auf unseren Berg, den Cerro Moyano. Auf einem Gletscherplateau unterhalb der Gipfelwand schlugen wir einige Tage später unser Lager auf. Oben war der Wind war sehr stark. Und ein Zelt aufzubauen war unmöglich. Wir mussten eher aufpassen auf unseren eigenen Beinen stehen zu bleiben.

Einer hatte eine Schaufel und alle anderen bewaffneten sich mit einem Topf oder einem Teller. So gruben wir uns ein kleines weißes Loch in einer Schneewehe, gerade genug Platz für uns vier samt Gepäck. Am nächsten Tag war es soweit. Es sollte eine neue Tour auf diesen Berg werden. Wir wussten also noch nicht was uns erwarten würde. Anfangs steile Schneerampen wechselten über in senkrechtes Wassereis. Wir freuten uns alle über diese schöne Linie. Denn es waren einige Seillängen Wasserfallkletterei vom feinsten.

Das Wetter war leider im Gegensatz zu der schönen Kletterei miserabel. Sturm, Schnee und Böen, die uns beinahe aus der Wand bliesen. Auf den letzten Metern zum Gipfel mussten wir noch einen bizarren Eispilz überwinden. Eine senkrechte Eiswand auf der metergroße Eisflossen auf gebacken waren. Bizarre Formen die wohl diesmal eine schöne Folge des schlechten Wetters sind.Der Gipfelmoment war unbeschreiblich. Noch stärkerer Wind als in der Wand, noch schlechtere Sicht und Eisbrocken fetzten uns ins Gesicht. Wir umarmten uns. Grinsend brüllten wir uns gegenseitig an, um unsere Freude trotz des ohrenbetäubendem Windes dem anderen verständlich zu machen.
 
Unser nächstes Projekt war nur ein Tal weiter entfernt. Der Cerro Norte. Auch hier stiegen über eine neue Route auf. Doch wir verschätzten uns etwas in der Zeit und gelangten erst nach zehn Stunden Zustieg unter die Südwand des Gipfels. Wieder kletterten wir über Eisgullys und kombinierte Seillängen zum Gipfel, den wir nach zwölf Stunden erreichten. Nach 24 Stunden hatten wir wieder Waldboden unter den Füßen. Jedoch befanden wir uns auf der anderen Seite des Berges.Das Wetter spielte uns übel mit. Es schüttete aus vollen Kübeln. Völlig durchnässt schliefen wir zwei Stunden im Wald. Es dauerte noch weitere fünfzehn Stunden, bis wir endlich unser Lager nach insgesamt 40 Stunden wieder erreichten und total erschöpft, aber überglücklich in unsere Schlafsäcke schlüpften.

Paul und ich machten uns nach unseren beiden alpinen Neutouren auf den Weg nach „El Chaltèn“. Auf einem Foto hatten wir eine senkrechte Felsnadel entdeckt, die noch nie bestiegen wurde. Zumindest ist noch nie jemand durch deren Westwand geklettert. Eine teilweise überhängende Wand, die auf der linken Seite von einem Riss durchzogen wird. Wir errichteten unser Basislager; eine Schneehöhle unterhalb der Wand. Umringt von 800 Meter hohen Granitnadeln. Ein atemberaubender Ort. Doch die meisten Tage schauten wir nur aus der Höhle hinaus und ließen uns etwas Wind um die Ohren blasen.

Wir mussten feststellen, dass das Wetter wiedermal schlecht ist. Schnell verkrochen wir uns dann wieder nach drinnen. Einen Tag jedoch war das Wetter so gut (ihr werdet es kaum glauben), dass wir sogar richtig klettern konnten und einen Versuch starteten. Wir merkten allerdings schnell, dass das schlechte Wetter der letzten Wochen nicht ohne Folgen war. Die Wand war ziemlich zugeeist.

Die erste Länge kletterten wir mit Eisgeräten. Es waren die darauf folgenden Längen, die uns begeisterten und während des Kletterns immer wieder jubeln ließen. Zuerst Wandkletterei, doch dann fantastische Risskletterei aller Couleur. Handrisse wechseln in Fingerrisse und gehen wieder in einen Schulterriss über. Leider konnten wir diese wunderschöne Route nicht zu Ende klettern was vor allem am schlechten Wetter lag. Doch trotzt allem hat uns dieses wunderschöne Land eingenommen und die Ausgesetztheit der Berge fasziniert. Wir werden wieder kommen…!

Kurzinfo:

  • Cerro Moyano 2640m
    20.02.2009 Erstbegenung über NW D+, WI 5¬
  • Cerro Norte 2719m
    26./27.2.2009 Erstbegehung über O/NO TD, M 5/WI 4+
  • Torrecita Tito Carasc
    06.-27.03.2009 Versuch an der Westwand M5/WI5, 9-, A3

Kletterer: Paul Saß, Markus Kautz, Robert Koschitzki, Benno Wagner

Ganz besonderer Dank geht an den Deutschen Alpenverein für die hilfreiche Unterstützung – vor allem durch die Abteilung Spitzenbergsport … und Benno bedankt sich für die gute Reibung seiner 5.10 Schuhe auf patagonischem Granit.

In Kürze weitere Infos und Bilder auf www.munichclimbs.de