Trotz starkem Föhn wagten die beiden Eisfreaks begleitet von Fotograf Klaus Fengler, am nächsten Tag einen Versuch in Kandersteg. „Nur wenn man am Einstieg steht kann man sagen ob es noch geht, oder ob man besser die Finger davon lässt. Der Kältesee im Talgrund von Kandersteg hatte dem Föhn noch recht lange standgehalten und das Eis war gerade perfekt. Trotzdem war schnelles klettern angesagt und zum Glück kannte ich die schwierigen Seillängen von vorherigen Versuchen. Mit den müden Armen wäre eine Rotpunktbegehung in diesem Grad (M9+/10-) sonst nicht mehr möglich gewesen“, so Robert Jasper. Alles lief wie am Schnürchen und nach sieben Stunden  war die Erstbegehung perfekt.

Jetzt stand der Trilogie nur noch der Föhnsturm im Weg. Wie würde sich das Wetterentwickeln? Beim Abstieg überredete Robert Jasper seinen Seilpartner Bernd Rathmayr, auch noch bei der dritten Route mit zu machen.

Um alle Facetten des modernen Eis und Mixedkletterns ein zu schließen wollten Sie noch einen absolutern Steileisklassiker in ihr drei Tage Programm aufnehmen. So kam eigentlich nur Crack Baby WI 6 an der Breitwangflue in Betracht.

Am folgenden Morgen stiegen die beiden noch im Dunklen mit Stirnlampen und Skis die tausend Höhenmeter zur Breitwangflue hinauf. Die Anstrengung der beiden vergangenen Tage steckte ihnen zwar in den Knochen, die Motivation war aber groß, und das Wetter günstig, für diese dritte Traumlinie, einen riesigen 340 Meter langen Strom aus Eis.

„Crack Baby“ war für mich aber auch noch mal eine Zeitreise zurück, ins Jahr 1997 als wir Crack Baby die zweite Wiederholung abrangen, damals war das wirklich eine absolut harte Sache und sehr beeindruckend, so Robert Jasper.“ Der Eismeister Xavier Bongard und Michael Gruber haben diese Route schon im Jahr 1993 erstbegangen, damals war der sechste Eisgrad das absolute Limit, und so ist diese Route bis heute zum absoluten Extremklassiker avanciert und ist eine der besten Steileistouren Europas.

Schon nach viereinhalb Stunden war der Ausstieg erreicht, und die Trilogie geschafft. Mittels Eissanduhren und der zum Teil vorhandenen Abseilstellen ging es zurück zum Einstieg und auf Ski ins Tal.

Seit diesem Jahr ist die kleine Seilbahn auf die Giesene Alp endgültig stillgelegt, was einen recht mühsamen Aufstieg mit Ski verlangt. Eine Begehung muss also engagiert und schnell, oder mit Biwak angegangen werden. So ist der alpine Charakter und der Abenteuerwert der gesamten Breitwangflue, noch um einiges gestiegen, und das finden Robert Jasper und Bernd Rathmayr gerade in der heutigen Zeit des Pläsierkletterdenkens doch sehr positiv.

Infos zu den Routen:


1. „B.A.S.E“

WI 6+, 420 Meter
Lauterbrunnertal, Buchenbach
1.Begehung: Ralph Jörg und Peter von Kanel in zwei Tagen am 29. und 31.12.07,
(am zweiten Tag von oben in die Route abgeseilt.)
1. Eintagesbegehung: Robert Jasper & Bernd Rathmayr am 03.01.08 in 7,5 Std. onsight.

2. „Almendudler“
M 9+/10-, 350 Meter
Kandersteg, Almenalp
1. Begehung: Robert Jasper ( Rotpunkt) & Bernd Rathmayr am 04.01.08 in 7 Std.;
eingerichtet zusammen mit Markus Stofer, 2003 und 2008.

3. „Crack Baby“
WI 6, 340 Meter
Kandersteg, Breitwangflue
1. Begehung Xavier Bongard und Michael Gruber schon im Jahr 1993, heute absoluter Extremklassiker.