Erneutes "Double" für Kilian Fischhuber und Anna Stöhr beim Boulderweltcup in Vail

Kilian Fischhuber und Anna Stöhr klettern im Finale des Boulderweltcups im US-amerikanischen Nobelskiort Vail nahezu im Gleichschritt zu ihren Weltcupsiegen Nummer 2 in der laufenden Weltcupsaison.

Fotostrecke: Boulderweltcup 2012 in Vail

Fotos: © Heiko Wilhelm (OeWK)

Während Stöhr mit ihrem Sieg die Führung im Gesamtweltcup festigt, meldet sich Fischhuber zurück im Kampf um den Gesamtweltcupsieg.

Vail war an diesem Wochenende die fünfte und vorletzte Station der IFSC Boulder-Weltcup Tour 2012. Dort, wo in den Wintermonaten die Gehsteige beheizt werden und normalerweise die internationale High Society in den zahlreichen Luxusquartieren, exquisiten Restaurants oder Designer Boutiquen gerne zeigt was man hat, haben Samstagabend Österreichs Kletter-Asse erneut für Aufsehen gesorgt.

Herrenbewerb:

Während sich die internationale Boulderelite nach dem Weltcup in Innsbruck einhellig sicher war, dass dem Russen Rustam Gelmanov der komfortable 100-Punkte Vorsprung im Gesamtweltcup auf Kilian Fischhuber in den letzten beiden Weltcups (Vail und München) wohl kaum mehr zu nehmen sein wird, verlieh der Russe durch sein unerwartetes Fehlen beim Weltcup in Vail den Bewerb zusätzliche Brisanz. "Anscheinend wurde Rustam (Anm. Gelmanov) aufgrund einer Teilnahme bei einem Masters-Bewerb im Frühjahr 2012 im Iran nun das Visum von den US-amerikanischen Behörden verweigert. Ob dies nun aber der tatsächliche Grund ist entzieht sich aber unserer Kenntnis!" war auch Teamcoach Heiko Wilhelm vor Bewerbsbeginn über Gelmanovs Abwesenheit verwundert.

Unbeeindruckt von der Tatsache, dass er mit einem Sieg in Vail die Weltcupführung übernehmen könnte, boulderte Kilian Fischhuber in der Qualifikationsrunde auf Platz drei. Noch einen Tick besser lief es in der Qualifikation für Jakob Schubert. Er sicherte in der Qualifikationsrunde mit fünf Tops in sechs Versuchen den zweiten Zwischenrang. Leider nicht nach Wunsch verlief die Qualifikationsrunde für Lukas Ennemoser. Der 23-jährige Ötztaler verfehlte hauchdünn um nur einen Versuch den Einzug in das Halbfinale und belegte den 21. Gesamtrang.

Im Halbfinale trumpfte dann Jakob Schubert groß auf. Als einziger Halbfinalist schaffte Schubert vier "Flashs" (Lösung des Boulders im ersten Versuch) und zog als Führender in das Finale der besten sechs Herren ein. "Spannender" hingegen machte es Kilian Fischhuber. Er benötigte für die Lösung der vier Halbfinalboulder insgesamt 10 Versuche und schaffte auf Rang sechs gerade noch den Einzug ins Finale.

Mit Routine und Entschlossenheit zur Gesamtweltcupführung

"Wie immer ist die Höhenlage von Vail von fast 2.500 Metern ein wesentliches Kriterium im Wettkampf. Taktik ist daher besonders gefragt. Ein Versuch zu viel kann über Sieg oder Niederlage entscheiden." analysierte Teamcoach Heiko Wilhelm die Situation vor dem Finale.

Fischhuber, der bereits 2011 in Vail siegreich war, kannte das notwendige Rezept um erneut erfolgreich zu sein. Mit einem Mix aus Routine, Nervenstärke und einer beeindruckenden Entschlossenheit löste Fischhuber alle vier Finalboulder und benötige hierfür lediglich sieben Versuche. Mit Sean McColl (CAN) gelang es einen weiteren Finalisten alle Finalboulder zu toppen. Der Kanadier benötigte hierfür jedoch zwei Versuche mehr als Fischhuber. Platz drei ging an überraschend an den Deutschen Jan Hojer. Jakob Schubert konnte im Finale nicht mehr ganz an die Leistungen der Vorrunden anschließen und fiel auf Platz fünf zurück.

Mit je zwei Siegen, einem zweiten und einen dritten Platz bei gleich viel Bewerbsteilnahmen liegen Kilian Fischhuber und Rustam Gelmanov ex aequo mit je 345 Weltcuppunkten vor dem Weltcupfinale in München (25./26.08.2012) auf Platz 1 im Gesamtweltcup. Auf Platz drei im Gesamtweltcup liegt derzeit Jakob Schubert, der aber beim Weltcupfinale in München nicht mehr an den Start gehen wird, und sich nun vollständig auf die in knapp 6 Wochen beginnende Vorstiegs-Weltcupsaison zu konzentriert.

Damen: Anna Stöhr vor Titelverteidigung im Gesamtweltcup

Für Erfolgsmeldungen am laufenden Band sorgt bei den Damen weiterhin Österreichs amtierende Boulder-Weltmeisterin Anna Stöhr. Die 24-jährige Tirolerin bouldert von Erfolg zu Erfolg und sicherte sich nach dem Heimweltcup in Innsbruck in Vail ihren zweiten Saisonsieg und enteilt der Konkurrenz ein wenig im Kampf um den Boulder-Gesamtweltcup. Stöhr konnte weder die dünne Luft des auf über 2.400m hoch gelegenen amerikanischen Nobelortes noch die internationale Konkurrenz etwas anhaben. Als einziger Athletin gelang es Stöhr im Damenfinale alle vier Boulder zu toppen. Platz zwei sicherte Englands Shooting-Star Shauna Coxsey vor Juliane Wurm (GER).

Für eine weitere Österreichische Spitzenplatzierung sorgte Katharina Saurwein, die sich nach überstandener, langwieriger Verletzung wieder in der absoluten Weltspitze festsetzen kann. Mit einem starken siebten Platz in Vail gelang Saurwein der Sprung auf Rang 9 in der Boulder-Weltrangliste!

Vor dem Weltcupfinale in München führt Anna Stöhr mit 396 Punkten und 46 Punkten Vorsprung im Gesamtweltcup vor Shauna Coxsey (350 Punkte) und 71 Punkte vor der Japanerin Akyo Noguchi (325 Punkte).

Stimmen zum Bewerb:
Teamcoach Heiko Wilhelm: "Ein perfektes Wochenende! Mit zwei Siegen in Vail und der Führung in der Nationenwertung aus Amerika zurückzukehren ist mehr als erfreulich!"