Neue Ziele, neue Aufgaben: schon seit längerem hatten sich Damaris Knorr und Christian Bindhammer – die Deutschen Meister von 2003 – vorgenommen, die sagenhafte Wand der Gola di Gorropu gemeinsam zu bezwingen.

Die perfekte 400 Meter Linie „Hotel Supramonte“ mit der Gesamtbewertung 8b (7b+,7c+,8b,8a+,8b,7c,7a+,7b+,7b,7b), 10 Seillängen lang und etwa 100 Meter Überhang gilt als eine der schwierigsten Alpinen Routen weltweit.

Nach den Eintages Begehungen von „Kein Wasser kein Mond“ (9+/10-) und „New Age“ (10-) von Christian im letzten Jahr war die Zeit für die „Supramonte“ gekommen. Innerhalb 2 Wochen sollte die Rotpunktbegehung klappen, doch das Ziel war für die beiden Mitglieder des EDELRID Teams deutlich höher gesetzt: Es sollte vor allem schnell gehen…

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Christian, was hattet Ihr euch vorgenommen? Wie sollte eine Begehung nach Möglichkeit aussehen?

Christian: Vorab hatten wir schon einmal beschlossen, alle Längen auf alle Fälle an einem Tag rotpunkt zu bewältigen, d.h. ohne Biwak im „Hotel“. Zudem wollte ich möglichst eine Begehung am ersten Tag realisieren, zeitlich eine enge Sache, selbst wenn man sehr früh startet, da es im Mai schon recht warm ist, und man in der Sonne schnell auf verlorenem Posten steht.

Wie seid Ihr die Sache letztendlich angegangen?

Christian: Zunächst wollten wir uns auf der Insel ein wenig akklimatisieren und uns an einigen Sportkletterrouten einstimmen also 2 Klettertage und ein Ruhetag. Am ersten Ruhetag sind wir die 2 Stunden Fußmarsch zur Supramonte gegangen und haben uns per Ferngläser die Längen näher betrachtet. Für mich Stand außer Diskussion, dass für die Realisierung der ein Tages Begehung die ersten 4 Längen (7b+,7c+,8b,8a+) allesamt Onsight und die 5. Länge (8b Schlüssellänge) lediglich einen 2. Versuch verkraften würde, um die Route an einem Tag durchzukommen.

Am nächsten Tag standen wir dann um 8 Uhr am Einstieg, mit der Erkenntnis dass ein Einstieg bei der Temperatur in der Sonne erstmal wenig Sinn machte. Zumindest sollte die 3. 8b Länge schon im Schatten sein.

Um 9.30 stiegen wir also ein und die ersten beiden Längen gelangen trotz Sonne auf Anhieb sehr gut und wie geplant war auch die 3 Länge nun bereits im Schatten und mir gelang auch diese Länge onsight. Ohne Zeit zu verlieren ging ich die 4. Länge (8a+) an, allerdings merkte ich schon in der Mitte, dass die Kraft ein wenig nachließ und es lief nicht alles perfekt. Und dann passierte es, der Tritt war in der Eile nicht optimal gewählt und am allerletzten Zug, einem Dynamo um eine Kante fiel ich ins Seil und ich konnte damit die Begehung am ersten Tag leider abhaken.

Hättest du nicht noch mal die Länge versuchen können?

Christian: Ich habe schon noch mal kurz überlegt, noch einmal einen Versuch zu wagen, aber ich hatte für die Onsight’s alles gegeben, quasi auch die 4. Länge schon fast geschafft und war mir ziemlich sicher, dass meine Kräfte für die gesamte Tour deshalb nicht mehr ausreichen würde.

Wie habt ihr dann weitergemacht?

Christian: Wir gingen es erstmal etwas ruhiger an und checkten die nächsten Längen bis zum Hotel, dem kleinen Biwakplatz. Leider rutschte ich an einer eigentlich recht leichten Stelle kurz vorm Hotel ab und verletzte mich an meinem sowieso schon kürzlich mit einem Bänderriss geplagtem Fuß. Dementsprechend war erst einmal Schluss am Hotel und wir traten den recht schmerzhaften Rückweg an und ein erneuter Versuch war erst einmal in weite Ferne gerückt.

Das ist natürlich Pech. Wann konntet Ihr noch einmal einsteigen?

Christian: Erst 5 Tage später fühlte ich mich wieder in der Lage, den Zustieg ohne größere Schmerzen zu bewältigen und wir standen nochmals um 8 Uhr am Einstieg der „Supramonte“.

Erneut um 8 Uhr? Warum habt Ihr nicht auf den Schatten diesmal gewartet?

Christian: Das war ein wenig ein Abwägen der Vor und Nachteile, einerseits schlechte zu warme Bedingungen in den ersten 3 Längen, andererseits ein kleiner Zeitpuffer, der noch etwas Spielraum für einen eventuellen Fehlversuch und für die letzten noch unbekannten 7b+ Längen gibt. Ich wollte die Rotpunktbegehung unbedingt am 2. Tag realisieren, deshalb zog ich es vor, die ersten 3 Längen in der Sonne zu versuchen, was letztendlich hart am Limit war, da die Temperatur insgesamt noch ein paar Grade wärmer geworden war und kaum Wind blies.

Es war also ein härterer Kampf für die 3 ersten Längen als gedacht?

Christian: Auf jeden Fall, die Temperatur war schon ein ziemlicher Feind an diesem Tag und es stellte sich später auch heraus, dass wir doppelt soviel zu Trinken benötigt hätten, als am ersten Tag in der Tour.

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Aber erstmal lief alles nach Plan?

Christian: Wie gesagt, die ersten 3 Längen waren hart in der Sonne zu punkten, dann ging es aber im Schatten besser und die 4. Länge gelang mir ohne Probleme. Nun galt es, die Schlüssellänge zu meistern, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte.

Was gab es für Probleme?

Christian: Die Griffe in der Schlüsselstelle sind sehr flach, und ich war überrascht, dass der Temperaturunterschied doch so viel „Grippverlust“ zur Folge hat… und ich musste mir eine Lösung überlegen, um den Schlüsselgriff möglichst statisch einsortieren zu können.

Ich war heilfroh, als ich nach kurzer Pause auch diese Länge dann im 2.Versuch Punkten konnte, das war die halbe Miete für die mögliche Begehung und wir lagen dank der perfekten Nachkletterkünsten von Damaris immer noch super in der Zeit und erreichten schon gegen 15.30 Uhr das „Hotel“.

Da war die Rotpunkt-Begehung dann so gut wie in der Tasche, oder?

Christian: Ehrlich gesagt, noch lange nicht: Die letzten Längen sehen zwar am Papier mit 7b+,7b, 7b leicht aus, aber sind allesamt 40m lang und im senkrechten Fels mit etwa 5-6 Haken recht dürftig abgesichert. Dementsprechend schnell kann man sich verklettern und man ist nach den 7 anstrengenden Längen davor nicht mehr taufrisch. Schon einige Kletterer haben deshalb die Route lediglich mit Biwak gemacht, da die letzten Längen noch einmal echte Boulderstellen bereithalten und mangels Zeit und Flüssigkeit wusste ich, die Längen sollten auf alle Fälle onsight klappen, sonst könnte es noch knapp werden.

Motiviert und hochkonzentriert machte ich mich also mit mittlerweile ziemlichen Fußschmerzen auf die Suche nach den jeweils nächsten Haken und Standplätzen. In der vorletzten Länge wurde es dann noch einmal ganz am Ende knapp, ein beherzter Dynamo über einen Wulst aus einem Untergriff auf den „hoffentlich“ Griff. Es war einer, uff!

Dann um etwa 17 Uhr standen wir endlich ganz oben, wir hatten die „Hotel Supramonte“ am 2. Tag in nur 9 Stunden bezwungen und das wäre nicht ohne Damaris gegangen, die die Längen superschnell nachgestiegen und voll mit „durchgepowert“ ist.

Glückwunsch zu Eurer Leistung! Gibt es noch weitere Ziele im Alpin Bereich die Ihr in Zukunft ansteuert?

Christian: Auf alle Fälle! Wenn der Sommer passt, geht es heuer sicher ein paar Mal ins Rätikon.

Siehe auch:
Bildergalerie: Damaris Knorr und Christian Bindhammer in „Hotel Supramonte“ 10Sl. 8b (43 Bilder)
Videospecial: Damaris Knorr und Christian Bindhammer in „Hotel Supramonte“ 10Sl. 8b (37 MB, 9:30 min)
www.christian-bindhammer.de

Christians Sponsoren:

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