Mehr als 600 Zuschauer kamen am 23. Juni in den Kemptener Engelhaldepark, um hervorragenden Klettersport zu sehen.

Christian Bindhammer nicht zu schlagen
C. BindhammerDie Routenschrauber um Ole Herrenkind und Maxi Klaus haben es auch dieses Jahr geschafft, fantastische Finalrouten in die stark überhängende Wand der DAV-Outdooranlage zu setzen. Vielseitig, lang und mit einigen boulderartigen Stellen garniert, waren die Routen nah dran am internationalen Wettkampfniveau und forderten einen kompletten Kletterer. Der wohl kompletteste Kletterer derzeit in Deutschland ist Christian Bindhammer.

Gerade zurück aus Sardinien, wo ihm die Rotpunktbegehung der Mehrseillängen-8b-Route Hotel Supramonte gelang, zeigte er einmal mehr, dass im deutschen Wettkampfsport kein Weg an ihm vorbeigeht. Wie gut er derzeit drauf ist, bewies er in der Finalroute, die ihm anscheinend nicht lang genug war.

Routiniert, geradezu locker kletterte er bis zum Topgriff, um schließlich unter donnerndem Applaus und dem Johlen der Zuschauer am Umlenker vorbei bis aufs Dach der Kletteranlage zu steigen. So etwas hat es bei einem Sportklettercup noch nie gegeben!

Knapp hinter Christian konnte sich sein Bruder Andreas platzieren, der erst kurz vor dem Umlenker scheiterte. Den dritten Platz holte sich überraschend Thomas „Shorty“ Tauporn, der vor dem Wettkampf bescheiden angekündigt hatte, sein Ziel sei ein fünfter Platz.

Video des Deutschen Sportklettercups von sevenload.com

Damen
Juliane WurmBei den Damen war die Route etwas zu schwer, der Topgriff blieb an diesem Tag unberührt. Am besten schlug sich die amtierende Deutsche Meisterin Juliane Wurm. Sie holte sich verdient den Sieg. Die eigentliche Überraschung dieses Wettkampftags war jedoch der zweite Platz.

Damaris Knorr, eigentlich nicht mehr im Wettkampfsport aktiv, war angetreten. In erster Linie war sie als Betreuerin der Jugend da, aber es juckte sie wohl doch in den Fingern, auch mal wieder selbst einen Wettkampf zu bestreiten. Sie „wollte halt mal schauen, was die ‚Jugend’ so macht und wie stark die sind“ meinte sie nach der Siegerehrung. Und schickte ein verschmitztes „jetzt weiß ich es“ hinterher.

Mögliche Hoffnungen auf ein Comeback erstickte sie jedoch im Keim, sie wird nicht mehr in den Wettkampfsport zurückkehren, das sei ihr einfach zu zeitintensiv. Das Damenpodium komplettierte Lisa Knoche, die nun nach Ihrer Abi-Pause wieder voll ins Wettkampfgeschehen eingreift.

Fazit
Die Veranstaltung in Kempten markiert gleichzeitig die Halbzeit im Deutschen Sportklettercup. Die größten Chancen auf den Gesamtsieg haben Christian Bindhammer und Juliane Wurm, die damit auch die Favoritenrolle für die Deutsche Meisterschaft in Frankenthal innehaben.

Schlusswort
Wie auch in den vorangegangenen Jahren hat die Sektion Kempten einen hervorragend organisierten Wettkampf auf die Beine gestellt. Spannende Routen, ein Rahmenprogramm mit Highline-Contest und nicht zuletzt das einzigartige Flair einer Outdoorveranstaltung haben den Deutschen Sportklettercup zu einem Fest für Kletterer gemacht.

Siehe auch:
www.alpenverein.de
www.digitalrock.de
www.mountains-and-more.de
Gerd Heidorn auf der Suche nach dem „anderen“ Kletterbild