Herzschlagfinale beim Weltcupfinale der Boulderer in München! Anna Stöhr und Kilian Fischhuber sichern sich mit den Plätzen 2 (Stöhr) und 4 (Fischhuber) an den Boulderblöcken im Münchner Olympiastation jeweils Platz 2 im Gesamtweltcup!

Gesamtweltcup Bouldern 2010: Noguchi und Ondra vor Stöhr und Fischhuber

Das Münchner Olympiastation, bekannt als Schauplatz vieler historischer Sportveranstaltungen, war am Wochenende ein mehr als würdiger Schauplatz für das Weltcupfinale der Boulder-Weltcupsaison 2010. Hochspannung war vorprogrammiert, da sowohl bei den Damen als auch bei den Herren der Kampf um den Gesamtweltcup noch offen war.

Fotostrecke: Boulderweltcup München 2010

Fotos: © Marco Kost

Mehrere tausend Besucher wollten sich den Kampf um den Gesamtweltcup zwischen Kilian Fischhuber, dem erfolgreichsten Wettkampfboulderer der Gegenwart, und Adam Ondra, dem wohl komplettesten Kletterer der Welt, nicht entgehen lassen. Aber auch bei den Damen zog der Dreikampf um den Gesamtweltcupsieg zwischen Stöhr, Noguchi (JPN) und Graftieux (BEL) die Massen an.

Boulder Herren: Fischhuber vs. Ondra – es kann nur Einen geben!

Die Ausgangslage vor dem letzten Weltcup der Saison war klar. Fischhuber lag nach Berücksichtigung des Streichresultats zwanzig Punkte hinter seinem Konkurrenten Adam Ondra im Gesamtweltcup. Von Beginn an marschierten Ondra und Fischhuber im Gleichschritt Richtung Finaleinzug beim letzten Boulderweltcup der Saison. Beide lösten in der Qualifikation alle fünf Boulderprobleme und zogen auf Platz 1 (Fischhuber) und 2 (Ondra) souverän in das Halbfinale der besten Zwanzig ein.

Im Halbfinale drehte dann Ondra den Spieß um. Als einziger der Halbfinalisten gelang es Ondra alle vier Boulder zu toppen und sicherte sich den ersten Zwischenrang vor dem russischen Überraschungsmann Victor Kozlov.Kilian Fischhuber gelang es, bei allen vier Bouldern im ersten Versuch jeweils den Zonengriff zu erreichen und insgesamt zwei von vier Bouldern zu lösen. Mit dieser Leistung schaffte der vierfache Boulder-Gesamtweltcupsieger auf Platz drei liegend ebenfalls souverän den Halbfinaleinzug.

Somit war klar, dass die Entscheidung um den Gesamtweltcupsieg 2010 erst im Finale fällt, da sich weder Ondra noch Fischhuber einen Ausrutscher leistete.

Im abschließenden Finale der besten sechs Herren hatte Fischhuber den kleinen psychologischen Vorteil als Halbfinaldritter jeweils vorlegen zu können. Fischhuber legte auch bei den ersten drei Bouldern jeweils vor, doch Ondra konterte jeweils souverän. Ondra löste ebenfalls wie Fischhuber zwei der ersten drei Finalboulder, brauchte jedoch hierfür einen Versuch weniger.Somit musste Fischhuber versuchen den letzten Finalboulder im ersten Versuch zu lösen und anschließend hoffen, dass Ondra den letzten Boulder gar nicht oder zumindest nicht gleich im ersten Versuch lösen kann um weiter im Rennen um den Gesamtweltcup zu bleiben. So weit kam es aber leider nicht.

Fischhuber konnte den extrem schweren letzten Finalboulder nicht lösen und somit stand Ondra erstmals als Gesamtweltcupsieger im Bouldern fest und Fischhuber musste sich mit Rang 4 in München zufrieden geben.Adam Ondra löste zu guter Letzt als einziger Finalteilnehmer den letzten Boulder und sicherte sich neben den Gesamtweltcupsieg auch den Sieg beim Weltcupfinale in München vor den beiden Russen Sharafutdinov (2. Rang) und Kozlov (3. Rang).

O-Ton Fischhuber:
„Ich habe gekämpft und bis zum Schluss alles versucht aber Adam (Anm. Ondra) war heute in einer eigenen Liga. Er ist ein würdiger Weltcupsieger und der wahrscheinlich beste Kletterer der Gegenwart! Jetzt gibt es für mich heuer nur mehr ein Ziel: Die Heim-EM vom 15. bis 18. September in Imst & Innsbruck. Dort werde ich versuchen, den Spieß umzudrehen! „

Boulder Damen: Entscheidung in letzter Sekunde

Das Damenfinale beim IFSC Boulderweltcup 2010 in München war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Als hätte Alfred Hitchcock das Drehbuch geschrieben fiel die Entscheidung erst im letzten Augenblick. Samstagabend, knapp nach 21.30 Uhr stieg Anna Stöhr aufgrund ihrer Halbfinalführung, als letzte Dame in den vierten Finalboulder ein.Stöhr lag vor dem letzten Finalboulder in der Zwischenwertung auf Platz zwei hinter ihrer einzig verbliebenen Konkurrentin um den Gesamtweltcupsieg, der Japanerin Akiyo Noguchi. Beide hatten als einzige Finalistinnen einen der ersten Finalboulder lösen können, Noguchi benötigte hierfür jedoch einen Versuch weniger als die 22-jährige Tirolerin.

Da Noguchi den letzten Finalboulder nicht lösen konnte, war für Anna Stöhr die Ausgangslage klar. Eine Topbegehung des letzten Finalboulders, den vor ihr keine andere Finalisten toppen konnte, bedeutet sowohl den Sieg beim Weltcup in München und somit auch automatisch den Gesamtweltcupsieg 2010.Stöhr strotzte voller Selbstvertrauen, stieg entschlossen in den letzten Boulder ein und hantelte sich Zug um Zug in Richtung Topgriff. Beim vorletzten Griff angekommen, setzte Stöhr zum nötigen Sprung an und hielt sich kurz am Topgriff fest, konnte diesen aber nicht lang genug halten.

Zwei weitere Male gelang es Stöhr innerhalb der vorgegebenen Kletterzeit zum letzten und alles entscheidenen Coup anzusetzten. Leider gelang es jedoch Stöhr auch in den anderen Versuchen nicht, den Topgriff zu halten. Somit gewann die Japanerin Akiyo Noguchi aufgrund des 1 Versuches weniger für die Topbegehung des dritten Finalboulders den Weltcup in München vor Anna Stöhr.

Stöhr, die vor dem letzten Bewerb nach Berücksichtigung des Streichresultats 13 Punkte Vorsprung auf Noguchi aufwies, musste sich somit um lächerliche 7 Punkte der Japanerin im Kampf um den Gesamtweltcupsieg geschlagen geben.

O-Ton Stöhr:
„Schade, es hat einfach nicht wollen sein. Es war hauchdünn und mir hat das Quentchen Glück beim letzten Finalboulder gefehlt. Ich bin zur Zeit in Topform und hoffe, dass in Innsbruck bei der Heim-EM das Glück zurückkommt, das mir heute gefehlt hat.“

Stark präsentierten sich in München neben Fischhuber und Stöhr auch Katharina Saurwein, die mit Platz 9 ihr zweitbestes Saisonergebnis erzielte und der junge Lukas Ennemoser, der mit Platz 15 zunehmende Konstanz in seine Leistungen bringt. Eine Talentprobe lieferte erneut der erst 17-jährige Salzburger Max Rudigier ab, der sich bei seinem zweiten Boulderweltcup erneut das Halbfinalticket sicherte und mit Platz 20 ein Versprechen für die Zukunft ist.

Ergebnis Boulder Herren – Weltcupfinale München (30./31.07.2010):
1 Ondra Adam CZE 3t3 4b4
2 Sharafutdinov Dmitry RUS 2t3 4b5
3 Kozlov Victor RUS 2t3 3b4
4 Fischhuber Kilian AUT 2602 2t6 3b7
5 Hori Tsukuru JPN 1t1 4b13
6 Gelmanov Rustam RUS 1t3 3b5

Ergebnis Boulder Damen -Weltcupfinale München (30./31.07.2010):
1 Noguchi Akiyo JPN 1t1 4b8
2 Stöhr Anna AUT 1t2 4b7
3 Galliamova Anna RUS 0t 3b3
4 Gros Natalija SLO 0t 3b9
5 Markovic Mina SLO 0t 3b10
6 Abramchuk Yulia RUS 0t 2b2