Stefan Glowacz
und Robert Jasper gelingt bei ihrer dritten gemeinsamen
Patagonien-Expedition die Erstbegehung der Murallón Nordwand
über die geplante Route. Nachdem die beiden Extremkletterer im
Jahr zuvor wind- und wetterbedingt nach 21 Seillängen aufgeben
mussten, haben sie dieses Jahr ihr Ziel erreicht: Nach 27
Seillängen, die sie sowohl technisch als auch frei kletterten,
standen Stefan Glowacz und Robert Jasper auf dem Gipfel des 2.831 Meter
hohen Murallón.

Mit der Bezwingung der stark
überhängenden Nordwand, die sich über 1.000 Meter hoch
wie eine große Steinwelle aus dem ewigen Eis erhebt, gelingt den
beiden Extremkletterern die lang ersehnte Erstbegehung  ihrer
Route „Vom Winde verweht“: Die Tour bietet Schwierigkeiten im oberen
neunten Grad (9+) der Freikletterskala und technische Kletterei der
Schwierigkeit A2.

Murallón – in 48 Stunden auf den Gipfel
Am
20. Oktober diesen Jahres waren Glowacz und Jasper erneut nach
Patagonien aufgebrochen und hatten, wie bereits vor zwei Jahren,
über die Estancia Cristina vom Süden her das patagonische
Inlandeis betreten. Nachdem sie ihre Ausrüstung an den
Wandfuß des Murallón geschleppt hatten, schufen die beiden
mit Hilfe einer Motorsäge eine Eishöhle, die ihnen nun als
Basislager dient. Hier warteten sie auf besseres Wetter und auf die
Ankunft von Hans-Martin Götz und Klaus Fengler. Deren Aufbruch aus
El Chaltén war ebenfalls durch das schlechte Wetter verhindert
worden.

Nach fast drei Wochen unbeständigem Wetter,
besserten sich am vergangenen Freitag (12. November ) die Aussichten
soweit, dass Jasper und Glowacz  um 3:00 Uhr nachts erneut in die
Wand einstiegen und sich bis zur Wandmitte hoch arbeiteten. Die Nacht
zum Samstag verbrachte das Zwei-Mann-Team im Biwak und erreichte den
ersehnten Gipfel um 21:00 Uhr Ortszeit am Samstag – trotz erneuter
Wetterverschlechterung. Gleichzeitig hatten Bergführer Hans-Martin
Götz und Fotograf Klaus Fengler das kurze Schönwetterfenster
genutzt und waren über das Inlandeis zum Basislager am
Wandfuß gelangt.

Damit  waren sie die ersten, die
dem erfolgreichen Duo Glowacz/ Jasper gratulieren konnten, als diese
nach langer Abseilfahrt Sonntagnacht (3:00 Uhr) wieder das Basislager
erreichten. Die endgültige Rückkehr des Expeditionsteams nach
Deutschland wird für Mitte Dezember erwartet.

Murallón – die Vorgeschichte
Bereits
in den Jahren 2003 und 2004 waren Stefan Glowacz und Robert Jasper am
Murallón unterwegs. 2003 gelang ihnen die Route „The Lost World“
(7+/M8) und damit die vermutlich dritte Besteigung des Berges.
Während dieser Erstbegehung entdeckten sie die Linie, für die
sie schon 2004 enorme Strapazen auf sich nahmen.

In sechs
Klettertagen eröffneten sie 21 Seillängen: Davon bieten 17
Seillängen Freikletterei (9/9+), vier technisch erstbegangene (A2)
sollten noch befreit werden. Glowacz und Jasper verwendeten keine
Bohrhaken. 250 Meter unterhalb des Ausstiegs mussten sie aufgrund des
schlechten Wetters ihren Versuch aufgeben. Eine drei Wochen anhaltende
Schlechtwetterperiode ließ ihnen keine Chance auf einen
Gipfelerfolg.

Siehe auch:
„Wider jeder Vernunft“: Jasper und Glowacz erneut am Murallón unterwegs
Die 2te Murallon Expedition von Stefan Glowacz und Robert Jasper
Stefan Glowacz und Robert Jasper erneut am Murallon in Patagonien
Der Murallon ist erreicht – Glowacz und Jasper erfolgreich
Murallon Expedition: Glowacz und Jasper zum Warten verurteilt
Der Murallón: Eine Expedition ins Epizentrum der Elemente
www.glowacz.de
www.robert-jasper.de


Auf dem Gipfel im Jahr 2003
Stefan Glowacz und Robert Jasper