Die von den Huberbuam 1989 eröffnete 320 Meter Route "Scaramouche" am Westwandpfeiler des Hohen Gölls in den Berchtesgadener Alpen trotzte über 20 Jahre einer Rotpunktbegehung.

Hajo Friederich gelingt Rotpunktbegehung von "Scaramouche" (MSL 10-)

Erst 2009 konnte Reinhard Hones die vermutlich erste vollständige Rotpunktbegehung für sich verbuchen. Scaramouche war 1989 eine der ersten alpinen Touren im 10. Schwierigkeitsgrad. Die Route bietet steile Plattenkletterei mit unterschiedlichstem Charakter. Von kleinsten Griffen über Boulderstellen mit Fingerlöchern bis hin zu athletischer Wandkletterei weit über dem letzten Sicherungspunkt.

Fotostrecke: Hajo Friederich in Scaramouche (MSL 10-)

Fotos: © Daniel Bartsch

Bewertung der einzelnen Seillängen in Abfolge: 10-, 9, 8+/9-, 7, 9+, 9-, 8, 9-

1991, genau 2 Jahre nach der Erstbegehung der Huberbuam wagte sich Hajo Friederich an einen Versuch. Ein sehr weiter Sturz, der auf einem Band endete bescherte Hajo eine starke Beckenprellung. Danach legte Hajo das Projekt vorerst beiseite.

Im August 2011 wagte Hajo sich an einen neuen Versuch. Voll Motiviert und gut vorbereitet sah er bald eine reelle Chance die Route klettern zu können.

Am 16. September 2011 gelang Hajo Friederich (Team Millet) mit seinem Bergführerkollegen Hansi Stöckl als Sicherungspartner die vermutlich 3. vollständige Rotpunktbegehung. Hajo kletterte alle Seillängen im Vorstieg Rotpunkt.

Begehungsbericht vom 16.09.2011

Nach gutem Aufwärmen in der ersten Seillänge, stieg ich um kurz nach 9:00 Uhr in die 1. SL ein. Es lief von Anfang an sehr gut, die Konzentration war maximal da. Nach ca. 20 Minuten hängte ich mit einem Freudenschrei die erste Standsicherung ein. Der Kernpunkt bei der Begehung war die maximale Aufmerksamkeit auf den Moment zu erhalten.

Genau diese war kurz vor dem 2. Standplatz passee und ich fand mich etliche Meter tiefer im Seil hängend wieder. Mit Konzentrationsschub konnte ich die 2. SL im 2. Versuch punkten. Die 3., 4. und 5. Seillänge liefen ohne Zwischenfälle gut. In der 6. SL erreichte uns die Sonne und ließ uns die nächste 3/4 Stunde durch starkes Seitenlicht nicht gut klettern.

Die Wärme der Sonne ließ meine Muskelspannung sinken was ich in diesem Moment allerdings nicht gut gebrauchen konnte. Schließlich klappte auch diese SL im ersten Versuch und hier hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich mir die Route heute nicht mehr nehmen lassen wollte.

Die zwei letzten Seillängen gelangen mir ohne auschecken als Kür und auf einmal spürte ich eine wahnsinnig große Kraft. Um kurz nach 18:30 Uhr erreichten Hansi Stöckl und ich den Westwandpfeilerkopf und genossen die wärmenden Strahlen der untergehenden Sonne.

Hiermit ging ein Traum in Erfüllung, den ich schon lange in mir getragen hatte. Die Stimmung mit dem Sonnenuntergang auf dem Westwandpfeilerkopf hatte etwas Magisches. Ein ganz großes Ereignis war vorbei – die Rotpunktbegehung von Scaramouche mit allen Seillängen im Vorstieg, bei milden Verhältnissen in Traumkletterei im T-Shirt und einem Alpenglühen wie aus dem Bildband.

Mein großer Dank gilt auch Hansi Stöckl, der mich heute sehr stark unterstützt und motiviert hat. Auch sehr große Anerkennung für Thomas und Alexander Huber eine derartige Tour schon 1989 erstbegangen zu haben.