HighlineAm 29. August starten die zwei Konstanzer Jörg Helfrich und Tillmann Müller zu ihrem Großprojekt des Jahres: eine 18 Meter lange Highline zwischen den zwei Gipfeln des Dent du Géant im Mont Blanc-Massiv in über 4000 Meter Höhe.

Anspruchsvoller Zustieg

Schon der Aufstieg zum Dent du Géant ist anspruchsvoll: Er gehört zu den zehn schwierigsten Normalwegen auf die Viertausender der Alpen. Im Gepäck darf neben Steigeisen und Pickel auch die Kletterausrüstung inklusive mobiler Sicherungsgeräte nicht fehlen. Nach zwei Tagen der Akklimatisierung geht es zum ersten Mal auf den Gipfel. Im Gepäck haben die Slackliner das gesamte Material, das sie für den Zustieg und den Aufbau der Highline brauchen.

„Wenn man oben ankommt, ist man erst einmal platt“, so Jörg. Und das liegt nicht nur am bereits zurückgelegten Zustieg, sondern auch an der unglaublichen Szenerie. Allein vom Gipfelaufbau geht es nordseitig ca. 1000 Meter in die Tiefe, im Süden sind es immerhin 180 Meter. Gerade mal zwei Personen haben auf dem engen Pointe Sella in 4009 Metern Höhe Platz.

Highline„Bombensicherer“ Aufbau

Der Aufbau der Highline dauert gut zwei Stunden. Hier hilft die Erfahrung, die das eingespielte Team mit dem „Setup“ von bereits 14 verschiedenen Highlines gesammelt hat. Die Spezialität der zwei Slackliner ist das Spannen des Bandes mit einem Flaschenzugsystem aus einem internen Bandflaschenzug kombiniert mit einem Expressflaschenzug. Das ist sicherlich im Highline-Bereich innovativ und dabei „eine simple, leichte, hocheffiziente und bombensichere Variante“, sind sich Jörg und Tillmann einig.

Doch Know How und Können allein reichen nicht aus, auch die äußeren Bedingungen müssen stimmen: „An eine Begehung war nicht zu denken. Das Band war richtig wild und hat aggressiv an den Fixpunkten gezerrt“, erklärt Tillmann. Beim Abseilen bleibt die Hoffnung auf den nächsten Tag und besseres Wetter.

Highline„Jetzt wird es ernst!“

Tatsächlich hat der Wind am nächsten Tag abgeflaut. „Beim Hochklettern habe ich mir gedacht: ‚Jetzt wird es ernst!’, die Line ist aufgebaut und besseres Wetter werden wir nicht bekommen“, sagt Jörg. Er geht zuerst aufs Band, natürlich barfuss. Im Rücken ragt der Mont Blanc (4809 m) in den Himmel, am anderen Ende der Line wartet die Zinnmadonna auf dem Pointe Graham (4013 m). Zwei Drittel schafft er auf den ersten Versuch, beim zweiten Versuch läuft er durch – eine Strecke, die mit 18 Metern länger ist als die Legenden umwobene „Spireline“ im Yosemite Valley/USA.

HighlineErste Tricks in über 4000 Meter Höhe

Danach ist Tillmann an der Reihe. Beim zweiten Anlauf läuft auch er durch. Dann geht es in die vermeintlich schwierigere Richtung: zurück zum Pointe Sella. Konzentration und Energie reichen aus. Dem Slackliner gelingen sogar seine ersten Tricks in über 4000 Meter Höhe. „Es ist einfach überwältigend. Du baust dir einen Weg durch einen Raum, den noch niemand vor dir begangen hat und schlägst ihn hinter dir wieder ab. Das ist ein elitäres Gefühl, eine extreme Form von Genuss, wenn man es geschafft hat.“

Die höchste Highline in Europa

Jörg kann sich derzeit „keinen exponierteren Spot“ in naher Umgebung vorstellen und ist überzeugt, dass die Dent du Géant-Line „die höchste Highline ist, die bisher in Europa gelaufen wurde“. Das macht es natürlich schwierig, die Aktion zu steigern. „Das nächste Mal müssen wir wohl ins Everest Base Camp und über eine Gletscherspalte slacken“ scherzt Tillmann – und ein nächstes Mal wird es sicherlich geben.

Siehe auch:
www.slackline-tools.de