Den beiden Extrembergsteigern Robert Jasper (D) und Roger Schaeli (CH) gelingt es erstmals, die Japanerroute der Eiger Nordwand im freien Stil, rotpunkt, zu klettern.

Japaner-Route in der Eiger Nordwand erstmals frei geklettert

Japaner-Route in der Eiger Nordwand erstmals frei geklettert Die so genannte Super-Diretissima (Schwierigkeitsgrad 10-/8a) ist nun die schwierigste und anspruchsvollste Route durch die berühmte 1800 Meter hohe Eiger Nordwand. Seit sechs Jahren lässt uns dieses Projekt am Eiger nicht mehr los. Immer wieder stiegen Roger Schaeli, mein Schweizer Kletterpartner und ich über den Wandvorbau zu den geschichtsträchtigen Seillängen des Schwierigen Risses und der Roten Fluh hinauf. Die Rote Fluh ist der abweisendste und steilste Wandbereich der gesamten Eiger Nordwand. Unser Ziel war es, die Japaner-Diretissima frei zu klettern. Wir haben es nun, auf den Monat genau zum 40 jährigen Jubiläum der 1969 eröffneten Route endlich geschafft.

Fotostrecke: Erste freie Begehung der Japaner Route in der Eiger Nordwand

Fotos: © Frank Kretschmann und Franz Walter

Historischer Rückblick

„Vom 15. Juli bis 15. August 1969 kämpfte sich das Japan Expert ClimbingTeam zu dem auch eine Ärztin gehörte auf einer gnadenlos direkten Linie die [Eiger Nord-] Wand hinauf, entschlossen, ihre mitgebrachte Fahne, die mit vielen Unterschriften und Wünschen verziert war, irgendwann auf dem Eigergipfel zu hissen. Über dem Schwierigen Riss verließen die Japaner die klassische Route der Erstbegeher von 1938 und nahmen Neuland in Angriff.Die 200 Meter hohe Rote Fluh, senkrecht, meist überhängend, auch für Meister des sechsten Grades geradezu beängstigend, kompakt, nur ab und zu ein winziger Vorsprung, ein feiner Riss, sonst nichts als Schatten, Abgrund, Haltlosigkeit“, so Toni Hiebeler in seinem Buch Abenteuer Eiger.

Das erste Mal Bekanntschaft mit der Japaner-Diretissima machte ich 1991 als ich bei einem Alpinstil-Versuch am Beginn der Gipfelwand in einen fürchterlichem Steinschlag umkehren musste. Die haltlose Felsstruktur der Roten Fluh beeindruckte und beschäftigte mich seither. Würde die natürliche Felsstruktur genug Griffe und Tritte für eine frei Begehung bieten?

Das JapanischeTeam hatte sich den Berg 1969 in größtenteils technischer Kletterei mit 250 Bohrhaken auf dem Weg „der fallen Tropfen“ an Haken und Leitern empor gearbeitet. Auch Roger Schaeli hatte im Winter 2002 sein „Abenteuer Japaner-Diretissima“ abbrechen müssen.
 
Zusammen mit Simon Anthamatten – beide zählen zu den talentiertesten jungen Schweizer Nachwuchsalpinisten – startete er nun im Sommer 2003 einen neuen Versuch. Als ich davon erfuhr blutete mir das Herz, und ich musste unweigerlich erkennen dass die Jungen nun einen meiner größten Träume in den Alpen entdeckt hatten und alles für die erste erfolgreiche Rotpunkt-Begehung gaben.

Roger und Simon arbeiteten einen ganzen Sommer an der Route. Es gelang ihnen, die Rote Fluh zu punkten, wobei sie die Schlüsselseillänge auf einer neuen „Harikiri-Variante“ umgingen. Aber auch sie mussten in der 800 Meter hohen Gipfelwand den Freiklettergedanken aufgrund von massivem Steinschlag aufgeben. Doch die Vision einer Freikletteroute auf der Originalroute der Japanischen Expedition bis zum Gipfel ließ weder Roger noch mich je wieder los.