Zuerst sah es noch so aus, als ob das Deutsche Team das Wochenende in Moskau am Flughafen verbringen müsste: Wegen eines Formfehlers beim Visum konnte die DAV-Truppe zuerst nur verspätet ausreisen oder wurde wie im Falle von Aric Merz und Peter Würth wie in den besten Kalter Krieg-Zeiten in Moskau am Zoll festgehalten.

Jonas BaumannNachdem man den beiden die Pässe weggenommen hatte, und das Visum eigentlich erst ab dem kommenden Tag gültig war, hieß es: „You have to pay if you want to come into Russia today – Dollars only!“ So stellt man sich den Ostblock vor… Als dann auch noch nach Schichtwechsel die nächste Zöllner-Crew das Gleiche noch einmal forderte, wurde es den beiden zu bunt: erst der eilig herbeitelefonierte Weltcup-Veranstalter konnte die Jungs erlösen.

Vielleicht lag es an dieser zusätzlichen Aufregung, dass die beiden am kommenden Tag im Wettkampf leider keine große Rolle spielten: Platz 30 für Würth (Ludwigshafen), 39 für Merz (Freising). Wesentlich besser lief es hingegen für den dritten deutschen Starter im Bunde:Jonas Baumann (Wuppertal) hatte bereits in der Qualifikation einen hervorragenden Lauf – mit drei Bouldern in drei Versuchen lag er bereits auf dem 7. Rang und im Halbfinale der besten 20 konnte er sogar noch einen drauf legen:

Wieder gelangen ihm drei der vier Boulder im ersten Versuch und so zog er mit dieser Leistung als Vierter nach seinem 3. Platz in Erlangen 2007 zum zweiten Mal in ein Finale bei einem Boulder-Weltcup ein! Mit ihm erreichten Kilian Fischhuber (A), Rustam Gelmanov (RUS), Dmitry Sharafutdinov (UKR), Klemen Becan (SLO) und der Ukrainer Stanislav Kleshnov die Runde der letzten Sechs.

Hier wartete dann eine rappelvolle Halle auf die Athleten, die sich an den sandfarbenen Wänden mit den Höhlenmalereien den vier Finalbouldern stellen mussten. Hier ließ sich dann Rustam Gelmanov vor heimischem Publikum nicht das sprichwörtliche Chalk aus dem Beutel nehmen und konnte als einziger alle vier Finalboulder klettern – drei davon im ersten Versuch; darunter auch Boulder Nummer drei, an dem sonst nur noch Stanislav Kleshnov überhaupt eine Bonus-Wertung erreichen konnte.

Damit holte sich der jüngste der Finalisten den Tagessieg vor Kilian Fischhuber, der drei Boulder auf Anhieb knacken konnte. Dritter wurde mit zwei Bouldern im ersten Versuch der bis dahin eher unbekannte Ukrainer Kleshnov, der bislang nur einen 13. Platz bei einem Boulder-Weltcup als bestes Ergebnis zu verbuchen hatte. Für Baumann reichte es mit einem geflashten Boulder im Finale immerhin noch auf den fünften Platz – erst am letzten Boulder musste er den vierten Rang an Sharafutdinov abgeben. Klemen Becan wurde Sechster.

Mit dieser besten Saisonleistung eines deutschen Kletterers im Weltcup sicherte sich Jonas Baumann auch noch einen hervorragenden achten Platz im Boulder-Gesamtweltcup und damit das beste Ergebnis eines Deutschen im Boulder-Weltcup überhaupt! Man darf also auf die kommende Saison gespannt sein und auf die Ergebnisse des Wintertrainings. Bei ähnlicher oder sogar noch besserer Form ist Jonas bestimmt wieder das eine oder andere Top-Ergebnis zuzutrauen. Seine Aussage dazu: „Hinter Kilian, der definitiv noch mal in einer anderen Liga klettert, gibt es vielleicht 20-30 Boulderer, die bei entsprechender Tagesform auf dem Treppchen stehen können“ – er gehört definitiv auch dazu!