Der Bergsteiger und Führerautor Jürg von Känel hat sich
am 6. Januar das Leben genommen.

Nachruf von Bernard van Dierendonck

Mr. Plaisir adé!
Nachruf Jürg von Känel
(13. Mai 1951 – 6. Januar 2005)

Schockiert lesen wir die Nachricht von Jürgs Tod. Früher als
Erstbegeher schwierigster Routen, heute als Autor der bekannten und
beliebten Plaisir Führer ist der Bergführer allen
Kletterinnen und
Kletterern ein Begriff.

Nun kurz vor der Vollendung seines nächsten
Werkes, einem Führer über einfache Hochtouren, hat er uns
verlassen. Er
schien, vor Tatendrang nur so zu sprühen. Wir sind traurig und
fassungslos.

Jürg hinterlässt seine Frau Berti von Känel-Müller
und
drei Söhne Niels, Adrian und Sandro.

Bernard van
Dierendonck


Mountainfuture.at
über Jürg von Känel

… aus Ernst wurde Plaisir und Plaisir wird im „Jahr der Berge“ 10
Jahre alt!
„Reichenbach, an einem furchtbar kalten Wintertag“ schrieb der Berg-
und Schiführer JÜRG VON KÄNEL, 1992 als Vorwort zu
seinem ersten Kletterführer „Schweiz Plaisir“. Damit war klar: Die
beschriebenen Touren sollten nichts mit grimmigen Nordwänden oder
heroischen Zitterpartien weit oberhalb von rostigen Normalhaken zu tun
haben. Seither etablierte sich Marke „Plaisir“ als der neudeutsche
Begriff für Genussklettern. Denn Spass am Fels ist dort zu finden,
wo keine objektive Gefahren drohen, die Routen sehr gut abgesichert und
von moderater Schwierigkeit sind.

Die Führerwerke zum Thema „Plaisirklettern“ – also dem
genussreichen Klettern in gut abgesicherten Felsrouten – in Schweizer
Klettergebieten haben dort einen regelrechten Boom ausgelöst.
Viele Sportkletterer haben so ihren Weg in alpines Gelände
gefunden. Erstmals erhielt die grosse Mehrheit der Kletterer eine
Stimme. Känel spricht damit auch diejenigen an, die nicht drei Mal
die Woche trainieren können oder die nach langer berufs- oder
familienbedingter Kletterabstinenz sich wieder an ihren ehemaligen
Lieblingssport herantasten möchten.

„Die breitensportliche Entwicklung im Klettern basiert im Wesentlichen
auf dem Angebot an Plaisirrouten“, schreibt 1998 ETIENNE GROSS in der
Neuen Zürcher Zeitung. Der Chefredaktor von DIE ALPEN (SAC)
begrüsst insbesondere, dass von Känel einen
Absicherungsstandard fördert. Denn seit der Publikation der
Plaisirführer wird auch dem Sanieren von einfacheren, altbekannten
Touren oder dem Erschliessen von Klettergärten mit leichten Routen
grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Heute gibt es in der Schweiz
Klettermöglichkeiten, die so gut abgesichert sind, dass sie selbst
von Kindern gefahrlos im Vorstieg gemeistert werden können.

Der Gedanke zum Plaisirführer kam von Känel 1990 kurz nach
der Erstbegehung einer der damals schwierigsten Sportkletterrouten
„Mission Miranda“ im Schwierigkeitsgrad X+/XI- oder 8c. Die Route im
Topklettergebiet Lehn im Berner Oberland ist für von Känel
der Höhepunkt seiner Karriere als Spitzenkletterer und sie gilt
auch heute noch als Knacknuss. Erst fünf Kletterern gelang bis
heute eine Wiederholung dieser kleingriffigen, überhängenden
Kante.