Es war ein kleines Team, das für den DAV in die USA zum dritten Boulderweltcup der Saison nach Vail flog: Jonas Baumann und Juliane Wurm (beide Wuppertal) machten sich zusammen mit Stützpunkttrainer Udo Neumann und Physiotherapeutin Sabine Müller direkt vom Weltcup in Wien auf die weite Reise nach Colorado.

Juliane Wurm auf dem Treppchen beim Boulderweltcup in Vail

Vor allem Baumann durfte mit einem sehr guten Gefühl zum Wettkampf im Rahmen des Outdoor-Festivals Teva Mountain Games geflogen sein, war es doch 2009 hier, wo er mit seinem Sieg sein bislang bestes Resultat im Weltcup eingefahren hatte.

Fotostrecke: Das deutsche Team beim Boulderweltcup Vail 2010

Fotos: © Udo Neumann

Wie gewohnt fand der Wettkampf vor einer imposanten Kulisse von mehreren Tausend Zuschauern und auf knapp 2000 Metern Meereshöhe statt. Als wäre dies noch nicht eindrucksvoll genug, wartet traditionell in Vail eine grenzwertig hohe Boulderwand auf die Teilnehmer.

In der schon für Vail gewohnt harten Qualifikation lief es für Jonas Baumann noch ausgesprochen gut: Mit zwei gekletterten Bouldern lag er noch auf dem neunten Rang, bevor er im ersten Boulder des Halbfinales von einer leichten Schulterverletzung ausgebremst wurde.Mit einem leichten Ziehen in seiner ohnehin schon öfters zwickenden Schulter war der Sieger aus dem Vorjahr entsprechend gehemmt und konnte nur noch einen der vier Halbfinalprobleme klettern. Zwei geflashte Boulder hätten ihm bereits zum Finaleinzug gereicht. So musste Baumann beim überragenden Sieg des Amerikaners Daniel Woods im Finale leider zusehen.

Woods kletterte als einziger zwei der vier Finalboulder und hatte auch im Halbfinale bereits als einziger alle vier Probleme knacken können. Auf dem zweiten Rang landete der Japaner Tsukuru Hori, der damit wie Woods das beste Ergebnis seiner Karriere erreichte. Dritter wurde der österreichische Dauerbrenner Kilian Fischhuber, der damit auch in der Weltcup-Gesamtwertung wieder an die erste Stelle rückte.

Fischhubers Leistung war umso stärker einzuschätzen, da er sich am Vortag im Hotel den Zeh verletzt hatte und nur unter großen Schmerzen auftreten konnte – zudem war er noch durch eine Erkältung gehandicappt.

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Bei den Damen hatte Juliane Wurm gleich zu Beginn in der Qualifikation einen guten Lauf: Mit drei gekletterten Bouldern reihte sie sich als Elfte in den Reigen der Halbfinalistinnen ein. Hier konnte die Wuppertalerin dann so richtig zeigen, was sie in den letzten Monaten antrainiert hatte: Als eine von sechs Kletterinnen konnte sie alle vier Halbfinalboulder toppen und zog damit in das zweite Weltcupfinale ihrer Kletterlaufbahn ein.

Einer anderen starken Kletterin wurden leider die enorm hohen Wände zum Verhängnis: Johanna Ernst (AUT) knickte nach einem weiten Sturz im Halbfinale um und verletzte sich ernsthaft am Sprunggelenk. Hier sollten die Organisatoren für weitere Veranstaltungen wohl einmal über eine Verringerung der Wandhöhe nachdenken.

Im Finale der besten sechs Damen ging es dann äußerst knapp her: Gleich fünf der Finalistinnen konnten drei Boulder klettern – das Ranking sollte hier nur über die Anzahl der Versuche und die Versuche an den Bonuswertungen entschieden werden.Das beste Händchen hatte hier die Belgierin Chloe Graftiaux: Die Allround-Alpinistin, die sich neben der Boulderwand genauso sicher und erfolgreich bei den Eiskletterweltcups und auf Tourenskiern bewegt, flashte als Einzige drei Boulder und holte sich damit ihren ersten Weltcupsieg.

Hauchdünn dahinter mit einem Versuch mehr folgte die Österreicherin Anna Stöhr, die nach dem Halbfinale noch als Führende in die letzte Runde gegangen war. Und dann kam der große Auftritt von Juliane Wurm: Mit zwei Versuchen weniger als die hinter ihr folgenden Amerikanerinnen Johnson und Puccio kletterte die deutsche Serienmeisterin zum ersten Mal als Dritte auf ein Weltcup-Podium, nachdem sie bereits bei den Weltcups in Greifensee und Wien gezeigt hatte, dass sie auf jeden Fall das Potential dazu hat.

So verschaffte sie sich kurz nach ihrer letzten Abiprüfung selbst eine Belohnung für die Mühen der letzten Wochen – vielleicht geht da ja sogar noch mehr, wenn nun erst einmal der Kopf wieder frei ist für das Klettern…? Der nächste Weltcup in Moskau am 17. Juni wird es zeigen.