Österreichs erfolgreichste Kletter-Athletin aller Zeiten, Angela Eiter, sichert sich in ihrem "Wohnzimmer" in Arco in eindrucksvoller Weise den Vorstiegs-Weltmeistertitel. Nie zuvor konnte sich eine Athletin im Sportklettern drei Mal zur Weltmeisterin küren.

Jain Kim, Angela Eiter und Magdalena Röck ÖWK-Youngster Magdalena Röck klettert in der ausverkauften WM-Arena in Arco sensationell auf den dritten Platz und sichert die bereits dritte Medaille für den Österreichischen Wettkletterverband bei der Kletter-WM 2011.

"In Arco den WM-Titel im Vorstieg zu gewinnen, ist ungefähr so, wie wenn ein Skifahrer die WM-Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel gewinnt. Es ist mit das Höchste der Gefühle im Klettersport." beschrieb Teamcoach Heiko Wilhelm die Bedeutung der WM in Arco vor einigen Tagen für die Athlet/innen.

Diesen Traum hat sich Angela Eiter heute verwirklicht. Nach einer schweren Schulterverletzung im Herbst 2008 und einer fast einjährigen, verletzungsbedingten Wettkampfpause kämpfte sich die mittlerweile 25-jährige Eiter gemeinsam mit ihrem Physiotherapeut Robert Weber und Langzeit- und mittlerweile Nationaltrainer Reinhold Scherer wieder zurück an die Weltspitze.Nach dem Europameistertitel im Herbst 2009 in Imst und dem ersten Weltcupsieg nach der Verletzungspause vor neun Tagen in Chamonix zählte Eiter im Vorfeld der WM neben der Koreanerin Jain Kim zur absoluten Top-Favoritin auf die WM-Goldmedaille.

Im Finale am Samstag Abend bekam Eiter im Kampf um WM-Edelmetall Unterstützung aus den eigenen Reihen. Neben Eiter kletterten Titelverteidigerin Johanna Ernst, Jugend-Europameisterin Katharina Posch, die Europacupführende Magdalena Röck sowie Christine Schranz ebenfalls ins Finale der besten acht Damen und erhöhten damit die österreichischen Medaillenchancen enorm.

Magdalena Röck und Angela EiterDie Finalteilnehmer starteten in umgekehrter Reihenfolge der Halbfinalplatzierungen in das Finale. Die US-Amerikanerin Sasha Digulian eröffnete das Finale und legte mit einer Höhe von 47- gleich eine respektable Höhe vor und scheiterte wie sich im späteren Verlauf des Finals herausstellte, an der Schlüsselstellte im Finale – ein Sprung von einem leicht überhängenden Wandteil an eine Dachkante. An dieser Stelle scheiterten nacheinander sowohl Christine Schranz, Mina Markovic (SLO) und Katharina Posch.

Dann kam der große Auftritt von Angela Eiter. Eiter kletterte bis zur Schlüsselstelle ebenfalls souverän und wählte an der Schlüsselstelle aufgrund ihrer eher geringen Körpergröße einen anderen, ebenfalls sehr riskanten Lösungsansatz als ihre Mitstreiterinnen, der zum Erfolg führte. Nach erfolgreicher Durchquerung der Schlüsselstelle pushte das tobende Publikum Eiter Griff um Griff in Richtung Top. Ein paar Züge vor dem Top ging Eiter bei einer Höhe von 53+ die Kletterzeit aus, setzte sich aber damit souverän in Führung.

Nach Angela Eiter stieg die amtierende Österreicherin Johanna Ernst in die Finalroute ein. Ernst scheiterte ebenfalls wie alle anderen Finalistinnen vorher an der Schlüsselstelle bei einer Höhe von 47-. Als beste Österreicherin nach dem Halbfinale, stieg die erst 17-jährige Tirolerin Magdalena Röck in die Finalroute ein. Mit einer selten zuvor gesehenen Lockerheit meisterte Röck bis zur Schlüsselstelle ebenfalls alle Passagen der Routen spielerisch. Röck setzte in der Schlüsselstelle zum Sprung an und scheiterte extrem knapp. Von allen an dieser Stelle gescheiterten Finalteilnehmern war sie am knappsten dran, die Schlüsselstelle zu meistern.

Als letzte Finalteilnehmerin stieg die Halbfinalführende und große Titelfavoritin Jain Kim aus Korea in die WM-Wand ein. Souverän stieg Jain die Route bis zur Schlüsselstelle durch, wählte aber den selben Lösungsansatz wie alle anderen Finalistinnen – mit Ausnahme von Eiter – der nicht zum Erfolg führte. Somit war kurz nach 23 Uhr klar, dass erstmals in der Geschichte des Klettersports eine Athletin drei Weltmeistertitel gewinnen konnte.

Da alle anderen 7 Finalteilnehmerinnen im Finale die selbe Höhe erreichten, wird laut Reglement bei gleicher Höhe auf die Halbfinalergebnisse zurückgegriffen. Silber sicherte sich somit die Koreanerin Jain Kim vor der Überraschungsdritten Magdalena Röck und Johanna Ernst. Platz fünf ging an Katharina Posch vor Mina Markovic. Christine Schranz vollendete auf Platz 7 das historisch gesehen erfolgreichste Mannschaftsergebnis des Österreichischen Wettkletterverbandes. Auf Platz 8 folgte die US-Amerikanerin Sasha Digulian.

Stimmen zum Bewerb:

Teamcoach Heiko Wilhelm:
"Ich bin überwältigt. Dass unsere Mädels stark sind haben wir im Vorfeld gewusst. Aber das am Ende fünf Österreicherinnen unter den Top-7 der WM sind kann ich noch gar nicht so realisieren. So was kenn ich in Österreich sonst eigentlich nur beim Ski fahren! Es ist ein schöner Tag für den Österreichischen Klettersport und wir haben eine würdige Weltmeisterin und eine fabelhafte Bronzemedaillen-Gewinnern. Gratulation auch an Johanna (Anm. Ernst), Kathi (Anm. Posch) und Christine (Anm. Schranz). Das war Klettersport vom Feinsten! Danke auch an die Trainer und Betreuer die eine derart tolle Vorbereitung auf die WM ermöglicht haben!"

Angela Eiter:
"Ich habe davon geträumt in Arco Weltmeisterin zu werden. Hier habe ich meine ersten Erfolge gefeiert und nun nach meiner schweren Verletzung neben dem Heim-EM Titel sicher mit Abstand den schönsten Titel! Danke an alle die immer an mich geglaubt haben und mich stets unterstütz haben!"

Magdalena Röck:
"Ich kann es noch gar nicht glauben! Ich hab mich so gefreut, dass ich in diesem starken Österreichischen Damen-Team überhaupt mit zur WM fahren darf. Dass ich jetzt eine Medaille um den Hals hängen habe, ist einfach unbeschreiblich!"

Samstag, 23.07.2011 – Finaltag Vorstiegsbewerb Herren

Am Samstag fällt im Vorstiegsbewerb der Herren die Medaillenentscheidung. Um 13.30 Uhr beginnt das Halbfinale mit den beiden ÖWK-Athleten Jakob Schubert und Mario Lechner, die beide ex aequo nach der Qualifikationsrunde in Führung liegen.

Das Herren-Finale geht Samstag Abend um 22.00 Uhr in der WM-Arena in Arco über die Bühne und wird – wie alle anderen Medaillenentscheidungen auch – live in der italienischen RAI ausgestrahlt. Zusätzlich werden alle Bewerbe via Live-Stream (www.ifsc.tv) weltweit online übertragen.