Auch 2007 war wieder ein großes Jahr für den Kletterfachverband Bayern (KVB). Er zählt bundesweit zu den drei stärksten Kletterfachverbänden und weist einige der größten Talente Deutschlands in seinen Reihen auf.

Gerade in der Jugend B ist der Kletterverband weit überdurchschnittlich gut aufgestellt. Bei den Mädchen sind drei Kletterinnen zu nennen: Ronja Kellner (Landshut), Theresa Woll (Augsburg) und Luisa Deubzer (München-Oberland). Mit einem starken Anstieg ihrer Leistungskurven haben sie ihr Können in 2007 unter Beweis gestellt. Für sie spricht, dass sie bundesweit zu den jüngsten in der weiblichen B-Jugend zählen. Und sich jetzt schon im vorderen Feld auch bei Bundeswettkämpfen behaupten konnten. Ronja Kellner erreichte im Vorstieg auf der Bundesrangliste sogar den 4. Gesamtplatz. Das lässt fürs kommende Jahr sehr hoffen.

Darüberhinaus zählt Julia Bolesch (München-Oberland) zwar zu den Ältesten ihrer Klasse. Nichts desto trotz konnte sie den letzten bayerischen Vorstiegswettkampf in Augsburg klar für sich entscheiden, erkletterte sich in der bayerischen Gesamtrangliste insgesamt den dritten Rang, wurde 2007 bayerische Bouldermeisterin und konnte sich bundesweit den 5. Platz sichern, womit sie (neben Ronja Kellner – nur die besten 6 dürfen teilnehmen !) die Eintrittskarte für den Finalkampf der deutschen Meisterschaft am 11.11. in Frankenthal löste.

Kletterteam Bayern beim Deutschen Sportklettercup in Kempten am 24.06.2007
Kletterteam Bayern
V.l.n.r. vorne: Natalie Sailer, Luisa Deubzer, Ronja Kellner, Sarah Schützenberger,
Ines Dull, Maxi Zwicklbauer, Lukas Bolesch, Christian Münch
Mitte: Anna Wörner, Lisa Knoche, Moni Retschy, Julia Bolesch, Casey Dengl,
Theresa Woll, Milena Krämer, Samy Adolph
Hinten: Stefan Danker, Johanna Patz, Simon Unger, Sepp Mangold.

Große Talente glänzen auch in der männlichen Jugend-B. Hier sind vor allem Alex Megos (Erlangen), Samy Adolph (München-Oberland), Robin Gray (Miesbach) , Lukas Bolesch (München-Oberland, Lukas ist der kleine Bruder von Julia) und Jan Krauss (Landshut) zu nennen. Den Namen Alex Megos sollte man sich besonders merken, denn Alex hat das Potential um mittelfristig auch auf internationalem Niveau mitzuhalten. Alex Megos gelang es sogar am 07.10. in ein Superfinale auf dem deutschen Sportklettercup in Wuppertal gegen den Weltspitzenkletterer der Jugend-B Jan Hoyer vorzustoßen und sämtliche weiteren Konkurrenten weit hinter sich zu lassen. Nationalkadermitglied Robin Gray zählt zwar wie Alex Megos und Jan Krauss zu den Ältesten seiner Klasse, aber wenn er verletzungsfrei in einen Wettkampf startet, findet er sich am Ende des Tages fast immer auf einem Treppchenplatz wieder.

Selbiges gilt für Samy Adolph, der nicht nur bayerischer Bouldermeister 2007 wurde, sondern hinter Alex Megos auch den zweiten Platz in der bayerischen Vorstiegsgesamtwertung 2007 errang. Auf der Bundesebene konnte er dank kontinuierlicher Spitzenergebnisse sogar den dritten Gesamtrang erklettern und wird ebenfalls am 11.11. in Frankenthal gegen die Besten der Besten auf der deutschen Meisterschaft antreten. Mit seinem noch sehr jungen Alter in seiner Klasse nährt Samy genau so die Hoffnung auf ein kommendes Spitzentalent wie Alex Megos. Mit Lukas Bolesch und Jan Krauss teilten sich die drei Vorgenannten in wechselnder Folge auf allen bayerischen Wettkämpfen die ersten fünf Plätze.

Bei der weiblichen Jugend-A überragen zwei Ausnahmeklettererinnen derzeit alle anderen: Milena Krämer (Erlangen) und Monika Retschy (München-Oberland). Die beiden liefern sich seit ca. zwei Jahren bei fast jedem bayerischen Wettkampf einen kameradschaftlichen (beide sind Mitglied des Bayernkaders) Wettstreit um den ersten Platz, der nicht selten nur hauchdünn zu Gunsten der einen oder der anderen ausgeht. Welche tatsächlich die Bessere von beiden ist, lässt sich ehrlich gesagt nicht sagen, dieses Jahr ging sowohl die bayerische Bouldermeisterschaft als auch die bayerische Vorstiegsmeisterschaft zum Vorteil der etwa ein Jahr jüngeren Moni aus. Beide haben sich bei den Kletterwettbewerben auf der Bundesebene mit einem hervorragenden 4. Platz (Moni) und einem ausgezeichneten 6. Platz (Milena) den Zutritt zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft erkämpft.

Wer allerdings über die bayerische weibliche Jugend-A berichtet sollte einen Namen auf jeden Fall nicht vergessen: Ines Dull (Allgäu-Kempten, Mitglied im Nationalkader). Sie nahm zwar an keinem bayerischen Wettkampf in 2007 teil, hat aber mit viel Ausdauer und einem hohen Leistungsvermögen mitlerweile an die Weltspitze angeschlossen. Sie bewährte sich dieses Jahr auf vier europäischen Jugendcups und gelangte dabei jedes Mal ins Finale und stand einmal sogar auf dem zweiten Platz des Stockerls. Die „Luft“ auf der nationalen und besonders der internationalen Jugendebene ist inzwischen ausgesprochen „dünn“ geworden, eine Tatsache die die überragenden Leistungen von Ines noch unterstreicht. In der Weltrangliste der Jugend-A hat sie sich in diesem Jahr auf Platz 5 (!) positionieren können. Keine Frage, dass Ines am 11.11. in Frankenthal dabei sein wird.

In der männlichen Jugend-A gilt es besonders Sepp Mangold (Tölz) und Simon Unger (Augsburg) zu nennen. Sepp hat sich mit einem ausgezeichneten 6 Platz in der deutschen Gesamtrangliste ebenfalls den Einzug zur deutschen Meisterschaft nach Frankenthal gesichert. Simon Unger konnte nach einem vorübergehenden Formtief und vielen Klettereinheiten am Naturfels wieder zu Sepp aufschließen. Mit ihm muß man nächstes Jahr wieder rechnen ebenso wie mit Sepp Mangold`s Tölzer Kollege David Lochner.

Spitze sind auch die bayerischen Junioren und Juniorinnen. Bei den Jungs ist hier der ehrgeizige und trainingsfreudige Christian Münch (München-Oberland) zu erwähnen. Er klettert schon seit fast zwei Jahren nicht nur aus Übungsgründen vorrangig bei den Erwachsenen mit. Auf der bundesdeutschen Juniorengesamtrangliste erkämpfte er sich gegen eine starke Konkurrenz einen sehr guten 8. Platz und ist damit in Frankenthal dabei (bei den Jungs dürfen die 8 besten starten). Maximilian (Maxi) Wörner (Kaufbeuren, Mitglied des Jugendnationalkaders) konnte sich ebenfalls mit hervorragenden Ergebnisse eine Teilnahme an der deutschen Meisterschaft am 11.11. sichern (6. Platz).

Wenn man sich mit den bayerischen Kletterjunioren befasst, dann denkt man jedoch kaum an DEN Junior schlechthin: Stefan Danker (Landshut, Mitglied im Nationalkader), ein Name den man sich, was das Kletterwettkampfgeschehen der Zukunft angeht, unbedingt merken sollte. Auch Stefan ist ein Kletterer der das Format zur Weltspitze besitzt. Bundesweit ist er derzeit im Vorstieg unbestritten der stärkste Junior, bei den Herren immer noch der Drittstärkste und zwar in beiden Disziplinen, Bouldern und Vorstieg (!). In der Weltrangliste der Junioren rangiert er aktuell auf dem 4. Platz. Stefan wird auch auf der deutschen Meisterschaft in Frankenthal sein Können unter Beweis stellen.

Bei den bayerischen Juniorinnen geht derzeit nichts an Natalie Sailer (Augsburg) vorbei. Zwar hat sie auch an keinem der bayerischen Wettkämpfe teilgenommen, jedoch kontinuierlich auf der nationalen Ebene Spitzenergebnisse abgeliefert und führt derzeit die nationale Juniorenrangliste mit Abstand an. Aber auch Lisa Knoche (Freising), die deutsche Meisterin von 2005, die eine einjährige Abiturpause einlegte und bei den Junioren startet hat eine Karte zur deutschen Jugendmeisterschaft gelöst. Dort wird sie gegen ihre Nationalkaderkollegin Natalie antreten. Man darf gespannt sein.

Last but not least sind auch die bayerischen Damen und Herren Spitze: Bei der deutschen Meisterschaft der Damen und Herren am 10.11. (einen Tag vor den Jugendwettkämpfen ebenso in Frankenthal) werden nämlich nicht nur die vorgenannten Athleten Ines Dull und Stefan Danker dabei sein, sondern auch Altmeister Christian Bindhammer, einer der beiden „Hammerbrothers“ (auch Bruder Andreas ist im Nationalkader), dürfte bei der Entscheidung um den deutschen Meister „eine gewisse Rolle spielen“.

Die beiden Bindhammerbrüder zählen übrigens zu den ganz wenigen Ausnahmetalenten, die sich in den diversen Weltranglisten der vergangenen 10 Jahre durchgehend in der vordersten Reihe halten konnten. Andreas wurde letztes Jahr deutscher Meister, während sich Christian aktuell auf dem ersten deutschen Gesamtrang festkrallen konnte. Alles in Allem verspricht das Wochenende der deutschen Meisterschaft ein ausgesprochen spannender Tag aus Sicht der bayerischen Weltkampfkletterer zu werden. Nicht Wenige werden ihnen an diesen zwei Tagen die Daumen drücken. Vorwärts Bayern!