Am 14. Juli 2009 ist Manfred Stuffer, Extrembergsteiger und Bergführer der CATORES in St. Ulrich in Gröden, 5 Kletterrouten im 6. und 7. Schwierigkeitesgrad am Östlichen Meisulesturm in der Sellagruppe geklettert. Für diesen Rekord im Alleingang, ohne Seil, hat er nur 3,5 Stunden gebraucht.

Manfred Stuffer klettert 1000 Meter free solo im VII. Grad

Es ist eine Glanzleistung, ein Meilenstein im Alpnismus der Dolomiten. Was Stuffer geleistet hat, wird ihm wohl keiner so schnell nachmachen. Dabei handelt es sich lediglich um was er als die "natürlichste Form des Kletterns" bezeichnet.

Fotostrecke: Manfred Stuffer klettert 1000 Meter free solo im VII. Grad

Fotos: © Reinhard Mair

Am 14. Juli 2009 um 16.00 Uhr startet der Grödner stark motiviert vom Parkplatz unterhalb des Östlichen Meisulesturmes, an der Grödnerjochstraße, um seine Lieblingsroute "Geo" an der Nordwand zu begehen. Schon am Anfang der Wand, nach wenigen Klettermetern, kommt Stuffer in einen guten Rhythmus und ihm wird sofort klar, dass jetzt der richtige Moment da ist, um etwas "besonderes" zu machen.

Mit Leichtigkeit überwindet er die ersten "Seillängen" und die Schlüsselstelle, das beeindruckende Dach im VII Schwierigkeitsgrad, Nach nur 19 Minuten kommt er am Gipfel an. Diese Route allein ist schon ein Rekord für sich: 230 Meter senkrechte Wand der Schwierigkeit VI und VII; dafür benötigt eine "normale" Seilschaft 5 Stunden Kletterzeit.

"Als ich anfing zu klettern, wollte ich einfach nur Spaß haben und mich entspannen beim Hochsteigen, wie immer wenn ich an dieser Wand klettere. Aber während ich aufstieg, merkte ich, dass ich sofort meinen Rhythmus gefunden hatte. Die Bewegungen waren harmonisch und schnell; ich versank in einen "flow", einen Fluss von Handlungen die nun nicht mehr abgebrochen werden konnten. Als ich am Gipfel ankam, musste ich weiter klettern…", so Manfred's Erklärung darüber, wie er auf die Idee der Kettenbegehung der 5 Touren kam.

Nachdem Manfred über den steilen Weg zum Wandfuß hinunterläuft, steigt er nun gleich wieder ein; dieses Mal in der Route "Regenbogen", ebenfalls im VII Schwierigkeitsgrad. Bald ist er wieder am Gipfel und rennt erneut zum Wandfuß um in die Route "Quo Vadis" (wieder VII Grad) einzusteigen. Diese beiden Routen weisen äußerst heikle Schlüsselstellen mit extrem kleinen Griffen auf und wurden bisher nur von Stuffer selbst im Alleingang, also ohne jegliche Sicherung, begangen.

"Für mich waren diese beiden Routen schwieriger als Geo (die bekanntere Route). Man muss sich hier an winzigen Felsvorsprüngen von nur wenigen Millimetern festhalten. Auch die Tritte sind minimal. Das erfordert eine völlige mentale Kontrolle und die Durchführung absolut perfekter Bewegungen. Diese zwei Touren waren die größte Genugtuung für mich!"

Um "auszulockern" steigt Manfred nun wieder ab und klettert noch "Brunsin" und "Brugger Walde", jeweils "nur" im sechsten und oberen sechsten Schwierigkeitsgrad. Um 19.30 Uhr ist er wieder unten am Parkplatz. Insgesamt hat er über 1000 Meter Wand in einer reinen Kletterzeit von nur 2 h und 18 min bestiegen. Für jede einzelne Route benötigt eine Seilschaft normalerweise 3 bis 5 Stunden, wobei eine Route pro Tag bewältigt wird.
 
Stuffer ist kein Neuling bei dieser Art von Höchstleistungen. 1999 bestieg er die Südwand der Marmolada und die Nordwand der Großen Zinne an einem Tag und hinterlegte die Verbindungsstrecke mit dem Fahrrad. Manchmal kann man ihn beim Solo-Klettern am Sellastock beobachten; aber er spricht selten darüber – es ist etwas sehr persönliches für ihn.

"Dieses Mal habe ich aber entschlossen, über meine Erfahrung im Alleingang zu berichten. Mit der Aneinanderreihung der 5 Routen habe ich bewiesen, dass es möglich ist auch hier bei uns, in den Dolomiten, alpine Höchstleistungen zu vollbringen. Es ist möglich große Herausforderungen zu finden und tolle Bergerlebnisse zu haben, ohne ganze Weltreisen machen zu müssen. Die schwierigsten und schönsten Wände stehen vor unserer Haustür; wir müssen sie nur klettern!", so die Einladung von Manfred, der täglich als international anerkannter Bergführer den Gästen "seine" Dolomiten zeigt.