Vom 22. bis 24. September fand das diesjährige Treffen der
Medizinischen Kommission der UIAA in Teheran statt. Nachdem wir uns
letztes Jahr alle sehr interessiert für Tehran entschieden hatten war
die Neugier natürlich groß. Gut, so leicht war es allerdings nicht
dahin zu kommen; nachdem wir uns 2 Monate um die Visa beworben hatten
kamen die Pässe dann, nach nervenaufreibenden Telefonaten mit
verschiedenen Konsulaten und Botschaften, erst am Abreisetag bei uns
an. Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt.

Die Gastgeber waren überwältigend engagiert uns stellten ein
Riesenprogramm auf die Beine, inklusive des ersten internationalen
Bergmedizinischen Kongresses im Iran. Die Etikette muss man allerdings
beachten, und so „verkleidete“ sich Isa im Flieger erst mal als schwarz
vermummte islamistische Hardlinerin. Standard, so dachten wir – weit
gefehlt. Klar trägt Frau ein Kopftuch, aber, aber. Viele Kopftücher
sind kunterbunt, die langen Oberteile der jungen Frauen durchaus sehr
figurbetont und an Schminke fehlt es auch nicht. So fanden wir eine
bunte Mischung an schwarz, tief vermummten Hardlinern und jungen
lebenslustigen und durchaus „flirty“ jungen Frauen. Überwältigend war
die Gastfreundschaft und Offenheit die uns entgegengebracht wurde, so
ganz anders als erwartet.

Nach einer sehr langen und ergiebigen MedCom Sitzung am ersten Tag
folgte dann der Kongress. Veranstaltungsort war das Olympiazentrum in
Teheran, ein wunderschöner neuer Gebäudekomplex. So was hätten wir hier
auch gerne… Mehr als 200 Teilnehmer aus dem Land hörten sich die
Vorträge der internationalen Teilnehmer sowie der iranischen Kollegen
an. Die iranische Gesellschaft für Berg- und Höhenmedizin ist dabei
ziemlich aktiv und demonstrierte aktuelle und wissenschaftlich
hochwertige Arbeiten. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung,
welche auch im Fernsehen übertragen wurde.

Natürlich hatten wir auch Reisenlust selbst die Felsen zu inspizieren,
der dritte Tag war dann wirklich denkwürdig. Vorbei am Sessellift des
teheranischen Skigebietes ging es ins Kletter- und Bouldergebiet. Dort
trafen sich an diesem Samstag ca. 100 lokale Kletterer. Es gibt dort
eine große „Szene“, nationale Meisterschaften, Kletterhallen, eigene
Kletterschuhfirmen und und und. Weg von der Stadt trägt „Frau“ durchaus
sehr modische Klettertops und Hosen, auch das Kopftuch darf mal fallen.

Die Routen sind gut gebohrt und die Boulder sehr lohnend. Auch hier war
die Gastfreundschaft beeindruckend, selten wurden wir irgendwo so gut
aufgenommen. Zurück bleiben wunderbare Erinnerungen an fröhliche und
offene Menschen, Freundschaften und der Wunsch unbedingt mal wieder zum
Klettern oder Skitouren gehen zurückzukommen. – So ganz anders als das
was man auf CNN zu sehen bekommt.

Volker Schöffl, Isabelle Roloff