Am 26. Dezember 2008 kletterten die Brüder Martin und Florian Riegler ihre "weise Schwester" Rotpunkt. Ihre Neutour liegt im Langental bei Gröden in Südtirol.

Mixed Erstbegehung: "La Sor Blanche"

"La Sor Blanche" besteht aus 5 Seillängen Eis und Fels und ist ausschließlich mit Normalhaken und friends abgesichert. Die Schwierigkeiten liegen bei M9 WI 6-.

Fotostrecke: Mixed Erstbegehung: La Sor Blanche

Fotos: © Manuel Stufflesser

Hier der Bericht von Martin Riegler:
Bereits Tal einwärts leuchten einem die Eissäulen entgegen, doch erst nach über zwei Stunden Fußmarsch steht man am Einstieg. Ohne Rücksicht auf  meine starke Erkältung keuche ich hinter Florian hinterher. Dass ich Fieber habe, habe ich ihm nicht gesagt.Um Energie für die Vertikale  zu haben, verdrücken wir die gesamte Tagesration an Essen. Es ist eine neue Erfahrung in diesem Stil im mixed Gelände zu klettern, doch erstaunlich unbeeindruckt erreicht Florian den ersten Standplatz. Jetzt bin ich am Ball.

Ich schwitze wie in der Sauna, komme aber recht gut in den  Kletterfluss. Auch der Nachsteiger sollte sicher klettern da sich weder Haken noch Bohrhaken am Standplatz befinden. Mit einem ziemlichen "Pump" in den Unterarmen stehe ich wenig später neben meinem Bruder. Die nächste Seillänge ist zwar leichter, aber irgendwie kratzen meine Eispickel im Nichts herum.Die Grippeviren bringen meinen Kopf zum kochen und ich werfe meine beschlagene Brille runter. Am Standplatz angekommen bin ich froh, dass Florian wieder vorsteigt. So einen Eisvorgang brauche ich heute nicht mehr unbedingt. Durch die Eissäule kann ich seinen Schatten  sehen.

Ich erinnere ihn daran, dass der Standplatz und somit unser beider Leben an drei friends hängt und er ja vorsichtig mit dem gefroren Wasser umgehen soll. Wie auf einem rohen Ei bewegt sich Florian aufwärts. Nach einigen spannenden Minuten erreichen wir endlich das Zwischenband.Wir wissen dass die Hauptschwierigkeiten unter uns liegen. Jetzt kommen  einige Meter Fels und dann zwei Seillängen genussvolles Eis in der dämmernden Sonne.

Diese Momente sind der Grund dafür, dass wir nach fünfzehn Jahren  immer noch den ganzen Tag an nichts anderes als ans Klettern denken!