Die
Münchner Meisterschaft im Kletterzentrum Thalkirchen hat sich in
diesem Jahr von einem regionalen Amateurwettkampf  zu einem
Highlight der süddeutschen Kletterszene gemausert. Mit 196
Teilnehmern, davon 66 unter 12 Jahren, und 75 Boulderproblemen 
kann die Münchener Meisterschaft dem Pendant in Norden der
Republik, den Soul-Moves-Contests, das Wasser reichen. A propos Wasser:
Die Anti-Regentänze einiger Organisatoren konnten die
Wettergötter entgegen der Vorhersagen doch besänftigen. Ein
weiterer Hinweis darauf, dass die Aufführung der
Kletterweltmeisterschaft Anfang Juli in München auf bestem Terrain
stattfinden wird!

Staunen und Zittern
Die Tage vor der hauptsächlich im Freien stattfindenden
Großveranstaltung waren im vielköpfigen Organisations- und
Schrauberteam von Zittern und Staunen geprägt: Beinahe
stündlich verschlechterten sich die Wettervorhersagen,
gleichzeitig stieg die Anzahl der Voranmeldungen zur Teilnahme. Um die
absehbaren Warteschlangen zu verhindern, drehten die Schrauber am
Donnerstag und Freitag bei glühender Hitze im Akkord. Ergebnis:
ein Rekordmarathon mit 75 unterschiedlichsten Bouldern von 3 bis 7c+
(fb), sowie 2 x 5 Routen (2 je Teilnehmerklasse) wartete am
Freitagabend auf  seine Bezwinger. Zugleich erreichte die
Wettervorhersage ihren Tiefpunkt: „gewittrige Unwetter mit
Temperatursturz kurz vor der 6 stündigen Quali, Regen und Schauer
im Wechsel zum Finale“. Die Satellitenloops zeigten eine dunkle
Schauerfront die sich beständig dem deutschen Mekka des Kletterns
näherte. Und dennoch: 196 Teilnehmer, die der Einladung der
Sektionen München und Oberland, sowie dem Kletterzentrum
Thalkirchen gefolgt waren, pfiffen auf Satellitenbilder und drohende
Schafskälte.

es geht los
Nach kurzen Begrüssungsreden, u.a. durch die Schirmherrin der
Veranstaltung, die 2. Bürgermeisterin der Stadt München, Frau
Dr. Gertraud Burkert, gings dann los. Bei leichtem Regen und
atmosphärischer Untermalung durch Moderator Fabi wurde in den
ersten 6 Stunden gezogen, was das Zeug hergab. Das Geschehen in der
schwereren Herrenroute signalisierte schon früh, dass das vom
letzten Jahr bekannte Herrentrio Vacka-Becker-Triller sich fürs
Finale stark machte. Die Boulderlastigkeit der Gesamtwertung liess
jedoch hoffen, dass diesmal die Routensteiger nicht ganz so stark
über die Boulderer dominieren würden wie die letzten Jahre.

Die Kids, die den Teilnahmerekord vom letzten Jahr mehr als
verdoppelten, bekamen in der Quali ein breites Feld an
Bewährungsproben serviert: Eine technisch anspruchsvolle
Top-Rope-Route, Bierkastenklettern, Drahtseilbalancieren, Zeitklettern
an der Leiter und einige „Lochgriff- und Riesentodboulder“, in denen
sie den Grossen zeigen konnten „was ne Harke ist“. An dieser Stelle sei
allen Betreuern der Kinder für ihr Engagement gedankt, auch was
die Ehrlichkeit der Laufzetteleintragungen betrifft. Denn es ist
einfach peinlich, sich mit einem Betrugsergebnis in den vorderen
Rängen einzunisten oder gar ins Finale hineinzuschummeln.
Verzweifeltes Kreiseln und Scharren, ohne vom Startgriff richtig
abzuheben, spricht für die Zuschauer Bände über den
tatsächlichen Könnensstand eines Finalisten.

Die Umbauphase nach der Quali wurde unterhaltsam mit
Bierkastenklettern, Eisgerätehangeln und einem High-Jump-Contest
überbrückt. Einige „Highjumper“ verteidigten dabei vor
begeistertem Publikum ihre berechtigte Anwartschaft auf das Finale.

Finale Kinder
Beim Finale waren dann mehrere 100 Zuschauer dabei und sogar die Sonne
kam noch heraus. Für jede der Wertungsklassen war ein Finalboulder
vorgesehen. Simon Lang, jüngstes Mitglied des Oberland-Kaders,
zeigte im Kinderfinale, was er drauf hatte. Er überholte Sebastian
Balz (ebenfalls Oberland) mit einem astreinen Flash. Nach ihm
kletterten die beiden in Österreich bekannten Salzburger Zwillinge
Rudigier. Auch sie topten enorm schnell, wenn auch technisch nicht so
professionell wie Simon. So kündigte sich ein spannendes
Kindersuperfinale an.

Jugend weiblich
Zuvor schob, drückte und presste die „weibliche Jugend“ was das
Zeug hielt. Die junge Monika Retschy (Oberland-Kader) erkämpfte
sich verdient den 3. Platz. Nur ganz knapp musste sie der
Vorjahressiegerin Yvonne Koch (Sektion München), die mit
souveräner Technik aufwartete, den Vortritt lassen. Auch bei Ulla
Meyer aus dem bekannt schlagkräftigen Augsburger Kader entschied
sich der Sieg eigentlich nur an einem „Minus-Griff“. Wie sich
später herausstellte, hatten alle drei Mädels die Crux kurz
vor dem Top nicht exakt aufgelöst.

die „Ösis“ kommen
Der absolute Renner wurde dann im Kindersuperfinale am selben Boulder
geboten. Simon Lang bewältigte ¾ des Mädelboulders und
scheiterte daran, dass er in seiner eindrucksvollen
„Alles-Oder-Nichts-Attacke“ einen entscheidenden Griff übersah.
Ganz anders die beiden Salzburger Zwillinge. Laurenz Rudigier
kämpfte sich unter Begeisterungsstürmen der Zuschauer bis zu
besagter Crux vor, sein Bruder Max verlor zwar wiederholt die Kontrolle
über die Beinarbeit, besass jedoch derart viele Kraftreserven,
dass er die Schlüsselstelle fast spielerisch knackte und zum
Erstaunen vieler zu guter Letzt am Top baumelte. Ein hochverdienter
Sieg der beiden Österreicher der dem Autor, aus welchem Grund auch
immer, ein bekanntes Münchner Ereignis ins Gedächtnis rief:
1705, vor ziemlich genau 300 Jahren unterlagen Bayerische Rebellen den
Österreichischen Truppen nur wenige hundert Meter vom heutigen
Kletterzentrum entfernt. Davon abgesehen, könnte der Auftritt der
Salzburger einen Vorgeschmack auf die bevorstehende WM geben. Nicht
ohne Grund dominieren seit kurzem in den Weltcups die „Ösis“ und
haben die bis dato unbesiegbaren Franzosen auf Platz 2 verdrängt.
Jetzt könnte man ins Spekulieren abdriften angesichts der
Tatsache, dass ja die Bayern die Verbündeten Napoleons gegen die
„Ösis“ waren…

Jugend männlich
Um nicht weiter „Schmarrn zu verzapfen“ (hochdeutsch: Unsinn reden)
hier die harten Facts des Finales der „männlichen Jugend“: Robin
Gray (Sektion München) Platz 3, Martin Mayer aus Rottau Platz 2.
Der Augsburger Adrian Rott bewies grosse Klasse, als er völlig
ausgepumpt einen fast hoffnungslosen Sprung zum Zielgriff wagte und…
erfolgreich topte: Platz 1 für Adrian.

das „schwache“ Geschlecht
Auch das Damenfinale bot Hochspannung: Schrauber Daniel Gebel
(Erstbegeher „Le Temps der Vivre – erster 11er in Konstein) hatte
für das angeblich schwache Geschlecht einen bockschweren,
auszehrenden 20-Zug-Quergang an seinem Ingolstädter „Pilz“
gezaubert. Joanna (Jojo) Melle vom Oberlandkader liess sich davon nicht
beeindrucken und erkletterte sich den 4. Platz. Fast-C-Trainerin Ari
Steinel aus Wellheim, bewies, dass sie auch ohne Briefing ihres
Meisters kräftig zupacken kann und platzierte sich auf Rang 3.
Genauso überzeugend, aber nur knapp vor den beiden Letzteren,
profilierte sich Birgit Weiss (Sektion Oberland). Zu inzwischen
fortgeschrittener Stunde präsentierte sich die bekannte Barbara
Mittlmeier (Sektion München) in Höchstform. Nach einem
steilen, artistischen Doppeldyno konnte sie mit einer Hand den Top,
einen fetten Halbkugelsloaper zwar schnappen, schmierte dann aber in
Zeitlupe daran ab. Dennoch zeigte die neue Münchner Meisterin eine
unbestritten grandiose Vorstellung.

Götterdämmerung
Es begann zu dämmern, als die „Herren der Schöpfung“ zu Werke
gingen. Jetzt galt es, den um einige Griffe ärmeren Damenboulder
in Gegenrichtung durchzureissen. Christian Münch, liess sich von
dieser fb-8a-Traverse ebenso wenig schrecken wie zuvor seine Kollegin
Jojo Melle und rundete mit seinem 4. Platz die Leistungsbilanz des
Oberlandkaders überzeugend ab. Unter lautstarker Anfeuerung des
gesamten mitangereisten Augsburger „Fanclubs“ startete Ferdinand
„Ferdl“ Triller, kein Boulderer im eigentlichen Sinne. Mit der Technik
eines ausdauernden Routenspezialisten stellte er eine
Rekordaufenthaltszeit in dem abweisenden Hammer auf. Er sicherte sich
schlussendlich den 3. Platz. Benny Becker (Sektion Landshut), letztes
Jahr nach drei zwillingsgleichen Zügen mit Bruno Vacka ( Sektion
Aschau) zusammen auf Platz 1, wollte es diesmal wissen. Benny sprang in
einem Wahnsinnstempo durch die Traverse bis er am vorletzten Griff
passen musste. Bruno Vacka, vom Stil her eher Techniker, arbeitete sich
konzentriert bis zum selben Griff vor und … tropfte genauso ab. Ein
Revival des letztjährigen Finales kündigte sich an. Die
Schiedsrichter meinten kurzentschlossen: „dieselbe Traverse noch
einmal, mit ein paar Griffen weniger“. Ein Griff, den Bruno geschickt
zum Abkürzen genutzt hatte, fiel im Superfinale dem Sparzwang von
Daniel Gebel zum Opfer. Damit senkte sich die Waagschale zu Gunsten von
Benny, der anschliessend zum neuen Münchner Meister gekürt
wurde. Angesichts der Tatsache, dass Benny bei zwei Wettkämpfen im
Vorjahr Bruno knapp den Vortritt einräumen musste, waren mit
diesem Ausgang alle, sowohl Zuschauer als auch Teilnehmer,
hochzufrieden.

„und wie ist die Schweiz?“ – „flach!“
Bleibt noch zu erwähnen, dass man am Abend mit viel
Feuchtfröhlichkeit feierte und es hätte nicht viel gefehlt
und alle hätten sich um ein grosses Lagerfeuer versammelt, aber
halt, das war eine andere Geschichte: die von dem kleinen Gallier und
seinem dicken Freund, die waren, glaube ich, auch mal in der Schweiz
zum Klettern, womit wir wieder fast bei den Österreichern und den
Franzosen wären, aber dazu mehr im Juli bei der
Weltmeisterschaft…

Gedankt sei an dieser Stelle noch den großzügigen Sponsoren,
ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre: 
Sport Schuster, Lost Arrow, Sixtus, Basecamp, ispo, Sektionen
München und Oberland des DAV und Kletterzentrum München.

Download:
Ergebnis Kinder (PDF)
Ergebnis weibliche Jugend (PDF)
Ergebnis männliche Jugend (PDF)
Ergebnis Damen (PDF)
Ergebnis Herren (PDF)

Siehe auch:

www.kletterzentrum-muenchen.de