02. November: Stefan Glowacz und Robert Jasper starten Expedition zum Murallòn/Patagonien.
Am
2. November 2003 machen sich Stefan Glowacz und Robert Jasper auf, um
die noch unbestiegene Nord-Ost Wand es Murallòn, ein Berg auf
dem südlichen patagonischen Inlandeis – eine Wand aus 1300 Metern
Steileis und senkrechtem Fels – zu besteigen. Es gibt kaum Bild- oder
Kartenmaterial – die Region ist menschenleer, eingefangen zwischen
Inlandeis und Upsala-Gletscher. Die Stürme kommen vom wildesten
Meer der Welt, donnern über das Eis und umtosen den
Murallón mit Stärken von 200km/h. Was bei anderen
Expeditionen zum Standard gehört, also Träger, Köche,
ärztliche Versorgung etc., Glowacz und Jasper werden darauf
verzichten müssen. Sämtliche Ausrüstung und Lebensmittel
müssen von den beiden über schwerstes Gelände zum
Wandfuß transportiert werden. Dies bedeutet Verzicht – Essen und
Material wird auf das absolut Notwendigste reduziert. Die Chance in die
Wand einzusteigen werden Glowacz und Jasper in einer Eishöhle
abwarten, also an einem extrem feuchten und engen Ort. Stefan Glowacz
und Robert Jasper sind Kletterer und Expeditionsbergsteiger auf
höchstem Niveau: Es war klar, dass sich dieses Team für seine
erste gemeinsame Expedition einen „Highprice“ suchen würde: Die
beiden treten diese Expedition an, weil sie ihrem Ideal vom
Expeditionsbergsteigen entspricht: abgelegen, unentdeckt, fremd. Sich
das Fremde vertraut machen, den Horizont ein Stück erweitern und
dabei vor allem „fair“ bleiben halten die beiden für wesentlich.
Es geht darum, ausschließlich auf die eigenen Fähigkeiten zu
vertrauen. Nur so kann eine Befriedigung in der Auseinandersetzung mit
den Elementen entstehen. Stefan Glowacz und Robert Jasper werden am 2.
November nach Argentinien aufbrechen und hoffen, dass sie am Heiligen
Abend erfolgreich zurück kehren werden.

11. November/ Upsala Gletscher:

Robert Japer, Stefan
Glowacz, Klaus Fengler (Fotograf) und Sebastian Tischler haben ihr
vorgeschobenes Basislager auf dem Upsala Gletscher eingerichtet. Von
Buenos Aires flogen die vier Kollegen mit ihren 400 kg Gepäck nach
Rio Galegos. Ein einziger Land Rover transportierte die
Expeditionsteilnehmer nach Kalafate am Largo Argentino. Mit dem Boot
ging es dann weiter zur Hacienda Christina. Eigentlich hatten sie
gehofft, mit Pferden die Ausrüstung ins vorgezogenen Basislager,
eine Wetterstation ca. 30 km entfernt auf dem Gletscher, zu
transportieren. Für die Pferde ist der zerrissene Gletscher jedoch
zu gefährlich. Eine Woche lang wurde nun das Gepäck
geschleppt. Das Wetter ist wie erwartet: schlecht und stürmisch.
Die Expedition ist derzeit zum Warten gezwungen.

17. November/ „Refugio Pascal“:
Heute
rief Stefan mit Hilfe des Satelliten-Telefons an. Ein „Wunder der
Technik“ – er klingt so klar wie aus dem Nebenzimmer. Nur heute gabe es
wohl eine „atmosphärische Störung“: Erfeut berichte ich vom
herrlichen Fönwetter in München – und da knrischte und jaulte
es aus der Leitung – furchtbar. Nagut. Reisende fragt man nach dem
Wetter und der Unterkunft. Stefan, Robert, Klaus und Sebastian haben
sich vor einer Woche in einer Blechhütte eingerichtet. 4m x 5m
-„Hübsch kuschelig“, sage ich. „Knirsch“ sagt die Leitung. Dann
erkundige ich mich nach dem Wetter. Aha, nicht so schön wie bei
uns. Ob sie den bouldern würden. „NEIN. ICH SAGTE JA-ES IST KALT
UND STÜRMISCH!!!“. Oh. Da bleibt Zeit zum spekulieren, Stefan:
„Wir rechnen damit, in 5 Stunden über den Gletscher zum Wandfuss
zu gelangen. Jede Nacht um 3 Uhr stehen wir hoffnungsvoll auf,um sofort
zu starten – aber das ist momentan sinnlos. Das Wetter ist wirklich
übel.“

24.November: Robert, Stefan, Klaus und Sebastian haben den Fuss der Nord-Ost Wand des Murallón erreicht.

Das
Geduldspiel wird nun also in einer Eishöhle fortgesetzt. Denn das
Wetter spielt nicht mit – es ist sehr kalt und die starken Stürme
lassen noch keinen Versuch zu.

Siehe auch:
www.glowacz.de
www.robert-jasper.de