Dieses Jahr
sind die Wetterbedingungen aussergewöhnlich stabil und die
Eisverhältnisse sind sehr gut. An der beliebten „Ferrari-Route“ am
Alpamayo hängt aber eine grosse Wächte und die Route wird von
allen als zu gefährlich eingestuft. An der
Huascaran-Süd-Normalroute gehen im Sattel relativ häufig
Lawinen ab. Alle anderen Berge sind im Topzustand. Aufgrund der
hervorragenden Bedingungen wurde eine ganze Reihe schwerer Routen
wiederholt und einige Erstbegehungen gemacht.

Der schweizer
Bergführer Michel SIEGENTHALER hat sich zum sechzigsten Geburtstag
ein aussergewöhnliches Geschenk gemacht. Er hat in Südamerika
innerhalb von zehn Monaten sechzig Sechstausender bestiegen. Ein
grosser Teil der Gipfel wurde in der Cordillera Blanca realisiert. Mehr
Infos dazu unter www.alpirama.ch .

Eine
kleine Gruppe schweizer Bergsteiger hat für die Wiederholung
einiger harter Routen gesorgt. Walter HUNGERBÜHLER, Melanie
BLÄTTLER, Beat KRUMMENACHER und Florian STRAUB haben in der Zeit
vom 29. Juni zum 02. Juli am „Taulliraju“ (5830 m) die „Italienerroute“
wiederholt. Diese Mixedroute hat eine Wandhöhe von 650 Meter und
hat im Eis eine Neigung zwischen 75 und 80 Grad. Dieser Extremklassiker
in bestem Eis und Granit wird mit ED, A1 bewertet.

Beat und
Walter haben ausserdem in einem Tag (06. Juni) am „Huandoy Norte“ die
1200 Meter hohe Normalroute wiederholt (Bewertung D+).

Dem Team
gelang auch noch die Begehung eines Bigwalls an der „Esfinge“ (5325 m)
im Paron-Tal. Alle Seillängen der 800 Klettermeter langen „Cruz
del Sur“ (7a) wurden an einem Tag onsight bewältigt. Diese Route
wurde im Jahr 2000 von Bubu Bole und Silvo Karo erstbegangen. Mehr dazu
siehe unter www.rockandpowder.ch .

Melanie Bättler in der „Italienerroute“ am Nev. Tocllaraju
(Foto: Walter Hungerbühler)

Eine sehr schnelle Begehung des „Huascaran Sur“ (6768 m) gelang den Südtirolern Josef (Sepp) REICHSIEGL ( reichsiegl.j@dnet.it
) und Andi . Der Anstieg erfolgte über die Route „The Shield“ oder
auch „Escudo“ genannt ( 1000 m Wandhöhe, D+ ). Das Team durchstieg
die Route vom Basecamp (4150 m) zum Gipfel und zurück in nur 15
(in Worten : fünfzehn) Stunden.

Andi im Aufstieg durch die Route „Escudo“ am Huascaran-Südgipfel
(Foto: Sepp Reichsiegl)

Steve
House (USA) und Marko Prezeli (Slowenien) haben ebenfalls die
„Italienerroute“ am Nev. Taulliraju wiederholt. Sie eröffneten am
Nev. Cayesh 5721m eine neue 11 Seillängenroute in nur 15 Stunden
(Bewertungsvorschlag M8 und 5.10 / 6a).

Brian Mc Mahon und Josh
Wharton (USA) haben vier Bigwalls an der „Esfinge“ 5325 m aus dem
Urlaub mit nach Hause gebracht. Zum Anfang haben sie die „Original
Route 85“ (6c; 750 m) begangen. Darauf folgte „The Riddle of the
Cordillera Blanca“ (6a, A3, 600 m). Anstelle der technischen
Seillängen haben sie eine Variante begangen. Die Variante haben
sie „King of the Thebes“ (7b/7b+) benannt. Der Durchstieg erfolgte am
26. Juni 2005. Anschliessend haben sie den Klassiker „Cruz del Sur“ in
sieben Stunden begangen. Ihrer Ansicht ist die Route nur 7a+ wert
(Originalbewertung war 7c+). Für Mc Mahon war dann der Urlaub
vorbei und Wharton hat sich auf den vierten Bigwall gestürzt. Er
ging nochmals an die die „Original Route 85“ (6c; 750 m) und stand
bereits nach einer Stunde und 28 Minuten am Ausstieg.

Jeff Lowe
hatte 1985 die Nordwestwand am Nev. Trapecio 5644 m versucht. Er ist
allerdings an einem erfolgreichen Durchstieg gescheitert. Das
slowenische Team Pavle Kozjek, Miha Lamprecht, Branko Ivanek zusammen
mit dem Basken (Wohnsitz Huaraz) Aritza Monasterio haben dieses Jahr
die 800 m Wand in nur 12 Stunden durchstiegen (Bewertungsvorschlag :
ED+, M5, A2). Aritza Monasterio hat eine ganze Reihe von sehr schweren
Begehungen auf seinem Konto. Er zählt zur Zeit sicherlich zu den
erfolgreichsten Alpinisten Südamerikas.

Im Ishinca-Tal
gelang den Amerikanern Wayne Crill und Kevin Gallagher die
Rotpunkt-Begehung der Route „Karma de los Andes“ (Juni 2005). Die mit
5.11+ bewertete und 350 m hohe Route hat in der 6. Seillänge ein
beachtliches Dach von 10 Metern (für den Rückzug unbedingt
Seil fixieren).

Der 3.Turm beim Kontrollpunkt im Ishinca-Tal
(Foto: Marko Howorka)

Jamie
Laidlaw (USA) hat vielen gezeigt wo der Hammer hängt. Er hat mit
Schiern folgende Wände abgefahren : Tocllaraju Westwand Direkt
(11. Mai); Ranrapalca Nordwand (14. Mai), Artesonraju Süwestwand
(24. Mai) und zusammen mit Dana die Artesonraju Ostwand (28. Mai).

Der
Spanier Jordi Coraminas kann drei Wände im solo und in Rekordzeit
für sich verbuchen. Die NO-Wand am Nev. Sarapo 6127 m (3 Std.
Aufstieg MD-, 2 Std. Abstieg MD-), SW-Wand am Santa Cruz 6259 m
(Aufstieg über die 84er Route in 6 Std. MD; Abstieg über die
77er Route in 3 Std. MD-), NW-Wand am Huascaran Norte 6654 m über
eine Variante zur Franzosenroute 73 (Auf- u. Abstieg der 1300m Wand in
12 Std.).

Zum Abschluss noch zwei Erstbegehungen der jungen deutschen Alpinisten Moritz Wälde ( moritzwaelde@gmx.de ) und Tobi Lochbühler ( tobi_lochbuehler@gmx.de ).

Moritz und Tobi in „Ösis Locodromo“ in Huaraz
(Foto: Ösi)

Die
„Via Marylin“ (80 Grad , IV, 300 m) haben sie an der Südwand der
Pyramide de Garsilasco 5885 m begangen (Paron-Tal). Die Route
verläuft links der SW-Direkt. Die Route „Fight Club“ (WI4, M5, 85
Grad, 800m) gelang ihnen an der S-Wand des Nev. Andavite 5513 m. Beide
Routen wurden im Juli/August 2005 begangen.

„Ösi“
claudio_arriero@hotmail.com
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