General DisarrayZurück von einem eher „warm-feuchten“ Fontainebleau Aufenthalt im Februar habe ich mir vorgenommen in der Schweiz die hoffentlich trockeneren Bedingungen gut auszunutzen und viel draussen zu bouldern. Denn gerade im Tessin sind die ersten Frühlingstage oft die besten zum Klettern. Obwohl, es war eigentlich den ganzen Winter ein bisschen Frühling, aber trotzdem…

In Brione wollte ich „General Disarray“ versuchen. Diesen Boulder hat Dave Graham erstbegangen und als hart 8b evt. 8b+ bewertet. Auf vier schwere Züge an offenen Seitgriffen und Auflegern folgt ein etwas wackliger Ausstieg über einem unangenehmen Baumstrunk. Insgesamt also kurz und kompakt und vor allem schön! Am 2. März war es soweit. Nachdem ich drei Tage vorher die Züge einstudiert habe, gelang mir bereits der Durchstieg. Möglicherweise handelt es sich um die erste Wiederholung. Umso schöner, dass mir am selben Tag auch „Le Salamandre“ 8a+ gelang.

Drei Tage später war ich unterwegs nach Branson ins Wallis. Dieser Ort hat eine lange Bouldertradition und ist wohl die Wiege des Schweizer Boulderns. Mein Ziel war „La Danse des Balrogs“: Ein hartes Stück Arbeit von Fred Nicole und der erste 8b Boulder weltweit – damals 1992!

General DisarrayNachdem ich mir die Züge eine gute Woche vorher angeschaut habe, war es mein zweiter Abstecher ins Unterwallis. Ein perfekter Tag mit etwas Sonne und trockenem Wind und tatsächlich, im dritten Anlauf klappte es, 15 Jahre nach der Erstbegehung.

Und wieder drei Tage später ging es nach Chironico. Einmal mehr wunderbares Wetter, wolkenloser Himmel und knochentrocken, aber auch recht warm. An der Sonne wurde ich schon richtig frühlingsmüde… Zum Glück gibt es Schatten.

Mit Seil und Gurt machte ich mich auf zu „Delusion of Grandeur“, einem 8b Boulder von Dave Graham. Die Züge unten habe ich mir zuvor schon angeschaut. Der Ausstieg ist rund und hoch und man solle besser mit Seil das erste Mal probieren… So hängte ich mich ins Grigri und tatsächlich, nach gut 15 Zügen an Leisten und einem ausladenden Auflegerband folgt ein recht eckliger Ausstiegszug auf eine glatte Platte. Die Höhe und der spitzige Stein in der Anflugschneise tragen das ihre dazu bei.

So gut wie möglich verteilte ich die Matten und machte einen ersten Versuch. An der Kante rutschten aber die Füsse weg und ich schwang hinaus und landete mit einem Fuss gerade noch auf der Matte. Der andere blieb im Abhang im Geröll stecken. Also noch einmal Glück gehabt. Der zweite Versuch endete dann vor dem Ausstiegszug, weil ich einfach zu viel Respekt hatte mich ganz ohne Spoter über die Kante zu drücken. Was jetzt? Einfach abziehen ohne durchzuklettern?

Nun gut, ich hängte das Seil nochmals ein, fixierte das Grigri vor der Kante, stieg in den Sitzgurt und kletterte los. Kurz vor dem Ausstiegszug hängte ich dann das Grigri in den Gurt und kam sicher und froh oben an. Ein bisschen war es wie Seilklettern, aber bei mehr als 15 Zügen muss man ja bald schon von einer Route sprechen!

Als Abrundung dieser tip topen Kletterwoche konnte ich ebenfalls in Chironico „Komilator“ 8a klettern.

Franz Widmer

Siehe auch:
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