Es waren nicht viele, die sich aufgemacht hatten, den DAV bei der Jugend-WM in Edinburgh (GBR) zu vertreten, aber das kleine Team holte gleich vier Medaillen - davon zwei Goldene - das hatte es noch nie zuvor gegeben bei einer Jugend-WM.

Reichlich Edelmetall für den DAV bei der Jugend-WM in Edinburgh

Für die Leadwettkämpfe hatten sich über die EYCs in dieser Saison qualifiziert: Hannah Bähr (Schwäbisch-Gmünd), Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) sowie David Firnenburg (Alpinclub Hannover) in der Jugend B, Alexander Megos (Erlangen) in der Jugend A und Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) sowie Jan Hojer (Frankfurt) bei den Junioren. Im Speed starteten die drei Junioren von der Sektion Schwaben: Isabell Haag, Maximilian Porscha und Fabian Bosler.

Fotostrecke: Jugend-WM 2010 in Edinburgh

Fotos: © Jorgos Megos

Auf die DAV -Vertreter wartete eine der beeindruckendsten Kletterhallen der Welt, die bereits 2004 die Jugend-Weltmeisterschaft beheimatet hatte. Im Eica Ratho Centre wurden die Wände kurzerhand in einen alten Steinbruch hinein gebaut und das Ganze auf der einen Seite mit einem mehrgeschössigen Gebäude mit Glasfronten begrenzt und alles großflächig überdacht.Knappe 30 Meter Deckenhöhe mit Hochseilgarten unter dem Glasdach machen die Halle zu einem ganz besonderen Erlebnis – die über 20 Meter hohen Wettkampfwände gehen in der riesigen Halle auf den ersten Blick fast schon unter. Insgesamt 430 Starter in den beiden Disziplinen machten die Jugend-WM in Schottland zur größten Kletter-Veranstaltung im internationalen Terminkalender bislang.

In diesem Setting hieß es für die deutschen Kletterer erst einmal die Qualifikation überstehen – dies taten auch alle Starter mit Bravour und auch das anschließende Halbfinale der besten 26 stellte leider nur für einen ein Hindernis dar: Ausgerechnet der zuletzt beim EYS in Wien als Sieger hervorgegangene Jan Hojer hätte sich sicher mehr ausgerechnet, aber er scheiterte an einer Sequenz an der Dachkante, als er einen Körperschwung nicht mehr abfangen konnte.So blieb leider nur der enttäuschende 16. Platz für den Frankfurter, der aber zumindest noch am kommenden Wochenende bei der EM in Imst eine weitere Möglichkeit bekommt, seine Form unter Beweis zu stellen.

Für den Rest der Truppe hieß es also „WM-Finale“ und als erster der DAVler musste EYC-Seriensieger und Europameister Alexander Megos an die Wand. Nach einem Fehler im Halbfinale musste der erfolgsgewohnte Franke als Achter und damit schon als erster Finalist aus der Isolation und sah hier in der eher flachen und technischen Finalroute ungewohnt unsicher aus.Bereits relativ früh an einem weiten Zug war dann auch schon Schluss für Alexander, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was seine Höhe wert war, allerdings fest damit rechnete, am Ende auf dem letzten Finalrang zu landen. Dementsprechend enttäuscht war er auch. Für sein für ihn ungewohnt frühes Ausscheiden machte er Krämpfe in den Armen und dem ganzen Körper verantwortlich – vielleicht durch zu wenig Flüssigkeit oder das harte Halbfinale zuvor.

Aber seine Kollegen aus der Jugend A hatten ebenfalls mit der kleingriffigen und technischen Route in der flacheren Wettkampfwand zu kämpfen – niemand schaffte die Höhe von Alexander bis zum letzten Starter Jure Raztresen (SLO). Erst dieser knackte die Stelle, der auch Alexander zum Opfer gefallen war, und verdrängte ihn von der Weltmeister-Position. Damit holte Alexander den Vizeweltmeistertitel in der Jugend A – eine Trophäe mit der er selbst zuerst wohl am allerwenigsten gerechnet hätte.

Die Jugend B durfte derweil an die steilere, neue Wettkampfwand und hier hatten es mit David Firnenburg und Sebastian Halenke gleich zwei DAVler in das Finale der besten 8 geschafft. Und David konnte auch gleich als dritter Starter eine erste Höchstmarke setzen – erst kurz vor Top musste der Hannoveraner den Abflug antreten.Erst der vorletzte Starter Loic Timmermans (BEL) überkletterte Davids Höhe, so dass vor dem letzten Kletterer der Jugend B David zumindest schon eine Medaille sicher hatte. Und der letzte Starter war ja immerhin der Mannschaftskollege und Vorjahres-Weltmeister Sebastian Halenke.

Der ließ dann allerdings nichts anbrennen und toppte als einziger die Finalroute – damit war er nicht nur nach 2009 erneut Jugend-B-Weltmeister, sondern auch der einzige Kletterer der Jugend-WM, der in allen Runden jeweils top klettern konnte. So gab es neben dem Weltmeistertitel gleich auch noch eine weitere Medaille bei der Jugend B – perfekte Bilanz!

Bei den Junioren musste Thomas Tauporn ebenfalls in die etwas flachere Wand mit der Route, die zuvor schon Alexander Megos Probleme bereitet hatte. Aber wer in letzter Zeit auf den Weltcups unterwegs gewesen ist, den schockt eine solche Stelle nicht und so konnte Thomas als drittletzter Starter als erster die Schlüsselstelle überklettern.Jetzt hieß es bangen, denn es sollten noch zwei Junioren kommen, die in der Vorrunde wie Thomas ebenfalls alles top geklettert waren. Aber der Österreicher Mario Lechner, laut Tauporn sein schärfster Konkurrent, kam zwar über die Schlüsselstelle, nicht aber an Tauporns Höchstmarke heran.

Und Eric Mateos Lopez (ESP), letzter Starter im Juniorenfeld, scheiterte bereits weiter unten in der Route, so dass es einen weiteren Jugend-Weltmeister aus Deutschland gab! Damit konnte sich Thomas in seinem letzten Jugend-Jahr endlich den großen Titel holen, an dem er mit einem Vizeweltmeistertitel und einem dritten Platz schon so knapp vorbeigeschrammt war.