Meist fliegt er sehr weit hinunter, diesmal stieg er hoch hinauf: Skispringer Simon Ammann, der erfolgreichste Schweizer Olympionike aller Zeiten, erfüllte sich nach seinem Doppel-Olympiasieg in Vancouver einen Traum und bezwang unter Führung des Schweizer Bergsteigers Michael Lerjen seinen ersten Viertausender.

Rekord-Olympiasieger Simon Ammann besteigt seinen ersten Viertausender

Simon Ammann sitzt in der Gondel der Zermatter Luftseilbahn auf das Klein Matterhorn. Er lacht und scherzt mit seinem Freund, dem Bergsteiger Michael Lerjen. Obwohl er sich mit vier Olympiasiegen, einem WM-Titel, 17 Weltcup-Triumphen und einem Gesamt-Weltcupsieg rühmen kann, hat der 28jährige seine Bodenhaftung behalten.

Fotostrecke: Simon Ammann am Breithorn

Fotos: © Kurt Reichenbach

Nach seinem Doppel-Olympiasieg in Vancouver gewann er zum Saisonende noch WM Gold im Skifliegen mit einer unglaublichen Siegesweite von 236,5 Metern – das entspricht der Länge von zwei Fußballfeldern!

Seit Wochen wird Simon Ammann von Medien und Sponsoren belagert. Doch der Ausnahmeskispringer aus Unterwasser hat gelernt, sich freizuschaufeln. 95 Prozent aller Anfragen lehnt er ab. Stattdessen ist er heute hier, am westlichen Ende des Monte-Rosa-Massiv, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen.Gemeinsam mit seinem Freund, dem 24jährigen Profi-Alpinisten Michael Lerjen aus Zermatt, will er seinen ersten Viertausender besteigen. "Aktive Erholung zum Idealen Zeitpunkt in unberührter Natur" nennt er die Aktion.

Lerjen wurde im zarten Alter von 11 Jahren von seinem Vater zum ersten Mal mit aufs Matterhorn genommen. Mit 21 bezwang er als jüngster Europäer einen 8000er ohne Sauerstoff. Nun will der Bergführer in der 6. Generation den Olympiasieger auf das 4.164 Meter hohe Breithorn bringen.

Ammann und Lerjen übernachten zunächst in der Klein Matterhorn Bergstation, in der dünnen Luft auf 3.820 Meter über dem Meer. Solche Höhen ist der Leistungssportler nicht gewohnt. Der Aufstieg auf das Breithorn dauert je nach Kondition zwischen eineinhalb und drei Stunden. Doch es ist eine hochalpine Tour, die entsprechende Ausrüstung und Erfahrung erfordert.

Noch vor Sonnenaufgang brechen die beiden Freunde auf. Erste Etappe an diesem Morgen: das Gipfelkreuz des Klein Matterhorns auf 3.838 Metern. Hier weist die Sonne den Weg zum eigentlichen Tagesziel, dem 4.164 Meter hohen Breithorn.

Ihre Route führt über den Firn des Breithornplateaus und schließlich von Osten her über einen schmalen Grat auf den Westgipfel. Für Hobby-Alpinisten mag dieser Aufstieg leicht erscheinen, für den 58 Kilogramm leichten Ammann, der sich normalerweise eher abwärts bewegt, ist es eine echte Herausforderung.

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Der Ostgrat ist nur für schwindelfreie und trittsichere Bergsteiger geeignet. Bergführer Michael Lerjen marschiert vorweg. 2007 konnte der Zermatter mit 2 Stunden 33 den Geschwindigkeitsrekord für die Matterhornbesteigung brechen, den sein Großvater vor 54 Jahren aufgestellt hatte. Simon Ammann bringt er in einer Zeit von 2 Stunden auf den gegenüberliegenden Gipfel des Breithorns. Am Ziel seiner Träume genießt der vierfache Olympiasieger einen 360 Grad Rundblick auf die umliegenden Gipfel der schweizerischen, französischen und italienischen Alpen. "Sensationell, wirklich sagenhaft", schwärmt Simon Ammann. "Danke Michi, dass Du mich hier rauf gebracht hast, davon werde ich noch lange zehren. Dieser Ausblick ist einfach einmalig!"

"Wart erst mal ab, bis wir die Abfahrt hinter uns haben", lacht Michael Lerjen. "Dann kannst Du anfangen zu schwärmen." Wie auf Kommando stürzt sich Simon Amman in den fast knietiefen Pulverschnee – und macht auch auf Abfahrtski eine gute Figur…