Anfang Februar reiste Robert Jasper zusammen mit Markus Stofer aus der Schweiz für einen Eisklettertrip nach Norwegen.

Robert Jasper gelingen Eis-Bigwalls in Norwegen

Hier der Bericht von Robert Jasper: Schon 1999 hatte ich in den Fjorden Norwegens bei Gudvangen (Aurland) im Naeroydalen große Wasserfälle entdeckt, die wohl zu den absolut höchsten weltweit zu zählen sind. Die Wetterbedingungen sind aber gerade so nah am Meer äußerst ungünstig zum Eisklettern. Der milde Golfstrom und die oft herrschende Westwetterlage verhindern meist das Gefrieren der riesigen Wassermassen die über senkrechte Felswände in El Cap-Größe hinunter in die Fjorde stürzen.

Fotostrecke: Robert Jasper gelingen Eis-Bigwalls in Norwegen

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Die diesjährige außergewöhnlich lange Kältewelle mit Temperaturen bis zu -30°C hatte aber ganz Norwegen zu Eis erstarren lassen. Dies war die Chance die wir uns als Eiskletterer nicht entgehen lassen konnten. Mit „Into the wild “ WI 6X, 900 Höhenmeter und einer Länge von ca. 1300 Metern gelang uns eine der längsten Eisfallrouten.

Weiter führte die Reise zum Eidfjord, wo Klassiker wie der Vöringsfossen, 180 Meter WI6 warteten. An der Südwand des Mabodalen eröffneten wir mit „Landeplage“ WI 7-; 240 Meter eine phantastische Mixedlinie über freihängende Eiszapfen. Erst letztes Jahr war ein kanadisches Eiskletterteam hier aktiv gewesen und es gelangen begeisternde Routen zwischen WI5 -WI6+.

In den mittleren Schwierigkeitsgraden kann man sich allerdings nach Aussage einiger Norwegischer Eislocals heute nicht mehr sicher sein, ob es sich tatsächlich um Erstbegehungen handelt. Es gibt auch in Norwegen sehr gute Eiskletterer und das Land der großen Wasserfälle und unzähligen Klettermöglichkeiten ist weltweit bei Eisfreaks immer populärer geworden. Trotzdem ist man hier fast immer allein und dadurch ist der Abenteuerwert noch um vieles größer als bei uns in den Alpen.

Zurück in Gudvangen wagten wir uns an den markantesten Eisfall des ganzen Naeroydalen. Erst sah das Eis zum klettern noch zu dünn aus, jetzt schien es dicker gewachsen zu sein.

Zur Erkundung kletterten wir die ersten 300 Meter. Das Eis war gläsern aber dick genug. Wir verschoben unseren Rückflug, um zwei Tage später einen Versuch starten zu können. Die Mixedseillängen im Mittelteil hielten uns lange auf,  bei -10°C war das Eis noch glasiger als am Vortag.

Nach zwei Drittel Wandhöhe kletterten wir noch zwei Seillängen im Dunklen, dann mussten wir einsehen, dass wir in der Nacht keine Chance in der weiterhin anhaltend steilen Eiswand hatten. An zu Kabeln vereisten Seilen seilten wir deprimiert ab, das „Fosslimonster“ hatte gesiegt.

Wieder zurück zuhause ging mir das Monster aber nicht mehr aus dem Kopf.  Nach dem Eisevent am Wochenende war es soweit. Ich wollte unbedingt meinen großen Traum vom wildesten Eisfall meines Lebens realisieren.

Zusammen mit Roger Schäli aus der Schweiz, der zu meinem Glück spontan zusagte, flog ich wieder zurück nach Norwegen. Eine von der Fluggesellschaft liegen gelassene Tasche, Zollprobleme mit unserer Kletterausrüstung und ein uns die Vorfahrt nehmendes Auto kosteten uns einen vollen Tag und hätten das Eintreffen in Gudvangen fast noch verhindert. Am nächsten Morgen um 4 Uhr waren wir dann aber hoch motiviert am Start.

Es war viel wärmer, so um die null Grad, also genau der richtige Tag. Nach hartem Ringen gelang uns endlich die ersehnte Erstbegehung von „Fosslimonster“ M8+, WI6+, 800 Höhenmeter, ca. 1000 Klettermeter. Damit konnten wir zwei der wohl höchsten Wasserfälle weltweit erstbegehen. Ein großer Traum ging in Erfüllung, denn so einen Eisfall, so eine perfekte zu Eis erstarrte Linie des Wassers, werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr finden. Am darauf folgenden Tag begann es ernsthaft zu tauen.

Es ist die längste Eisfallkletterei in diesem Schwierigkeitsbereich die ich kenne, absolut extrem. Für mich war es die vollkommene Verbindung aus unserem Sport, modernes Eis und Mixedklettern, in dieser Länge für uns ein neuer Schritt, ein riesiges Abenteuer,  und darauf kommt es doch an!