Der
italienische Bergsteiger Simone Moro ist wieder an den Bergen der Welt
unterwegs und berichtet regelmäßig über die
Fortschritte der Expedition. Diesmal ist er am Lhotse (8.516m) zu
finden…

21.04.2006
Nach
drei Tagen und 3 Nächten auf 6400 Meter in Lager 2 des Everest und
Lhotse, blockiert von einem Sturm und starken Schneefällen, bin
ich endlich wieder im Basislager, noch dazu mit herrlichem
Sonnenschein. Mit der Nacht am Island Peak, habe ich inzwischen 4
Nächte auf über 6000 Metern verbracht….

Gestern war
wirklich ein überaus anstrengender Tag. Obwohl im Lager 2
zwölf Sherpas und drei Alpinisten blockiert waren, war der Weg und
das Spuren nach unten bis Lager 1 wirklich mörderisch. Der Grund
dafür war nicht der Meter Neuschnee, sondern die Tatsache, dass
nur 3 gearbeitet haben!!!! Ich hab es satt für andere zu schuften
und dann auch noch still zu sein. Gestern schufteten sich nur Simone
Moro und die zwei Sherpas, Ang Dorji und Zulding (siehe Fotos) zu Tode.

Erschöpft in Lager 1 angekommen haben wir dann ca. 30
Alpinisten angetroffen, die ebenfalls seit 3 Tagen blockiert waren und
darauf warteten, bis jemand kommt um sie zu „befreien“. Es wäre zu
schön gewesen sie anzutreffen, während sie sich den Weg nach
unten frei machten, zumindest einige von ihnen, die Stärksten, die
Erfahrensten, aber nein…. Sch…… so habe ich mich an die Spitze
gesetzt und gefolgt von den zwei vertrauten Sherpas weitergearbeitet
bis wir auf eine Mannschaft, bestehend aus 20 Sherpas, gestoßen
sind, welche den Weg von unten frei gemacht hatten und uns entgegen
kamen.

Heute
hingegen eine traurige Nachricht: 3 Sherpas sind von einem gewaltigen
Serac zerdrückt worden, als sie fast das Ende des Icefalls
erreicht hatten. Kein Kommentar, nur Stille und Gedanken. Sie waren
hier um zu arbeiten und werden jetzt für immer hier bleiben.
Einige Sherpas sind dann zu mir gekommen und haben mich gebeten zu
telefonieren um den Familienangehörigen von der Tragödie,
bzw. von ihrem Glück nicht untergekommen zu sein zu berichten…

Ciao,
Simone

26.04.2006
Dritter
Tag mit Antibiotika und Schmerzen an einem Stockzahn, den ich vor
einigen Jahren rekonstruiert habe. Mein Zahnarzt Fabrizio Gambia und
ich haben wir festgestellt, dass es sich um einen Eiterherd mit
Entzündung unter dem Stockzahn handelt und dass daher der Gebrauch
von Antibiotika unvermeidbar war. Ich habe auch ein paar
schmerzlindernde Medikamente genommen, aber nichts
außergewöhnliches. Der Zahn schmerzt, wenn man von oben
darauf drückt (beim Kauen), doch wenn ich rede oder sonst was
unternehme ist der Schmerz minimal.

Heute wäre ich nur
allzu gerne in Lager 2 und übermorgen in Lager 3 auf  7400
aufgestiegen, doch ziehe ich es vor, zuerst die Antibiotikakur hier im
Basislager abzuschließen. Die Wettervorhersagen sind auch nicht
von den besten und deshalb werde ich mit Kopf agieren und nicht
impulsiv.

Im Basislager läuft das Leben regulär ab und es gibt immer jede Menge zu tun um die Zeit zu verbringen.

Die
Nachrichten die von Kathmandu kommen, besagen, dass eine Normalisierung
im Gang ist, auch wenn gerade in den letzten Wochen die Anspannung
besonders hoch war. Der König hat endlich entschlossen mit Kopf
und nicht mit Macht vorzugehen. Die Demokratie kann langsam ihren Weg
beginnen, auch wenn sie sich mit den Maoisten konfrontieren werden
muss, sowie auch mit allerlei anderen Interessen.

Heute sind die
polnischen Komponenten der Everestexpedition, mit der ich das Permit
und das Basislager teile, bis auf  Lager 2 auf 6400 Meter
aufgestiegen. Dort werden sie 2 Tage bleiben und wenn es ihnen gut
geht, wollen sie dann noch versuche Lager 3 zu erreichen.

Hier rechts ihre Gesichter und Namen:

Boguslaw Ogrodnik e Janusz Adamski
Martina Wojciechowska
Tomasz Kobielski
Wojciech Trzcionka
Martina, Dariusz Zaluski e Yura Yermachek

Ciao und bis bald,
Simone


Siehe auch:

www.simonemoro.com