Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte,

Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten,

Achte auf Deine Taten, denn sie werden deine Gewohnheiten,

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter,

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

[Aus einem alten Weisheitsbuch]

Hans Saler
Zwischen Licht und Schatten
Die Messner-Tragödie am Nanga Parbat

„Bitte nicht noch ein Buch über die Nanga Parbat Expedition von
1970.“ So mag mancher stöhnen, doch dieses Werk von Hans Saler ist
anders und auch die Umstände des Erscheinens sind andere. Der
herausgebende A1-Verlag hatte bislang überhaupt nichts mit
Bergliteratur zu tun und veröffentlicht Zwischen Licht und Schatten
trotz eines von Reinhold Messner angestrebten gerichtlichen Verfahrens
der „Meinungsfreiheit“ wegen. Dies zwar in einer gegenüber der
ersten beiden Auflagen leicht überarbeiteten Fassung, aber selbst
diese Version hat es noch in sich.

Hans Saler, selbst Mitglied der damaligen Expedition, zeichnet in
seinem Buch ein sehr feines Bild der Charaktere der damaligen
Teilnehmer ohne sich in Schnörkeln zu verlieren. Wohltuend bei den
über 200 Seiten ist für den Leser, dass Saler kein
Bergbuchautor ist und auch selbst bislang kaum Bergbücher gelesen
hat.

So wirkt sein Schreibstil sympathisch anders und frei. Er ist ein
kleiner „Schöngeist“ und scheut auch nicht davor zurück mal
Schwanensee, mal Shakespear zu bemühen, um Situationen oder
Gefühle zu verdeutlichen. Ein sanftmütiger Mensch spricht
durch die Zeilen zum Leser, doch immer wieder platzt dem Autor
erkennbar der Kragen. Regelmäßig, wenn von Reinhold Messner
die Rede ist, schwindet diese Sanftmut und die Leichtigkeit. Die
Sätze werden kürzer, wirken abgehackt, gar abgefeuert als
Wortkanonen. Zielsicher zwar und ungeheuerlich zu lesen, doch die damit
einhergehenden Ausrufezeichen wirken leider kontraproduktiv, da sie zum
Teil übermäßig eingesetzt werden. Ein sparsamerer
Einsatz hätte sicherlich mehr gebracht.

Auf der anderen Seite aber durchaus verständlich. Reinhold Messner
kommt alles andere als gut in Salers Buch weg. Messner drückt sich
demnach vor Arbeiten, lässt andere für sich schuften,
schont sich lieber für den Gipfelgang und hat – laut Saler – einzig
seinen eigenen Erfolg und die Überschreitung des Nanga Parbat im
Sinn, die ihn als jungen Mann in den Bergsteiger-Olymp erheben soll,
was auch tatsächlich eintritt. Nicht in Messners Plan – wenn man
Saler folgt – ist sein Bruder Günther, der ihm überraschend
zum Gipfel nacheilt und schließlich unter ungeklärten
Umständen am Berg bleibt.

Saler gelingt es durch Abstellen auf das menschliche Miteinander bei
dieser Expedition und die schöne Ausarbeitung der einzelnen
Charaktere selbst so „trivial“ scheinende Aussagen von Messner
„Günther drängte darauf über die andere Seite
abzusteigen. Ich argumentierte dagegen, doch konnte mich nicht
durchsetzen“, als extrem fragwürdig erscheinen zu lassen, da dies
nicht im mindesten in das Gesamtbild dieses Menschen passt.

Auch vergleicht Saler wechselnde Aussagen und Zitate Reinhold Messners
der vergangenen 30 Jahre miteinander und deckt deren
Widersprüchlichtkeit auf. Messner hat demnach immer wieder „seine Wahrheit“ geändert, revidiert, angepasst, „glatter“
gemacht.  Da bleibt kein gutes Haar mehr übrig. Messner der
Rücksichtslose, Messner der Demagoge, Messner der
Größenwahnsinnige.  In der Tat lassen die
angeführten Zitate von Reinhold Messner aus verschiedenen
Interviews kaum einen anderen Schluß zu. Aber gerade weil diese
Aussagen von solch großer Bedeutung sind, hätte ich mir im
Buch einen detaillierteren Quellennachweis erhofft, um das Gelesene
selbst einmal verifizieren zu können.

Aber auch ohne diesen Nachweis bleibt der Leser nach der Lektüre
verstört zurück – sieht gar sein kleines „Weltbild“ wanken.
Wie schreibt jedoch Saler schon in seinem Vorwort: „Es gibt weder von
unserer noch von Reinhold Messners Seite eine bewiesene Wahrheit. Es
gibt aber eine ganze Reihe belegbarer Fakten und Aussagen – darunter
viele Aussagen von Reinhold selbst -, die eindeutig gegen die von ihm
verbreitete Darstellung der Umstände sprechen.“

Genau diese Widersprüche hat Saler fein herausgearbeitet und in
einem sehr lesenswerten und spannenden Buch zusammengefasst.

Siehe auch:
Kleiner Verlag lässt sich von Reinhold Messner nicht
stoppen

Link:
www.a1-verlag.de

 

Hans Saler wurde 1947 in München geboren.  Seit frühester Jugend ist er Extrembergsteiger.
Als 22-Jähriger war er 1970 einer der jüngsten Teilnehmer der
deutschen Nanga-Parbat-Expedition.  Fast drei Jahrzehnte bereiste
er danach als »Nomade« die Welt, lebte dabei u.a. bei
Bergstämmen, bei Indianern, auf selbst gebauten Segelbooten und in
einsamen Blockhütten. Lange Zeit arbeitete er als
Sozialberichterstatter.  Heute wohnt er mit seiner Frau am
Fuße eines aktiven Vulkans in Chile und leitet als
Bergführer ein Tourenunternehmen.


ZUM BUCH
224 Seiten, gebunden
mit zahlreichen, teilweise farbigen Abbildungen
EUR 17,40 [D]
sFr 29,90
ISBN 3-927743-65-8