Am
18. Januar kam das Magazin »Climb! Klettern drinnen und
draußen« in seiner ersten Ausgabe auf den Markt. Das ist
auf climbing.de in einem Beitrag gemeldet worden. Prompt gab es einige diskussionswürdige Kommentare. Thomas Bucher, Redakteur bei CLIMB!, diskutiert mit:

Dünnbrettbohren?
»Schön,
dass unser neues Klettermagazin nicht ignoriert wird – noch nicht
einmal von denen, für die CLIMB! eigentlich gar nicht geschrieben
ist: für die alten Hasen, die ohnehin schon alles wissen (oder zu
wissen glauben). Dass die sich jetzt mordsmäßig aufregen,
war vorhersehbar. Die Argumente auch.

Eines lautet zum Beispiel,
wir würden mit Themen wie »Hallentests«,
»Welches Seil muss ich beim Klettern festhalten«,
»Die besten III+-Routen im Frankenjura« und
»Eindrehen leicht gemacht« nur Dünnbrettgebohre
absondern. Wer, so fragt sich der Autor jenes Kommentars, brauche so
eine Gazette?

Gegenfrage: Wie arrogant muss man eigentlich sein,
um den gesamten Indoor-Bereich als nebensächlich abzutun? Wieviel
Überheblichkeit braucht es, um Beiträge über
Sicherungstechniken und GriGri-Unfälle als Flachsinn für
Ahnungslose zu bezeichnen? Wo glaubt man zu stehen, wenn man es
für total daneben hält, im Frankenjura leichtere Routen
vorzustellen (übrigens schwerpunktmäßig im Bereich bis
VII+, nicht III+).

Vielleicht hat diese Haltung gar nicht nur
mit Überheblichkeit zu tun. Sondern mit einem ganz normalen
Vorgang, den bisher noch jede Szene mitgemacht hat, wenn sie ihren
Kinderschuhen entwächst: Sie teilt sich. Auf der einen Seite nimmt
die breite Masse zu. Auf der anderen Seite stehen die
»echten« Szenefreaks, die schon dabei waren, als es die
Szene noch gar nicht gegeben hat. Ein bisschen weit hergeholt?
Keineswegs. Man lese einen anderen Kommentar aus der gleichen Serie,
der mit den Worten schließt: »Macht doch bitte ein reines
Hallenmagazin und eins für ›echte Kletterer‹! Oh
tempora, o mores!«

Vielen Dank für den Tipp. Nur: Die
Kletterwelt ist nicht ganz so einfach. Man gehe mal in die Kletterhalle
und schaue. Wen trifft man dort? Erstens: die sogenannten
»echten« Kletterer (auf Anfrage erhält man die
Auskunft, man sei nur zum Trainieren da; Spaß mache das hier
natürlich überhaupt nicht). Zweitens: einen bunten Haufen
vielseitig orientierter und interessierter Leute. Und wen trifft man
dort nicht? Das Heer hallenfixierter Kletterhamster. Genau deshalb gibt
es auch kein reines Indoor-Magazin, und es wird auf absehbare Zeit wohl
auch keines geben.

Dafür gibt es jetzt CLIMB! Das Magazin
ist der Versuch, mit einem neuen Klettermagazin auf die neuen
Ansprüche einer sich verändernden Kletterszene zu reagieren.
In den letzten fünf Jahren hat sich die Szene rein
zahlenmäßig verdoppelt. 75 Prozent aller heutigen Kletterer
klettern bis VII+, 80 Prozent gehen drinnen und draußen zum
Klettern. An diese 75 bis 80 Prozent richten wir uns. Eines ist damit
klar: Wir sind kein avantgardistisches Magazin, und zwar mit Absicht.
»Peak« hat uns gelehrt, dass ein wirklich toll gemachtes
Heft nicht unbedingt erfolgreich sein muss.

Es gibt halt immer
zwei Möglichkeiten, Neuem zu begegnen. Möglichkeit eins:
sofort losballern, und zwar kräftig und mit Häme.
Möglichkeit zwei: erst einmal abwarten, anschauen, dann urteilen.
Für welche Möglichkeit man sich entscheidet, bleibt jedem
selber überlassen.«

Thomas Bucher

Siehe auch:
»CLIMB!« – Das neue Magazin für Kletterer
www.climb-magazin.de

Thomas Bucher
Climb! Redakteur