Zwei Haupttrends kennzeichnen die Bergunfallstatistik des DAV für das Jahr 2010: Einerseits geht die Zahl der Bergunfälle nach langjähriger steigender Tendenz um zwei Prozent zurück.

Bergwacht Bayern Andererseits sind immer mehr Bergsportler zwar gut ausgerüstet, aber schlecht vorbereitet. Vielen mangelt es an Kondition, alpinem Können und der richtigen Selbsteinschätzung.

Besonders erfreulich ist der sich seit vielen Jahren fortsetzende Rückgang an tödlichen Unfällen – bei generell sehr niedrigem Niveau: 2010 verunglückten 40 DAV-Mitglieder in den Bergen tödlich, 2009 waren das noch 41. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der DAV-Mitglieder um 42.000 auf 893.000. Relativ zur Mitgliedersteigerung gesehen sinkt also die Zahl der Bergunfalltoten um 20 Prozent.

Rückgang bei Hochtouren und Klettersteigen

Das bemerkenswerteste Ergebnis der DAV-Unfallstatistik findet sich beim Hochtourengehen. Wurden im Jahr 2009 noch 65 Unfälle gemeldet, so waren das 2010 nur noch 35 – das bedeutet einen Rückgang um 46 Prozent. Ein Grund dafür dürfte allerdings weniger das Verhalten der Bergsportler, als vielmehr das Wetter sein: In den österreichischen Alpen regnete es im letzten Sommer häufig und in den Schweizer Bergen war es oftmals gewittrig; Hochtouren waren also nur selten möglich.

Mit 18 Prozent nicht ganz so deutlich ist der Unfall-Rückgang beim Klettersteiggehen von 28 auf 23 Meldungen. Bemerkenswert ist dieses Ergebnis dennoch, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Klettersteigunfälle seit über zehn Jahren stark ansteigt. Für beide Disziplinen gilt: Immer häufiger tritt eine so genannte Blockierung als Unfallursache auf. Immer öfter ist es also so, dass in Not geratene Bergsteiger ihre Tour nicht mehr aus eigener Kraft beenden können – meist, weil sie überfordert sind.

Wandern bleibt unfallträchtig

Wie bereits in den Vorjahren sind Wandern und Pistenskifahren mit jeweils zirka 30 Prozent Anteil die Disziplinen mit den meisten Not- und Unfällen. Mehr als die Hälfte aller verunglückten Wanderer (52 Prozent) stolpern, knicken um oder rutschen aus, 18 Prozent bekommen körperliche Probleme, allen voran Herz- und Kreislaufprobleme, oder leiden an Erschöpfung. 24 Prozent aller Notlagen wurden durch Blockierung

verursacht. Einmal mehr zeigt sich also, dass eine typische Ursachenkombination für Notfälle in den Bergen auf dem Vormarsch ist – mangelhafte Kondition, mangelndes Wissen und Selbstüberschätzung. An der Ausrüstung mangelt es hingegen nicht.

Sicherheit und Ausbildung beim DAV

Der DAV versucht diesem Trend gezielt entgegenzuwirken. So geht die Sicherheitsforschung des DAV den Unfallursachen nach, analysiert das Verhalten von Bergsportlern und führt regelmäßig Materialtests durch. Die Ergebnisse der Sicherheitsforschung

finden direkt Eingang in die DAV-Ausbildungskonzepte. Mehr als 7.500 ehrenamtliche Fachübungsleiter geben das entsprechende Wissen an die DAV-Mitglieder weiter. In den 353 DAV-Sektionen ist somit eine fundierte alpine Ausbildung und damit mehr Sicherheit beim Bergsport garantiert. Beim DAV Summit Club können übrigens auch Nicht-Mitglieder entsprechende Kurse und Touren unter www.dav-summit-club.de buchen.

Datengrundlage der DAV-Bergunfallstatistik

In der DAV-Bergunfallstatistik werden ausschließlich die Unfälle von DAV-Mitgliedern erfasst – unabhängig davon, wo diese Unfälle passieren. Die DAV-Unfallstatistik ist also keine länderspezifische Statistik, sie spiegelt auch nicht das Unfallgeschehen in Deutschland oder in den bayerischen Bergen wieder.Eingang in die Statistik finden nur jene Unfälle, die die Mitglieder an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits Service – ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen.

Auf Grund ihres Umfanges und der bereits langjährigen Erhebung liefert die DAV-Bergunfallstatistik eine sehr gute Grundlage, um Entwicklungen und Tendenzen für den gesamten Bergsport abzulesen und die entsprechenden Konsequenzen daraus zu ziehen.